Jugendliche brachen elf Fahrkartenautomaten auf
Schnapsidee – 160 000 Euro Schaden

Greven/Rheine -

Drei Jugendliche mussten sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil sie Automaten der Westfalenbahn geknackt hatten. Die Beute blieb gering, der Schaden war erheblich.

Dienstag, 01.12.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 09:45 Uhr
Brachial brachen Jugendliche die Fahrkartenautomaten der Westfalenbahn auf – jetzt mussten sie sich dafür für dem Jugendschöffengericht verantworten.
Brachial brachen Jugendliche die Fahrkartenautomaten der Westfalenbahn auf – jetzt mussten sie sich dafür für dem Jugendschöffengericht verantworten. Foto: Günter Benning

Zwei beste Freunde aus Greven im Alter von 20 Jahren hatten eine „Schnapsidee“, schnell an Geld zu kommen und landeten deswegen gestern vor dem Jugendschöffengericht in Rheine. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, zwischen dem 3. November 2019 und Februar 2020 elf Fahrkartenautomaten der Westfalenbahn in Greven, Emsdetten und Rheine mit Brecheisen aufgebrochen zu haben, um das Wechselgeld zu kassieren.

Die Gesamtbeute betrug laut Anklage 3615 Euro, den Sachschaden bezifferte der Staatsanwalt mit 160 000 Euro.

An vier Taten war ein 17-Jähriger aus Greven beteiligt, der ihnen ein Brecheisen geliehen und bei drei weiteren Taten Schmiere gestanden hatte. Einer der beiden 20-Jährigen wurde aus der Haft vorgeführt, um sein Erscheinen vor Gericht zu sichern. Er hatte schon eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wegen diverser Straftaten teilverbüßt. Ein Rest war danach zur Bewährung ausgesetzt worden. Diese Taten beging er unter der Bewährung der Reststrafe und saß danach den Rest ab.

Er wurde gestern wegen elf besonders schwerer Diebstähle zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Normalerweise wäre er nach dem Urteil bis zum Haftantritt auf freien Fuß gekommen, aber der Richter erließ noch im Gerichtssaal einen Haftbefehl gegen ihn wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr. Das bedeutete den sofortigen Einzug ins Gefängnis.

Sein Komplize, der 2015 zwei Wochen Dauerarrest wegen Straftaten kassiert hatte, kam wegen der elf besonders schweren Diebstähle mit einem Jahr auf Bewährung und 100 Sozialstunden glimpflicher davon.

Er wollte von der Beute, die er sich mit dem Freund geteilt hatte, seine Handyschulden in Höhe von 2000 Euro bezahlen. Der 17-Jährige wurde ohne festes Strafmaß wegen Beihilfe zum Diebstahl, Diebstahls eines Winkeleisens im Hagebaumarkt am 20. November 2019 und Teilnahme an drei Automaten-Aufbrüchen für zwei Jahre unter Bewährung gestellt und muss 60 Sozialstunden ableisten. Er hatte nur 100 Euro von der Beute bekommen.

Eine Juristin vertrat die Interessen der Westfalenbahn und hatte einen sogenannten Adhäsionsantrag gestellt, der einen Zivilprozess erspart. In einer Verhandlungspause einigten sich die Anwälte der beiden 20-Jährigen und die Rechtsanwältin der Westfalenbahn auf einen Schadenersatz von 17 500 Euro. Darin enthalten sind die Beute, der Selbstanteil der Reparaturkosten der Bahn und der Vertragsschaden, was einen Gesamtwert von 21 675 Euro ausmachte.

„Da werden sicher noch weitere Kosten auf Sie zukommen“, sagte der Richter und ging davon aus, dass die Versicherung Schadensansprüche stellen werde. Den Angeklagten kam ihr Geständnis zugute, das sie sofort nach ihrem Auffliegen abgelegt hatten. Über Funkzellen orteten Polizeibeamte das Handys des 20-Jährigen, der schon gesessen hatte.

Beide Angeklagte sind seit langer Zeit dicke Freunde. Sie hätten sich beim Trinken überlegt, das schnelle Geld zu machen, um ihre Schulden zu begleichen. Beide betonten, dass der 17-Jährige ihnen nur das Brecheisen für die erste Tat geliehen und ein paar Mal Schmiere gestanden hätte. „Ich wollte einfach mal dabei sein“, sagte der Jugendliche, der Stress zu Hause gehabt hätte.

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