Renaturierung der Ems
Durchstich für wandernde Fische

Greven -

Ein Großprojekt hilft den Fischen: In Greven hat der Wasserspiegel der Ems einen Höhenunterschied von 2,20 Meter. Das bereitet wandernden Wassertieren große Probleme. Deshalb ist ein neuer Emsarm angelegt worden, der durch Buhnen die Höhenunterschiede so sanft absenkt, dass die Tiere keine Schwierigkeiten mehr haben. Am Donnerstag wurde der Damm zwischen dem neuen und dem altem Emsarm durchstochen: Ein wildes Schauspiel aus Wasser und Lehm.

Donnerstag, 03.12.2020, 20:45 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 20:54 Uhr

Erst langsam, dann schnell und sprudelnd bricht das Wasser durch den Zwischendamm in Höhe des „Sohlabsturzes Cramer“ (verhindert Tiefenerosion des Flusses), als die erste Baggerschaufel am Donnerstag um 10.15 Uhr ins Erdreich greift.

Nach und nach läuft das Wasser über den neuen renaturierten Ems-Verlauf. Der breitet sich dort aus, wo zuvor noch saftige Wiesen waren. Um die Ems im Stadtgebiet von Greven ökologisch zu verbessern und sie für wandernde Fische und anderen Organismen durchgängiger zu machen. Diese kommen bislang die Ems nicht gut hoch – wegen starker Höhenunterschiede.

Ems auf 450 Metern renaturiert

Hermann Berling, Projektleiter von der Bezirksregierung, Dezernat Wasserwirtschaft/Gewässerschutz, zeigt sich vor Ort zufrieden mit dem Verlauf der Baustelle. Auf insgesamt zwei Teilabschnitten der Ems („zwischen Freibad „Schöneflieth“ und „Cramer“) werden von einem Dutzend Bauarbeitern und ebenso vielen Baggern, Treckern und Lkw insgesamt 550 000 Kubikmeter Boden bewegt. Damit das Wasser der Ems auf einer Länge von 450 Metern in neuen, renaturierten Bahnen laufen kann.

„Wir haben an der Durchstichstelle ein neues Flussbett parallel zur Ems gebaut mit 15 Becken und 16 Riegeln beziehungsweise Buhnen, das sind Bodendecker in Trockenbauweise aus Sand und Lehm, die relativ dicht sind. Darauf kommt jeweils eine Ladung Geröllsteine.“

Die Buhnen dienen dazu, den Höhenunterschied der Ems (die Wasserspiegeldifferenz) stufenweise um jeweils zehn Zentimeter abzubauen. An dieser Stelle sorgen 17 Buhnen für einen Höhenunterschied von 1,70 Meter. Insgesamt 23 Buhnen wurden zwischen den Brücken „Schöneflieth“ und „Cramer“ errichtet, um den Höhenunterschied zu beseitigen. Am Montag wurde der Zulaufbereich des neuen Emsabschnittes geflutet.

Fische können wieder wandern

Der bewegte Boden ist von der Oberfläche her sehr schlammig und für berichtende Journalisten fast unwegsam (starke Rutschgefahr), der untere Boden ist aber sehr vollwertig. „Der Kalksandstein ist in einem solch guten Zustand, dass wir ihn an ein Kalksandsteinwerk in Bockholt verkaufen können“, freut sich Berling über eine überraschende Begleitererscheinung. Regen und Wind nehmen indes zu.

Ems-Renaturierung in Greven

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  • Zweiter Durchstich an der Ems in Greven - Buhnen "Cramer".

    Foto: Peter Sauer
  • Hermann Berling von der Bezirksregierung Münster zeigt den zweiten Durchstich der Ems, wo der neue Ems-Verlauf im Unterlauf am Donnerstag um 10.15 Uhr geöffnet wurde.

    Foto: Peter Sauer
  • Zweiter Durchstich der Ems bei Greven.

    Foto: Cengiz Sentuerk
  • Zweiter Durchstich der Ems bei Greven.

    Foto: Cengiz Sentuerk
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ems in Greven am Biederlack-Ufer in verschiedenen Stufen ihres Ausbaus.

    Foto: Günter Benning

„Durch den Wegfall des Höhenunterschieds können Fische und im Wasser lebende Kleintiere wieder ungehindert in der Ems wandern“, erklärt Hermann Berling einen der Vorteile der nachhaltigen Umgestaltung der Ems. Die Insel zwischen Altarm und neuem Flussbett wird tiefer gelegt, so dass sich dort Auen mit nassem Grünland und Röhrichten entwickeln können.

Alter Emslauf wird abgeklemmt

Die gesamte Baumaßnahme erstreckt sich auf einer Länge von über 1,2 km und kostet rund drei Millionen Euro. „Wenn es weiterhin so gut läuft, werden wir mit der Umgestaltung im März 2021 fertig sein“, prognostiziert Hermann Berling. Zeitnah wird der alte Verlauf der Ems abgeklemmt, so dass die Ems dann nur noch über den renaturierten Bereich verläuft, der Fischen und Kleintieren das Passieren erleichtert.

Die großangelegte Renaturierung setzt als Teil des Ems-Auen-Schutzkonzeptes die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie um.

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