Netz-Ausbau
Schnelles Internet: Das Münsterland ist bundesweit Spitzenreiter

Münsterland -

Anders als der Rest der Republik gibt sich das Münsterland total digital: Nach Angaben der Wirtschaftsförderungsgesellschaften können 70 Prozent der Haushalte direkt auf die Überholspur der Datenautobahn. Das ist bundesweit spitze.

Montag, 04.01.2021, 09:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 13:03 Uhr
Richtig schnell wird der Datenverkehr mithilfe von Glasfaser-Leitungen.
Richtig schnell wird der Datenverkehr mithilfe von Glasfaser-Leitungen. Foto: Deutsche Telekom

Beim Ausbau schneller Internetverbindungen hat sich das Münsterland deutschlandweit zum Trendsetter gemausert. Während im Bundesdurchschnitt nur knapp mehr als fünf Prozent der Haushalte einen Zugang zum schnellen Internet mit mehr als 1000 Mbit/s haben (NRW rund elf Prozent), liegt die Quote im Münsterland beim Zugang über das TV-Kabel bei 80 Prozent (Kreis Borken) bis 95 Prozent (Stadt Münster).

Auch bei der Versorgung mit einem Breitband-Anschluss liegt die Region mit 46 Prozent im Kreis Warendorf und 75 Prozent im Kreis Coesfeld Lichtjahre vor fast allen anderen Regionen. „Nur Schleswig-Holstein kommt im Bundesvergleich auf ähnlich gute Werte“, sagt Jochen Wilms, Breitband-Koordinator im Kreis Coesfeld.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland erst spät den Weg auf die Datenautobahn gefunden. Während Südkorea, Japan, Litauen, Schweden und Lettland bereits über 70 Prozent ihrer Haushalte an das Breitband-Netz angeschlossen ha­ben, sind es in Deutschland mickrige 4,1 Prozent (Rang 34 im Länderranking).

Jahrelange Vorbereitung

Im Münsterland haben sich die Kreise, Städte und Gemeinden schon vor Jahren auf den Weg gemacht – inspiriert auch durch die Nähe zu den Niederlanden. „Dort existiert die Glasfaser-Technologie seit 20 Jahren“, so Wilms.

Der Vorsprung zahlt sich aus: Während sich der Bund das Ziel gesetzt hat, bis 2025 flächendeckend schnelles In­ternet zur Verfügung stellen zu können, will das Münsterland auch hier schneller sein. „Die jahrelange Vorbereitung zum Ausbau von gigabitfähigen Infrastrukturen entfaltet jetzt ihre volle Wirkung“, sagt Ralf Hübscher, Gigabit-Koordinator im Kreis Warendorf.

Dabei gehen die vier Kreise und die Stadt unterschiedliche Wege. Während Coesfeld und Steinfurt konsequent auf die Breitbandtechnologie setzen – „da lassen wir uns auch nicht von den Gigabit-Versprechen der Kabelanbieter blen­den“, so Ingmar Ebhardt, Breitband-Koordinator im Kreis Steinfurt – favorisieren die anderen Kreise und die Stadt Münster eine Mischung aus Breitband und Kabel. So will die Stadt Münster in Kooperation mit der Telekom bis 2030 rund 40 000 Adressen mit dem Glasfasernetz verknüpfen. Ziel im Kreis Coesfeld sei, „dass jeder schon die Fußballweltmeisterschaft 2022 über einen Glasfaseranschluss in Ultra-HD schauen kann“, sagt Wilms.

Corona als Katalysator: Total digital

Wie so oft: In der Krise fallen einem die Versäumnisse der Vergangenheit mitunter als fettes Problem vor die Füße. Das war beim zögerlichen Start des halbkonsequenten zweiten Lockdowns so, das ist vor dem Hintergrund der grassierenden Corona-Pandemie bei der Digitalisierung nicht anders.

Letztere hat Deutschland verpennt. Digital war lange trivial: Die Folgen sind derzeit noch immer spürbar. Kein Glasfaseranschluss für jede Schule und jeden Betrieb, lahmes Internet im Homeoffice, kein offenes WLAN allerorten – und vor allem: kein flächendeckendes Bewusstsein für die Notwendigkeit einer digitalen Offensive. Obwohl uns viele Nachbarländer seit Jahren vormachen, wie die funktioniert.

Jetzt leiden wir unter Corona. Und plötzlich finden nicht nur Konferenzen ganz selbstverständlich virtuell statt. Konzerte, Kontakte, Konsum: All das, was bisher auf Straßen, Schulhöfen und öffentlichen Plätzen stattfand, verlagerte sich ins Netz. Natürlich ist nicht alles daran gut, oft wird aus der Not eine Tugend. Gleichwohl: Die Krise wirkt wie ein digitaler Katalysator. Den Schwung sollten wir nach der Krise weiter nutzen.

Elmar Ries

...
Nachrichten-Ticker