Pop-Up-Freizeitpark anstatt normaler Kirmes: Schausteller sind froh über diese Alternative
Jahrmarkt-Feeling mit Maske

Nordwalde -

Am vergangenen Wochenende ging der Pop-Up-Freizeitpark auf dem Gelände von Hidding Events als Kirmes-Ersatz in die erste Runde. Die Schausteller sind froh über diese Alternative.

Donnerstag, 01.10.2020, 16:30 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 09:53 Uhr
Lynn Sauer steht mit einem holländischen Lakritz- und Süßwarenstand auf dem Pop-Up-Freizeitpark.
Lynn Sauer steht mit einem holländischen Lakritz- und Süßwarenstand auf dem Pop-Up-Freizeitpark. Foto: Rainer Nix

Die Karussells drehen sich, auch der Duft von gebrannten Mandeln hängt in der Luft. Es gibt freundliche Kontrollen am Eingang, jeder wird namentlich registriert und muss die Hände desinfizieren. Zwischen den Fahrgeschäften klaffen breite Gassen, Karussellfahrer müssen Mund- Nasen-Schutz tragen. Sicherheit geht in Corona-Zeiten vor. Pop-Up-Freizeitparks ersetzen die klassische Kirmes, so auch in Nordwalde auf dem Gelände von Hidding Events an der Gildestraße 8.

Am vergangenen Wochenende ging der Spaß in die erste Runde, seit gestern und bis Sonntag (4. Oktober) folgt die zweite. Für Kirmesfans eine Gelegenheit, Spaß zu haben und zumindest daran erinnert zu werden, was einst normal war.

Stefan Rosenboom aus Ochtrup ist Schausteller in dritter Generation. Er stammt aus einer bekannten Familie, denn seine Mutter ist eine geborene Kracke. Dieser Name steht für die erste Süßwarenbude auf der Kirmes nach dem Krieg. Auch die Nordwalder liebten das Naschwerk.

Auf dem Pop-Up-Freizeitpark ist Rosenboom jetzt mit einem „Greifer-Automatenstand“ vertreten. Wer geschickt ist, kann mit einer Art elektrischer „Zange“ hübsche Stofftiere ergattern. Sein Hauptgeschäft ist natürlich der Süßwarenstand, seine „Kuchenbude“ wie er sagt. Als im Juni das Veranstaltungsverbot ausgedehnt wurde, musste sich der Schausteller Gedanken machen, wie es weitergeht. „Da habe ich in Ochtrup bei einem großen Elektrofachmarkt nachgefragt, ob ich nicht auf dem Parkplatz Süßwaren verkaufen dürfte“, erzählt  Rosenboom. Er baute dort seine Weihnachtsmarkt-Bude auf und der Umsatz war immerhin so gut, dass es „den Kühlschrank füllte“.

„Vom Weihnachtsmarkt bis Ende Juni dieses Jahres habe ich keine Umsätze eingefahren“, bedauert er. Der Mann aus der Töpferstadt lebte von Ersparnissen, die eigentlich für die Altersversorgung reserviert waren. Es gab zwar auch Corona-Soforthilfe, doch wer weiß, wie viel man davon zurückzahlen muss. „Seit Juli kommt durch die Pop-Up-Freizeitparks wieder etwas Geld rein“, sagt Rosenboom. Ein kleiner Lichtblick, denn irgendwie muss es ja weitergehen. „Ich bin ein optimistischer Mensch“, sagt der Schausteller. „Mein Großvater hat zwei Weltkriege überstanden, da werden wir diese Krise wohl auch meistern, doch einfach ist es nicht.“

Lynn Sauer steht mit einem holländischen Lakritz- und Süßwarenstand vor Ort. „In den Niederlanden waren die Corona-Beschränkungen bislang nicht so drastisch wie hier“, sagt sie. Dort setzte man auf den „intelligenten Lockdown“. In Deutschland konnte sie ihre Leckereien allerdings längere Zeit nicht verkaufen. „Ich finde diesen Pop-Up-Freizeitpark hier mit seinen breiten Wegen sehr gut organisiert“, betont Lynn Sauer.

„Es ist nicht die gewohnte Nordwalder Kirmes“, sagt Philipp Heitmann, zweiter Vorsitzender des Schaustellerverbandes Münsterland, „doch es ist für uns eine Möglichkeit, während der Corona-Pandemie etwas zu verdienen.“

Der Herbstrummel hat am heutigen Freitag von 14 bis 22 Uhr und am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 22 Uhr an der Gildestraße 8 geöffnet. Der Eintritt kostet einen Euro. Für die Fahrgeschäfte muss extra bezahlt werden.

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