Wilhelm Wöltermann war schon fast am Ziel
Die Zeit läuft ihm davon

Gronau -

Wilhelm Wöltermann mag es kaum aussprechen: „Mein Tauben abzugeben . . .“ Mit dem Gedanken kann er sich nicht anfreunden. Noch hat er die Hoffnung, irgendwo einen Standort für seine Tauben zu finden - aber die Zeit läuft ihm davon.

Mittwoch, 29.07.2020, 06:49 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 18:12 Uhr
Wilhelm Wöltermann war schon fast am Ziel, steht derzeit aber vor dem Nichts.
Wilhelm Wöltermann war schon fast am Ziel, steht derzeit aber vor dem Nichts. Foto: privat

Das Ziel war schon zum Greifen nahe, doch momentan steht Wilhelm Wöltermann vor dem Nichts: Nach einem Aufruf in den Westfälischen Nachrichten hatte der Gronauer Taubenzüchter einen neuen Standort für seinen Schlag gefunden. Doch mit dem neuen Standort wird es nichts. Auf dem Grundstück befinden sich bereits Nebengebäude, die nicht genehmigt waren – keine Chance also für ihn, seinen rund 60 Tauben eine neue Heimat zu bescheren.

Eine Scheune, einen Dachboden, ein freistehender Schlag – ganz egal

Wilhelm Wöltermann

Bereits seit Anfang des Jahres sucht der Taubenliebhaber nach einer neuen Unterbringungsmöglichkeit für seine Tieren, „Eine Scheune, einen Dachboden, ein frei stehender Schlag – ganz egal“, betont Wöltermann. „Ich würde auch meinen eigenen Schlag irgendwie mitbringen.“ Doch dafür benötigt er einen kleinen Platz – und die Suche hat er mittlerweile auch auf die Nachbarschaft ausgedehnt.

Umzug in Nachbarorte

„Wenn es in den Nachbarorten vor Gronau eine Gelegenheit geben würde, dann würde ich versuchen, dort eine Wohnung zu finden“, verdeutlicht der 65-Jährige seine Bereitschaft, notfalls auch die eigenen Wohnung für sein geliebtes Gefieder aufzugeben. „Ich habe keine, Frau, keine Kinder – im Grunde sind meine Tauben alles, was ich hab.“ Und er kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, diese aufgeben zu müssen. Wenn er versucht, dies auszusprechen, dann ist ihm anzumerken, wie er gegen die Tränen ankämpft – und für seine Tauben kämpfen will.

Die Zeit drängt

Doch die Situation wird immer drängender. Zum Jahresanfang hat ihn die Stadt darauf hingewiesen, dass er den Standort hinter dem Wittekindshof räumen muss, da dort der Bau von Schule und Sporthalle in Angriff genommen werden soll.

Schlaggemeinschaft als Alternative

„Ich würde auch gerne mit einem anderen Züchter eine Schlaggemeinschaft bilden“, richtet der Frührentner seinen Blick hoffnungsvoll in die Nachbarorte, da er vor Ort bislang leider keine Möglichkeit gefunden habe. Aus finanziellen Gründen hat er seine Tauben in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen lassen. „So wissen viele leider nicht, welch tolle Tauben ich in meinem Schlag habe.“ Bei einer Zusammenlegung wäre er auch schweren Herzens bereit, einen Teil seiner Tauben aufzugeben.

„Ich werde mich wohl auch vom dem Schlag trennen, den ich gerne abgeben würde“, hofft er auf Interessenten, die mit dem 13 mal zwei Meter großen Stall samt Voliere vielleicht etwas anfangen können. Denn die Entsorgung, die sonst bei seinem Wegzug fällig würde, möchte er sich gerne sparen.

Ich möchte meine Tiere retten

Wilhelm Wöltermann

„Ich möchte meine Tiere retten“, spricht er unumwunden seinen größten Wunsch aus. Auch wenn ihm die Zeit davonläuft: Aufgeben ist für ihn keine Option, die er aussprechen kann.

Noch bleibt ihm die Hoffnung, dass irgendwer sich bei ihm unter   0170 1243239 meldet und er ein neues Zuhause für seine Tauben findet. An alles andere mag er aktuell nicht denken . . .

Nachrichten-Ticker