Bilanz des Sommerferienprogramms
Lieber weniger und dafür länger

Drensteinfurt -

Sechs Wochen mit 568 Angeboten und insgesamt 4421 Plätzen: Was das Team um Stadtjugendpfleger Rüdiger Pieck trotz der Corona-Einschränkungen in den Sommerferien für die Kinder und Jugendlichen auf die Beine gestellt hat, das nötigt Respekt ab. Doch im nächsten Jahr würde man einiges anders machen.

Donnerstag, 27.08.2020, 07:33 Uhr
Die Teilnehmerzahlen beim Baucamp waren auch in diesen Sommerferien hoch. Andere Kurse mussten mangels Anmeldungen sogar ganz ausfallen.
Die Teilnehmerzahlen beim Baucamp waren auch in diesen Sommerferien hoch. Andere Kurse mussten mangels Anmeldungen sogar ganz ausfallen. Foto: Dietmar Jeschke

Als „sehr wohlwollend und wertschätzend“ hat Rüdiger Pieck die Äußerungen im Sozialausschuss seiner Arbeit gegenüber immer schon empfunden. Der Stadtjugendpfleger hat nun seit beinahe 25 Jahren die Belange der Kinder und Jugendlichen in der Wersestadt im Blick. Und auch bei der Sitzung am Dienstagabend im Forum der Teamschule duften er und sein Team vom Kulturbahnhof sich erneut viele lobende Worte anhören: dafür, dass Drensteinfurt trotz der Corona-Einschränkungen eine der wenigen Städte gewesen ist, die über sechs Wochen ein so umfangreiches Sommerferienprogramm auf die Beine gestellt hat.

Insgesamt 568 Angebote mit 4421 möglichen Plätzen habe es gegeben, führte Pieck aus. Deutlich mehr als gewohnt. Dafür seien es in der Regel aber Kurse über nur wenige Stunden und in kleinen Gruppen mit höchstens fünf bis zehn Personen gewesen. In der Nachbetrachtung habe man feststellen müssen, dass man „deutlich über Bedarf geplant“ habe, räumte Pieck ein. In der „Kuba-Galli“-Woche, dem Ersatz für „Halli-Galli“, seien beispielsweise lediglich 357 der insgesamt 1386 Plätze belegt gewesen. Bei „Kubalon“, der „Minilon“-Alternative, waren es 591 von 1305.

Das hatte aus Piecks Sicht drei verschiedene Gründe. Erstens sei, trotz des detaillierten Hygienekonzepts, bei einigen Familien die Angst vor Ansteckung groß gewesen. „Wenn man eine Woche später in den Urlaub fährt, dann darf kurz vorher natürlich nichts passieren“, hat Pieck entsprechende Rückmeldungen bekommen, warum manche Kinder nicht angemeldet worden sind.

„Erschlagen“ von der Fülle der Angebote

Zweitens seien manche schlicht „erschlagen“ gewesen von der Fülle der Angebote und der Formalitäten. Gebucht werden konnte in diesem Jahr ausschließlich online und im Voraus. Spontane Entschlüsse waren nicht möglich. „Und es ist einfach etwas anderes, ob ich bei ‚Halli-Galli‘ herumlaufe, sehe, dass an einer Stelle mit Eierkartons gebastelt wird, dies offensichtlich Spaß macht und ich spontan mitmache. Oder ob ich Wochen vorher entscheiden muss, dass ich an einem bestimmten Tag in den Ferien mit Eierkartons basteln soll“, erläuterte der Stadtjugendpfleger. Das frühe Festlegen und auch die Kleingruppen-Angebote hätten wohl doch einige abgehalten.

Und drittens, die Erfahrung habe er selbst in der eigenen Familie machen müssen, sei es nach den langen Wochen des Zuhause-Seins nicht immer einfach, die Kinder zu aktivieren. „Manche haben viel Zeit vorm Computer verbracht. Die Hemmschwelle, etwas anderes zu unternehmen, lag plötzlich höher“, so Pieck. Man müsse eigentlich in die Entwöhnung vom Auf-dem-Sofa-Sitzen einsteigen.

Für ihn persönlich seien die Ferien mit viel Verwaltungsaufwand verbunden gewesen. „Ich habe dieses Jahr die meiste Zeit Listen geführt und tatsächlich nur einen Workshop selbst geleitet“, hat er die Arbeit mit den Kids schon vermisst. Doch man sei gewappnet, falls das Programm auch im kommenden Jahr noch unter Corona-Bedingungen stattfinden müsste. „Dann würden wir wohl weniger Angebote machen, diese dann aber zeitlich ausweiten.“

Jugendkulturwoche in Planung

Zu guter Letzt gab Pieck noch einen Ausblick, wie es für den Rest des Jahres mit der Kinder- und Jugendarbeit weitergehen soll. In Planung sind die Jugendkulturwoche in den Herbstferien, eine Bildungsfahrt für die Teamschüler nach Weimar sowie die Wiedereröffnung der offenen Treffs in allen Ortsteilen. Der neue Jugendtreff, der noch vor Corona sonntags im Kulturbahnhof angeboten wurde, sei nach acht Terminen mangels Interesse allerdings wieder eingestellt worden. Dafür überlegten die Teams von SKIFF und DSC, die zum Ende der Sommerferien mit ihren „@home“-Alternativen viele junge Menschen erreicht hätten, auch im Herbst etwas anzubieten.

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