Vorzug für Brückenprojekt auf A30
A1-Ausbau verzögert sich um mindestens zwei Jahre

Münster -

Die beiden vierspurigen Abschnitte südlich und nördlich von Münster sind das Nadelöhr der A1. Der sechsspurige Ausbau ist beschlossen, für die rund 40 Kilometer zwischen Münster-Nord und dem Kreuz Lotte liegt Planungsrecht vor: Bagger und Baumaschinen rücken trotzdem noch nicht an. Die Verzögerung hat mit der A30 zu tun - und wird Jahre dauern.

Montag, 07.09.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 07:08 Uhr
Vorzug für Brückenprojekt auf A30 : A1-Ausbau verzögert sich um mindestens zwei Jahre
Blick von der Brücke der Altenberger Straße/Steinfurter Straße in Münster-Nienberge auf die Autobahn A1, Fahrtrichtung Norden/Bremen. An dieser Stelle endet noch der sechsstreifige Ausbau der Autobahn, dieser soll aber demnächst weitergehen. Foto: Gunnar A. Pier

Eigentlich könnten die Bagger für den sechsspurigen Ausbau der A1 zwischen der Anschlussstelle Münster-Nord und dem Au­tobahnkreuz Lotte quasi mor­gen anrücken. Die notwendigen Planfeststellungsbeschlüsse liegen längst vor. Trotzdem wird sich das als öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) vorgesehene Projekt auf Jahre verzögern. Weil zum Paket auch die Erneuerung von rund 35 Brücken über die A 30 zwischen Lotte und den Niederlanden gehört, die vorgezogen wird.

„Mindestens zwei Jahre“ dauere das, sagt die Leiterin der neuen und ab Jahresbeginn zuständigen Autobahn GmbH Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek. So lange passiert auf der A1 nichts.

A1-Ausbau seit Jahren beschlossen

Der aktualisierte Plan

Jahrelang konnten sich der Bund und das damals noch SPD-geführte NRW nicht darauf einigen, ob private Un­ternehmer oder – wie gehabt – die staatliche Straßenbauverwaltung die Arbeiten ausführen. 2017 verständigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss. Der nördliche Abschnitt wird im ÖPP-Verfahren gebaut. Das favorisiert der Bund. Die rund 31 Kilometer im Süden baut nun die Autobahn GmbH. Rund 700 Millionen Euro sind für das gesamte Projekt veranschlagt.

Ende 2021, so Sauerwein-Braksiek, wolle sie für die drei Bauabschnitte südlich von Münster Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen haben. Läuft alles glatt, könnten im ersten, neun Kilometer langen Teil zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal und der An­­schlussstelle Ascheberg ein Jahr später die Ausbauar­beiten beginnen.

Kommentar

Sankt-Nimmerleins-Tag

Autobahnen, Schienenwege, Wasserstraßen baut man nicht mal eben so. Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sind in der Regel eine ziemlich teure und damit zwangsläufig auch langwierige Angelegenheit. Dass zwischen der ersten Idee und fahrfertigen Straße mitunter Jahrzehnte liegen, ist dann aber doch wenig verständlich, kaum zu vermitteln – und eigentlich nicht nachvollziehbar.

Beispiele? Gibt’s auch in der Region. Die B 64 n wäre ein treffliches. Die ersten Pläne für den Ausbau der Bundesstraße zwischen Münster und Rheda-Wiedenbrück datieren auf das Jahr 1969. Über 50 Jahre (!) danach ist das Projektende noch lange nicht in Sicht. Ein Treppenwitz.

Gründe gibt es zuhauf. Die grundsätzlichen: Planungsverfahren sind zu kompliziert, der Weg zur Genehmigung ist zu steinig, zu steil und viel zu lang. Verfahren entschlacken, so wie es der Bundestag Anfang des Jahres beschlossen hat, ist ein Anfang, reicht aber nicht. Planen, genehmigen, loslegen: Der Dreisprung heißt nicht, Projekte übers Knie zu brechen, sondern allenfalls, sie auf der Zeitachse vom Sankt-Nimmerleins-Tag etwas näher an die Gegenwart heranzuführen. Und das ist leider viel leichter gesagt als getan.

von Elmar Ries

...
Nachrichten-Ticker