Beamtin aus Lengerich lässt sich Beleidigungen nicht gefallen
Junge Polizistin wehrt sich

Lengerich/Greven -

So lässt man sich nicht gehen. Was ein pensionierter Jurist einer jungen Polizistin aus Lengerich an den Kopf warf, brachte ihm seine erste Verurteilung vor Gericht ein.

Montag, 31.08.2020, 22:02 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 06:44 Uhr
Eine der vielen Aufgaben, die die Polizei wahrnimmt, ist das Kontrollieren des fließenden Verkehrs. Der Hinweis „Halt, Polizei“ kann bedeuten, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Eine der vielen Aufgaben, die die Polizei wahrnimmt, ist das Kontrollieren des fließenden Verkehrs. Der Hinweis „Halt, Polizei“ kann bedeuten, dass etwas nicht in Ordnung ist. Foto: Z5328 Jens Wolf

Bei einer Verkehrskontrolle war ein 65 Jahre alter Rollerfahrer aus Greven nicht mit dem Auftreten einer 22-jährigen Polizeibeamtin einverstanden. Der pensionierte Jurist hatte die junge Ordnungshüterin aus Lengerich mehrmals beschimpft. Jetzt verurteilte das Amtsgericht Steinfurt den bis dato nicht vorbestraften Grevener wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro.

Der Angeklagte gab im Großen und Ganzen zu, am 17. Dezember vergangenen Jahres während einer Verkehrskontrolle auf dem Grevener Hansaring Sätze wie „Sie sind doch nicht ganz dicht in der Kirsche!“, „Sie sind wohl neu hier im Revier und wollen sich Sporen verdienen!“, „Sie sollten ihre Ausbildung neu machen und zum Assessment-Center gehen. Holen Sie sich neue Schulbücher!“ und „Gehen sie zum Facharzt und lassen Sie sich mal ordentlich durchblasen!“ gesagt zu haben.

Dabei zeigte er mit dem Zeigefinger auf seinen Kopf. „Ich fühlte mich von der jungen Polizistin von Anfang an provoziert. Sie zeigte mir gegenüber überhaupt keinen Respekt“, bezeichnete der sich selbst verteidigende Angeklagte die Beschimpfungen als nicht so tragisch.

Er habe sich wenig später bei ihr entschuldigt und den Eindruck gehabt, dass es damit erledigt gewesen sei. „Deswegen war ich total erstaunt, als die Anzeige bei mir ins Haus flatterte.“

Die Polizeibeamtin aus Lengerich schilderte, dass sie den Angeklagten eigentlich nur auf den nicht verschlossenen Helmgurt aufmerksam machen wollte. „Er hat darauf sofort verbal reagiert. Ich kam kaum dazu, ihn zu belehren“, so die junge Frau, die die spätere Entschuldigung des Mannes nicht als ernst gemeint empfunden habe.

Der Staatsanwalt bezeichnete die Beleidigungen des Angeklagten als ehrverletzend und diffamierend. „Ich bin der Meinung, dass die junge Polizistin mir gegenüber nicht höflich genug gewesen ist“, lauteten die eingeräumten „Letzten Worte“ des Täters. Der pensionierte Jurist deutete bereits vor dem Urteil an, eine schon vorformulierte Rechtsmittelbeschwerde einreichen zu wollen, die er auch prompt der Richterin unter dem Spuckschutz durchreichte.

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