Marien-Apotheke in Epe
Ende nach fast 200 Jahren

Epe -

Noch sechseinhalb Jahre – dann hätte sie ihren 200. Geburtstag feiern können. Doch so weit sollte es nicht kommen: Die Marien-Apotheke in Epe gibt es nicht mehr. Inhaberin Petra Minx hat zum Jahresende den Schlüssel umgedreht. Eine Nachfolge gibt es nicht.

Dienstag, 05.01.2021, 17:49 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 18:25 Uhr
Petra Minx mit der Marienstatue, die sie bei der Übernahme der Apotheke von ihren Eltern bekommen hat.
Petra Minx mit der Marienstatue, die sie bei der Übernahme der Apotheke von ihren Eltern bekommen hat. Foto: Martin Borck

Es kam einiges zusammen, was zum Aus der Apotheke geführt hat. „Viele Kunden sind uns durch die niederländischen Apotheken und die Internetapotheken abhanden gekommen“, sagt Petra Minx. Ein Problem, das viele Pharmazien in der Grenzregion betrifft. „Viele Patienten kamen vom Arzt mit der Empfehlung, sich zu einem bestimmten Medikament beraten zu lassen. Diesen Service haben wir geboten – doch die Kunden kauften dann doch im Internet oder bei Grenzanbietern, weil das Präparat dort ein paar Euro billiger ist.“ Regelrecht dreist waren Kunden, die mit ihrer jenseits der Grenze gekauften Arznei zu ihr in die Apotheke kamen und sich den Beipackzettel übersetzen lassen wollten.

Wegen der Maskenpflicht gab es keine Erkältungswelle. Das ist natürlich schön für die Menschen, aber bei mir brachen die Umsätze weg.

Petra Minx

In den vergangenen Monaten wurde die Situation durch die Corona-Pandemie verschärft: Kaum jemand fuhr in Urlaub, Reiseapotheken wurden nicht erneuert. Und: „Wegen der Maskenpflicht gab es keine Erkältungswelle. Das ist natürlich schön für die Menschen, aber bei mir brachen die Umsätze weg.“

Die Insolvenz des Apotheken-Rechenzentrums AVP vor einigen Monaten bedeutete einen weiteren Rückschlag. Die Marien-Apotheke erhielt keine Zahlungen mehr von dem Dienstleister für die eingereichten Rezepte, während die Großhändler auf ihren Zahlungen bestanden. „Wir hingen da in der Luft.“

Für die Marien-Apotheke kamen spezifische Schwierigkeiten hinzu: „Wir sind nicht barrierefrei“, sagt die Apothekerin, die vor fast 20 Jahren die Marien-Apotheke übernommen hatte. Die Stufe zum Verkaufsraum erwies sich für viele ältere Kunden mit Rollator, aber auch für Mütter mit Kinderwagen, als Hindernis.

Die Parkplatzsituation war ein weiteres Manko: Zwar befindet sich ein Parkstreifen direkt vor dem Gebäude – der war aber stets durch Dauerparker belegt.

Die Investitionen, die mit Einführungen des E-Rezepts einhergehen, hätten weitere Kosten verursacht, die Minx nicht mehr stemmen wollte und konnte. Derzeit löst die Apothekerin den Warenbestand auf. Im Frühjahr will sie eine Stelle als Angestellte in einer anderen Apotheke antreten.

Und das Gebäude? „Das versuche ich zu verkaufen. Angesichts des Leerstands in Epe und der Parkplatzsituation denke ich, dass es für Wohnzwecke umgebaut werden wird.“

Vom Kiepenkerl zum Internet

Ob Salben, Tabletten, Tinkturen und Säfte – wer Arzneien benötigt, geht in die Apotheke. In Epe schon seit über 193 Jahren. Am 1. Juli 1827 gründete Clemens Krauthausen die erste Apotheke im nördlichen Kreis Ahaus, die später den Namen „Marien-Apotheke“ erhalten sollte. Das Gebäude befand sich in der Merschstraße am späteren Standort der Galerie van Almsick.
40 Jahre lang wirkte Krauthausen als Apotheker. Dann übergab er die Apotheke seinem Neffen Heinrich Gescher. Er versorgte damals nicht nur die Eperaner, sondern auch die rund 1500 Einwohner Gronaus mit Arzneien. Die Medikamente für sie holte der Gronauer Gemeindenachtwächter Klopp ab. Er machte jahrelang seine Gänge zur Eper Apotheke, löste dort die mitgenommenen Rezepte ein und nahm die Arzneien in seiner Kiepe mit nach Gronau zurück, wo sie die Patienten von seinem Haus abholten.
Heinrich Gescher gründete später auch eine Apotheke in Ochtrup und verlegte 1893 den Hauptsitz seiner Apotheke nach Gronau, dessen Bevölkerungszahl durch die Industrialisierung immer stärker gestiegen war. Das Gebäude der Löwen-Apotheke steht immer noch an der Bahnhofstraße/Theodor-Heuss-Platz.
Die Eper Apotheke wurde vom Sohn Heinrich Geschers, Clemens, zunächst als Filialbetrieb weitergeführt. 1897 wurde sie wieder selbstständig, nachdem Clemens Gescher die Leitung der Gronauer Apotheke übernommen hatte und Heinrich Gescher wieder in Epe wirkte. Heinrich Gescher starb 1903.
In der Zeit nach 1905 kam es zu verschiedenen Besitzerwechseln. Zunächst kaufte Hubert Haal die Apotheke von Gescher. Haal verlegte den Sitz zur Gronauer Straße 53. Nach Haals Tod verwaltete sein Schwiegersohn Stahl zehn Jahre lang die Apotheke. Anschließend erhielt der Apotheker Aue die Konzession. Er verlegte den Sitz der Apotheke an den Standort Gronauer Straße 20.
Wegen Krankheit verpachtete Aue die Apotheke am 1. Juli 1939 an Eduard Römhild, der in den 50er-Jahren auch Inhaber wurde und sie 1975 an seinen Sohn Wolfgang weitergab.
Zum 1. Februar 2001 schließlich kaufte Petra Minx die Marien-Apotheke. Mit der Geschäftsaufgabe endet die lange Geschichte des Hauses. Seitdem hat sich die Konkurrenzsituation unter anderem durch Internetapotheken zugespitzt. Etwas, was Petra Minx schon vor 20 Jahren befürchtete.

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