Corona-Schutzimpfung im Seniorenzentrum am See
Große Mehrheit ist impfwillig

Saerbeck -

Bis auf eine Ausnahme wollen sich alle Bewohner des Seniorenzentrums am See gegen das Coronavirus impfen lassen. Unter den Beschäftigten ist die Impfbereitschaft deutlich geringer. Am Samstag wird in dem Haus eine Lieferung mit mehr als 100 Impfdosen erwartet.

Donnerstag, 31.12.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 31.12.2020, 06:10 Uhr
Im Seniorenzentrum am See sollen am kommenden Samstag Bewohner und ein Großteil der 60 Beschäftigten gegen das Coronavirus geimpft werden. Verabreicht werden die Dosen von drei Saerbecker Hausärzten. Die Einverständniserklärungen waren bereits im Vorfeld eingeholt worden.
Im Seniorenzentrum am See sollen am kommenden Samstag Bewohner und ein Großteil der 60 Beschäftigten gegen das Coronavirus geimpft werden. Verabreicht werden die Dosen von drei Saerbecker Hausärzten. Die Einverständniserklärungen waren bereits im Vorfeld eingeholt worden. Foto: Katja Niemeyer

Der kommende Samstag ist im Seniorenzentrum am See für eine große Corona-Impfaktion reserviert. Aller Voraussicht nach sollen an dem Tag mehr als 100 Impfdosen für Bewohner und Angestellte eintreffen. Einrichtungsleiterin Manuela Lantzsch hatte die Lieferung am Dienstag bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund bestellt. Bis Redaktionsschluss war gestern jedoch nicht sicher, ob die Lieferung pünktlich eintrifft. Wenn nicht, startet die Impfkampagne wenige Tage später.

Ungeachtet dieser bislang ungeklärten Frage zeigt sich die Einrichtungsleiterin erleichtert, dass die Schutzimpfung nun kurzfristig starten kann. Ein Ausbruch mit fünf Infizierten Ende November steckt ihr noch in den Knochen. Nur durch die rasche Isolierung der erkrankten Bewohner sei es damals gelungen, Schlimmeres zu verhindern, schildert die Einrichtungsleiterin den Ausnahmezustand, in dem sich das Haus rund eine Woche lange befunden hatte.

Für die Immunisierung ist alles vorbereitet. „Für die Senioren haben wir die Einverständniserklärungen bereits im Vorfeld von den jeweiligen Angehörigen oder Betreuern eingeholt. Unsere Mitarbeiter konnten sich in eine Liste eintragen“, erläutert Manuela Lantzsch. Bis auf eine Ausnahme würden alle der derzeit 43 Bewohner geimpft werden. Unter ihren Kollegen sei die Bereitschaft geringer. Die Einrichtungsleiterin geht derzeit davon aus, dass am Ende rund 80 Prozent der insgesamt 60 Beschäftigten einer Impfung zustimmen.

„Die Akzeptanz hat in den vergangenen Tagen zugenommen. Und das ist auch gut so. Andernfalls bekommen wir unsere Freiheit nicht zurück“, betont die gelernte Pflegefachkraft, die sich im Verlauf ihres Berufslebens zur Einrichtungsleiterin weitergebildet hat.

Verabreicht wird der Impfstoff in dem Alten- und Pflegeheim von drei Saerbecker Hausärzten. Zuvor, erläutert Manuela Lantzsch, würden die Bewohner bei Bedarf im Rahmen eines Gespräches unter anderem über die Wirkung des Vakzins aufgeklärt. Für eine ausreichende Kühlung der Dosen sei gesorgt. Nach dem Eintreffen sollen sie in einem Kühlschrank aufbewahrt werden. Unter der Voraussetzung, dass sie innerhalb kurzer Zeit gespritzt werden, sei damit eine ordnungsgemäße Lagerung sichergestellt, sagt die Einrichtungsleiterin. Das Biontech/Pfizer-Mittel – der bislang erste, in der EU zugelassene Impfstoff – muss zuvor durchgehend auf minus 70 Grad gekühlt werden.

Die Impfaktion ist erst ein erster Schritt in Richtung Immunisierung. Für einen vollständigen Schutz ist in etwa drei Wochen eine zweite Impfung notwendig. Entwarnung wird es aber auch dann noch nicht geben. Abstands- und Hygieneregeln, daran lässt Manuela Lantzsch keinen Zweifel, müssen weiterhin eingehalten werden. Und auch die seit einiger Zeit üblichen Schnelltests für Besucher des Hauses würden nach wie vor durchgeführt.

Wie die Covid-19-Erkankung Ende November in dem Seniorenzentrum ausbrechen konnte, weiß die Einrichtungsleiterin nicht. Nachdem bei einer Bewohnerin eine erhöhte Körpertemperatur gemessen worden war, sei sogleich ein PCR-Test durchgeführt worden – mit einem positiven Ergebnis. Es folgten Tests unter allen Bewohnern und Angestellten. „Schnell stand fest, dass sich vier weitere Senioren infiziert hatten“, berichtet die Leiterin.

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, ordnete sie ein Maßnahmenpaket an, das für derartige Fälle entwickelt worden war. Manuela Lantzsch isolierte die Erkrankten im Obergeschoss des Hauses. Im ersten Geschoss brachte sie Verdachtsfälle unter, im Erdgeschoss eindeutig gesunde Bewohner. Pfleger, die Kontakt hatten zu positiv Getesteten, schickte sie in Quarantäne. Und sie sorgte dafür, dass sich Heimbewohner und Tagespflegegäste nicht begegnen.

„Wir haben sofort gehandelt. Und glücklicherweise waren die Krankheitsverläufe nicht so gravierend, dass die betroffenen Bewohner in einem Krankenhaus behandelt werden mussten“, stellt die Einrichtungsleiterin fest. In einem täglichen Rhythmus erfolgten weitere Tests. Aufatmen dann nach etwas mehr als einer Woche. Das, sagt Manuela Lantzsch, „möchte ich nicht ein zweites Mal erleben“.

 

Nachrichten-Ticker