Erste Impfungen in Burgsteinfurt und Borghorst
Endlich geht es los

Burgsteinfurt/Borghorst -

Der Silvestertag war ereignisreich in einem Haus der Evangelischen Altenhilfe in Burgsteinfurt und dem Borghorster Heinrich-Roleff-Haus: In beiden Senioreneinrichtungen erhielten Bewohner und Mitarbeiter noch vor dem Jahreswechsel Corona-Schutzimpfungen.

Freitag, 01.01.2021, 17:46 Uhr
Friedrich Wilhelm Spelsberg impfte Monika Reimer, die die Impfung als notwendig im Kampf gegen Corona ansieht.
Friedrich Wilhelm Spelsberg impfte Monika Reimer, die die Impfung als notwendig im Kampf gegen Corona ansieht. Foto: nix

„Ich finde die Corona-Schutzimpfung richtig“, sagte die 77-jährige Monika Reimer entschieden. Sie ist Bewohnerin eines Hauses der Evangelischen Altenhilfe an der Tecklenburger Straße in Burgsteinfurt. „Wer dagegen ist, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen.“ Die Seniorin gehörte zu den ersten, die am Silvestertag im Dietrich-Bonhoeffer-Haus / Cläre-Fund-Haus geimpft wurden. „Ich denke immer daran, wie während des Zweiten Weltkrieges die Diphtherie grassierte und viele, besonders Kinder, daran starben, weil es keinen Impfstoff gab“, erinnerte Monika Reimer. Nun freute sie sich, dass Corona-Impfstoffe endlich zugelassen wurden.

Die Spritzen setzten Friedrich Wilhelm Spelsberg, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, sowie Dr. Naser Eyni, Facharzt für Allgemeinmedizin. Eyni lobte die gute Organisation durch Einrichtungsleiter Reinhard van Loh und sein Team. „Wir sind froh, dass wir den Impfstoff haben und heute loslegen können“, betonte Eyni. „Ohne Impfung kommen wir aus der Corona-Krise nicht so bald heraus. Wir hoffen, im Sommer soweit zu sein, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung geimpft ist, dann entwickeln wir eine gute Herdenimmunität.“

Große logistische Herausforderung

Zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr lieferte eine Spedition das Biontech-Produkt an. Insgesamt standen rund 170 Einzeldosen für die Seniorenheim-Bewohner und die Mitarbeiter zur Verfügung. „Die Stimmung bei Angehörigen und Bewohnern ist überwiegend sehr gut“, so Einrichtungsleiter Reinhard van Loh. Viele sähen es als Möglichkeit, zurück zur Normalität zu finden. Die Impfaktion bei der Evangelischen Altenhilfe war eine große logistische Herausforderung für alle Beteiligten.

„Ich selbst bin sehr froh, dass es nun endlich losgeht“, betonte der Einrichtungsleiter. Es bleibe weiterhin durch Schutzverordnung und alle weiteren zum Thema ergangenen Vorschriften viel Arbeit. „Aber die Angst vor einem unkontrollierten Ausbruch und den damit zu erwartenden schlimmen Folgen für das Haus ist jetzt gebannt“, so van Loh. Parallel stand eine Corona-Impfaktion im Borghorster Heinrich-Roleff-Haus auf dem Programm.

101-Jährige wird ebenfalls geimpft

Dort wurden am Silvestermorgen fast alle der 100 Bewohner gegen das Coronavirus geimpft. Die älteste von ihnen war 101 Jahre alt. „Nahezu 90 Prozent unserer Bewohner lassen sich impfen. Alle, die wollten, konnten geimpft werden. Wir haben keinen Druck ausgeübt. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollten, haben entweder Allergien oder sind in einem so schlechten gesundheitlichen Zustand, dass sie Angst davor haben, den Impfstoff nicht vertragen zu können“, erläuterte Einrichtungsleiter Clemens Schulze Beiering. „Bei unseren Mitarbeitern ist es genauso. Zwei Drittel von 150 wollen sich impfen lassen.“

Bereits um 7.45 Uhr waren die Impfdosen vor Ort. Um 9 Uhr standen die beiden Impfteams vor der Tür des Seniorenzentrums an der Rubensstraße. „So konnten wir drei Impftische einrichten und drei Bewohner gleichzeitig impfen. Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen wird“, freute sich Clemens Schulze Beiering. Trotzdem lief nicht alles reibungslos. Denn die aktuellen Aufklärungsbogen kamen gleichzeitig mit den Impfstoffdosen an. Deswegen mussten im Vorfeld die alten bereits ausgefüllten Bögen herhalten, weil es sonst einen Stau gegeben hätte.

Nicht genug Impfstoff vorhanden

„Trotz des im Moment herrschenden allgemeinen Chaos‘ funktioniert zum Glück das System einigermaßen gut. Die Tatsache, dass wir so kurz nach Ausbruch der Pandemie, nicht mal ein Jahr später, schon Impfstoffe haben und die priorisiert für diejenigen, die es am nötigsten haben, zuerst geben können, ist ein großer Erfolg, meine ich“, betonte der Einrichtungsleiter. „Natürlich können wir nicht alle impfen, weil noch nicht genug Impfstoff da ist. 100 Dosen haben wir. Eigentlich müssen wir die doppelte Menge haben.“

Die Impfungen führten Hausärztin Martina Heise aus Borghorst mit einer Mitarbeiterin und Michael Niesen, Hausarzt aus Ochtrup und Metelen, mit zwei Mitarbeitern durch. Zehn Mitarbeiter des Heinrich-Roleff-Hauses unterstützten die Impfteams. Die Geimpften wurden danach wie in Burgsteinfurt etwa eine halbe Stunde beobachtet. In drei bis vier Wochen erhalten sie in beiden Einrichtungen die zweite Dosis. Dann ist der Schutz gegen Covid-19 bei annähernd 100 Prozent.

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