Mobilität auf Abruf oder Shuttle-Fahrten
London-Taxis schließen Lücken

Senden -

Ob eine individuelle Kurzstrecke innerhalb Sendens oder als Shuttle zum Expressbus: Mit London-Taxis, die ab nächstem Frühjahr durch Senden sausen sollen, werden Lücken im Mobilitätsnetz geschlossen.

Freitag, 02.10.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 19:54 Uhr
Allesamt begeistert vom London-Taxi (v.l.):
Allesamt begeistert vom London-Taxi (v.l.): Foto: di

Elegant im Auftritt und flott im Anzug, geräumig und flexibel – die Motordroschken, die durch die Metropole an der Themse flitzen, sausen künftig auch durch die Stevergemeinde. London-Taxis ergänzen das ÖPNV-Netz Sendens. Im zweiten Quartal des kommenden Jahres sollen die Hybrid-betriebenen Vehikel ihren Dienst aufnehmen.

Optik und Funktionen überzeugen die Fachleute

Diese News versah Projektleiter Josef Himmelmann mit einem Rufzeichen, indem er mit einem der auffälligen Fahrzeuge jetzt vor dem Rathaus parkte. Das heilige Blechle, das Blicke auf sich zieht, wurde von Vertretern des Bürgerbus-Vereins Senden auch auf Herz und Nieren geprüft. Nicht von ungefähr kurvte Himmelmann mit dem Taxi zu einem Treffen mit Vertreten von Gemeinde Senden, RVM und Bürgerbus-Verein. Denn auf dessen Crew schielt der Projektleiter des Bürgerbüros mobiles Münsterland, was die Abwicklung eines Teils der Fahrten angeht. Himmelmann stellte vor der Presse aber klar, dass er „niemanden überfordern“ möchte. „Die Bürgerbus-Fahrer sollen weiter Spaß an der Sache haben.“

Der Verein mit seinem ehrenamtlichen Team steht der Anfrage prinzipiell offen gegenüber. „Über den ÖPNV und den Bürgerbus-Service hinaus gibt es in Senden natürlich weitere Bedarfe. So befassen wir uns im Bürgerbus-Verein gemeinsam mit der Gemeinde und dem Inklusionsbeirat aktuell mit der Frage, wie wir ein barrierefreies Mobilitätsangebot in Senden organisieren können. Mit dem gerade vorgestellten London-Taxi zeichnet sich eine Lösung für das Fahrzeugthema ab. Das wäre perfekt“, erläutert Klaus Dallmeyer, Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins Senden. Auf WN-Anfrage fügt er hinzu: „Aber, wir benötigen für einen solchen Service auch das entsprechende Fahrpersonal. Hier sind wir mit unseren Fahrerinnen und Fahrern im Gespräch. Diese leisten bereits jetzt rund 3500 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr. Der Service wird nur mit zusätzlichem Fahrpersonal und engen Zeitfenstern zu realisieren sein“, unterstreicht der Vorsitzende. Dessen Prognose insgesamt zuversichtlich ausfällt: „Wir sind optimistisch, das zu schaffen.“

Keine Extrakosten für Busfahrer

Drei Taxis, die unter dem Dach der RVM eingesetzt werden, sollen in Senden den Shuttle vom Wohnhaus zur Mobilstation/Bushaltestelle übernehmen. Dazu entstehen keine extra Kosten, die Taxi-Fahrt ist mit dem Busticket abgegolten.Die London-Taxis mit Platz für bis zu sechs Fahrgäste, bieten – wie bereits in Hiltrup – einen On-Demand-Service an, was bedeutet, dass sie sie individuell angefordert werden (innerhalb Sendens soll die Fahrt 1,50 Euro kosten). So können bisherige Lücken im ÖPNV geschlossen werden, etwa wenn jemand in Bösensell mit dem Zug ankommt, aber später abends noch nach Senden möchte.Neben dem Bürgerbus-Team sollen auch Profis am Steuer sitzen: Die Durchführung der Fahrten „kaufen wir am Markt ein“, so Michael Klüppels, Leiter RVM-Verkehrsmanagement, gegenüber den WN.Die Anschaffung der Taxis wird zu 75 Prozent gefördert, den Rest übernimmt der Kreis Coesfeld.

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Dass mit den neuen Fahrzeugen, die 90 Kilometer elektrisch fahren, Menschen mit Handicaps im Rollstuhl sitzend transportiert werden können, schließt aus Sicht des Inklusionsbeirates der Gemeinde Senden eine bisher klaffende Lücke. „Keine Frage, das wäre super“, bewertet Wilhelm Eilers, ein Sprecher des Beirates, die neuen „Verkehrs“-Aussichten für Senden.

Mehrere Jobs für das London-Taxi

Die London-Taxis sollen allerdings gleich mehrere Transport-„Jobs“ erfüllen. Ziel ist es, in Senden als Kristallisationspunkt des Reallabors für Mobilität im ländlichen Raum, möglichst viele Menschen zum Umsteigen auf Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) zu bringen. Die Fahrzeuge des chinesischen Herstellers LEVC, die über Volvo vertrieben und gewartet werden, sollen Zubringerfahrten zur Mobilstation übernehmen, an der in den Schnellbus oder Expressbus (X 90) eingestiegen werden kann. Als Shuttle zur Bushalte können aber auch E-Scooter, E-Bikes oder das eigene Fahrrad dienen. An der Verzahnung der Fahrzeuge, ihrer Bereitstellung und Bezahlung arbeiten Himmelmann und Team noch. Feste Absicht ist, dass alles über eine App am Handy abgewickelt werden soll. Das London-Taxi soll aber auch die Beweglichkeit innerhalb Sendens verbessern. Neben dem Bürgerbus stünde auch in den Abendstunden und an Wochenenden das Taxi abrufbereit. Wie diese Zeiten abzudecken sind, wird noch geklärt.

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