Streit um undichtes Wehr: Unklarheiten und verhärtete Fronten
Fischen geht das Wasser aus

Nienborg -

Das undichte Wehr in Nienborg sorgt schon seit geraumer Zeit für Ärger zwischen dem Angelsportverein und der Eigentümerfamilie Brüggemann. Doch jetzt droht der Konflikt aus dem Ruder zu laufen.

Dienstag, 11.08.2020, 19:25 Uhr
Durch das undichte Wehr ist der Wasserstand der Dinkel derzeit zu niedrig.
Durch das undichte Wehr ist der Wasserstand der Dinkel derzeit zu niedrig. Foto: Till Goerke

Der Wasserpegel der Dinkel ist (zu) niedrig. Das sieht man vor dem Wehr in Nienborg und am Überlauf auf den ersten Blick. Geschätzt 50 Zentimeter fehlen derzeit. Die heißen Sommertage verschärfen die Situation zusätzlich.

Genau das ruft den Angelsportverein Nienborg auf den Plan: Der Vorstand warnt vor den daraus resultierenden ökologischen Schäden – und hat einen Mitschuldigen der Misere ausgemacht.

Die Wassermühle samt Wehr ist ein beliebtes Ausflugsziel und im Privatbesitz der Familie Brüggemann. „Und die kümmert sich einfach nicht darum, dass die Schäden mal dauerhaft behoben werden“, sagt Christian Schubert, Vorsitzender des ASV. Bislang sind lediglich notdürftige Reparaturarbeiten am Wehr erfolgt. Dabei stellte die Familie Brüggemann Stroh zur Verfügung, Mitarbeiter der Gemeinde flickten einige Löcher.

Überschaubarer Erfolg

Der Erfolg ist überschaubar: Das Wasser strömt weiterhin durchs Wehr in die Unterdinkel. Etwas, das laut Dorothee Brüggemann auch notwendig sei. „Sonst würde da ja alles trocken fallen.“ Konter Christian Schubert: „Das Wehr muss komplett dicht sein und das Wasser nur über den Überlauf abfließen.“ Hinzu kommen unterschiedliche Auffassungen der Verantwortlichkeit in Sachen Reparatur. „Dafür ist die Familie Brüggemann als Eigentümer zuständig“, so der ASV-Vorsitzende. „Wir als Verein werden jedenfalls nicht dabei helfen, der Zug ist abgefahren.“

Bereits 2012 lagen sich die Parteien vor dem Landgericht Münster in den Haaren. Auch damals ging es um das Wehr und ein Fischsterben. Damals einigte man sich auf einen Vergleich. Und doch konnten damit beide Seiten offenkundig nicht gut leben. „Noch mal geben wir uns nicht mit einem Vergleich zufrieden“, kündigt Christian Schubert an.

Rechtsstreit im Raum

Nun steht ein erneuter Rechtsstreit im Raum. „Wenn jetzt nicht zeitnah was passiert, ziehen wir wieder vor Gericht“, stellt Schubert klar. Die Sache mit dem Wehr ist kompliziert. Das hat auch mit einem Vertrag zwischen der Gemeinde und Familie Brüggemann zu tun. Dass es diesen schriftlich fixierten Vertrag gibt, bestätigt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff. Darin sei geregelt, dass die Gemeinde die Hoheit über den Betrieb des Wehrs habe, sprich das Öffnen oder Schließen. Für die Instandsetzung des Wehrs sei aber der Eigentümer, die Familie Brüggemann zuständig. ​„Wir dürfen laut Vertrag nichts am Wehr machen“, sieht Dorothee Brüggemann die Gemengelage anders. Und sie betont: „Wir haben in der Vergangenheit viel Geld in die Automatik des Wehrs investiert.“ Auch die derzeit noch gesperrte Brücke vor dem Wehr werde noch im August saniert. „Wir nehmen Geld in die Hand und tun, was wir können und dürfen.“

Zwei Probleme

Dinge, die den Angelverein nicht interessieren. Zumindest solange nicht, wie das Wasser weiter durchs Wehr abläuft. „Die Versandung der Dinkel ist das eine Problem. Das andere ist das undichte Wehr“, stellt Christian Schubert klar. Fehlender Niederschlag und hohe Temperaturen gäben der Dinkel dann den Rest.

​„Der Sauerstoffgehalt sinkt und Kormoran und Fischreiher haben leichtes Spiel, die Fische zu ergattern“, so der Schubert. Ganz davon ab, dass die Fische bald ohnehin tot an der Oberfläche treiben würden, wenn nichts passiere. „Der Lebensraum wird zerstört, auch im Uferbereich.“

Dass es dem ASV dabei auch ums Geld geht, liegt bei allem ökologischen Interesse auf der Hand. Erst im Frühjahr setzte der Verein 750 Kilogramm neuen Fischbesatz in die Dinkel. Rund 3000 Euro kosten den ASV diese Maßnahmen im Jahr. Für einen kleinen Verein sei das eine Menge Geld, wie der Vorsitzende betont. „Und wer ersetzt uns und der Natur den drohenden Schaden?“

Lösung in weiter Ferne

Eine Lösung scheint derzeit jedenfalls in weiter Ferne. Dass die Gemeinde ein grundsätzliches Interesse an der Wehranlage in Form von Kauf oder Pacht habe, bestätigt der Bürgermeister. Doch Gespräche diesbezüglich habe es noch nicht gegeben, wie Dorothee Brüggemann sagt. Viel wichtiger sei ihr ein runder Tisch – nach der Kommunalwahl. „Vorher hat da sowieso niemand einen Kopf für“, sagt sie. „Mir ist auch egal, wer danach Bürgermeister ist. Wichtig ist, dass man Hand in Hand arbeitet.“ Auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff hält einen runden Tisch nach der Wahl für einen guten Weg.

Die Frage ist nur, ob der Angelverein solange die Füße stillhält und die Fische die erschwerten Bedingungen in der Dinkel überhaupt überleben.

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