Nach fünf Jahren Generalüberholung fliegt der Motorsegler KITY wieder – nach Norderney
Reif für die Insel

Borghorst/Norderney -

„Kilo, India, Tango, Yankee im Landeanflug auf Bahn 08“, bereitet Matthias Gudorf über sein Funkmikrofon EDWY, das ist die internationale Kennung für den Flugplatz von Norderney, auf seine Ankunft vor. Die Dame im Tower schaltet schnell: „Kilo, India, Tango, Yankee? Wie schön, die KITY ist wieder da. Landebahn 08 ist bereit für Euch.“ Der Pilot, der in diesem Moment zur letzten Rechtskurve ansetzt, bevor er die Klappen zur Landung ausfährt, muss lachen. Auch nach fünfjähriger Abwesenheit ist der blau-gelbe Motorsegler aus Borghorst unter Fliegerkollegen immer noch bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Nicht nur wegen der auffälligen Lackierung.

Mittwoch, 23.09.2020, 14:08 Uhr
Matthias Gudorf steht die Freude ins Gesicht geschrieben: Nach fünf Jahren Generalüberholung fliegt der Motorsegler-Oldtimer KITY wie am ersten Tag.
Matthias Gudorf steht die Freude ins Gesicht geschrieben: Nach fünf Jahren Generalüberholung fliegt der Motorsegler-Oldtimer KITY wie am ersten Tag. Foto: Axel Roll

Von dieser ASK 16 wurden in den 70er Jahren nur 44 Exemplare gebaut. Damals war das der Mercedes unter der Motorseglern – und dementsprechend teuer.

Der 54-jährige Luftsportler hat nach der netten Begrüßung aber noch einen ganz anderen Grund zur Freude. Flugstunde Nummer acht nach der offiziellen Wiederinbetriebnahme ist gerade ohne auch nur den klitze­kleinsten Fehler oder Defekt über die Bühne gegangen. Bei einem Traumwetter ging es in ziemlich genau einer Stunde von Füchten über Rheine, Lingen, Meppen, Papenburg und Emden auf die Nordseeinsel. Der Vierzylinder-Boxer unter der Haube schnurrte wie ein Kätzchen, besser gesagt wie ein Käfer, ein VW-Käfer, und brachte die blau-gelbe Borghorst-Botschafterin samt Besatzung sicher erst auf 1000 Metern Höhe und dann mit Tempo 180 auf die Insel.

Matthias Gudorf war nach aufregenden und anstrengenden fünf Jahren auch reif für die selbige. Bis auf die sprichwörtlich letzte Schraube zerlegte er den fliegenden Oldtimer, um ihn dann nach einer Generalüberholung Bauteil für Bauteil wieder zusammenzusetzen. Und da wirklich kein Schräubchen übrig blieb, setzte der Prüfer ohne zu murren seinen Stempel unter das Freigabedokument. Nur dass die ganze Aktion fünf Jahre dauern würde, dass hätte der zertifizierte Motorseglerwart anfangs, als eigentlich nur die Bespannung nach einem kleinen Unfall repariert werden sollte, nicht gedacht.

Einmal Norderney und zurück

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  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

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  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • Mit der frisch restaurierten KITY ASK 16 der Luftsportgemeinschaft Steinfurt auf Norderney, Pilot Matthias Gudorf

    Foto: Axel Roll
  • LSG-Pilot Matthias Gudorf auf Norderney

    Foto: Axel Roll

Für die Landung auf der Rollbahnwiese hätte Matthias Gudorf in einem Charterflieger Applaus bekommen. Genauso routiniert parkt er die KITY im Schatten des Norderneyer Leuchtturms. Auf der motorwarmen Haube klappt er das Bordbuch für die unvermeidliche Buchführung auf und erinnert sich an den Sonntag vor einer Woche. Da erblickte der über 40 Jahre alte Motorsegler frühmorgens um kurz nach acht das erste Mal nach seinem mehrjährigen Aufenthalt in der dunklen Werkstatt der Luftsportgemeinschaft die helle Fliegersonne. 25 Minuten dauerte der erste Ausflug. „Mit Fallschirm“, wie Matthias Gudorf betont. Vorsichtig ist bekanntlich der Vater der fliegenden Porzellankiste. „Vom ersten Moment an war es genau wie früher“, staunte der Hobbypilot über sich selbst. Das Gefühl, der Geruch, die Geräusche unter der Kuppel.

Und so ist es auch heute. Aber selbst wenn das Fliegen Routine und der 360-Grad-Kurs Richtung Norderney nicht sonderlich anspruchsvoll ist – allein der Blick auf die Spielzeugwelt da unten ist für Gudorf selbst nach 34 Jahren Flugerfahrung immer wieder der Grund, den Steuerknüppel in die Hand zu nehmen. Da ist das Kraftwerk in Lingen, das der KITY kleine weiße Rauchwölkchen entgegenpustet. Die Ems schickt immer wieder blitzende Sonnenspiegelungen in die Höhe, während vorne am Horizont die am Boden so mächtige Meyer-Werft in Papenburg von hier verloren wie ein weißes Lego-Klötzchen auf der grünen Wiese steht. Nein, den Reinhard Mey mit seiner „Über den Wolken“-Ode an die Fliegerei werden wir hier jetzt nicht zitieren. . .

Ein weiterer Reiz der Fliegerei ist für Matthias Gudorf die Tatsache, dass „Du schnell irgendwo bist, wo es richtig schön ist.“ In einer Stunde auf Norderney – das ist auch für den dicksten Schlitten auf dem Inselparkplatz von Borghorst aus nicht zu packen. Und mit der Aussicht aus der KITY-Kuppel sowieso nicht.

 

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