Umfrage der Uni Münster
Münsterländer sind gut informiert und impfbereit

Münster -

Seit knapp zehn Monaten bestimmt die Corona-Pandemie das Leben der Menschen im Münsterland. Eine repräsentative Umfrage der Uni Münster hat im Dezember mehr als 600 Menschen befragt, welche Auswirkung die Pandemie auf ihr Leben hat - und wie viele von ihnen sich gegen Corona impfen lassen würden.

Mittwoch, 06.01.2021, 15:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 15:12 Uhr
Umfrage der Uni Münster: Münsterländer sind gut informiert und impfbereit
Viele Menschen im Münsterland sind laut einer Umfrage bereit, sich gegen Corona impfen zu lassen. Foto: dpa (Symbolbild)

Auch mit zunehmender Dauer genießen Ärzte und Experten während der Corona-Pandemie ein hohes Vertrauen bei den Menschen im Münsterland. Obwohl das Virus nun schon seit fast zehn Monaten Einschränkungen nötig macht, sind die Bürger in der Region Münster überzeugt, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sinnvoll und wirksam sind. Zu diesen Ergebnissen kommen Kommunikationswissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster in einer Umfrage. Die repräsentative Befragung zeigt laut einer Pressemitteilung der Uni außerdem: Die meisten Bürger in und um Münster herum fühlen sich angesichts der Krise gut informiert, sie nehmen viel Solidarität wahr und würden sich zu einem großen Teil impfen lassen.

Für die Studie in den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie in der Stadt Münster wurden Ende November und Anfang Dezember 629 Personen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren befragt. Die Untersuchung ist laut der Mitteilung Teil der von der Fachhochschule Münster koordinierten Forschungsinitiative „münster.land.leben“. Sie ergänzt eine ebenfalls repräsentative Befragung im Münsterland während der ersten Corona-Welle im April und Mai 2020.

Vertrauen in Laschet gesunken

Die Befragung zeige, dass Ärzte und medizinisches Fachpersonal einen ausgezeichneten Ruf als Quelle für Gesundheitsinformationen haben. 88 Prozent geben an, diesen Experten gegenüber „sehr großes“ oder „großes“ Vertrauen zu haben. Ähnliche Vertrauenswerte werden wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen wie Universitäten (77 Prozent) und Gesundheitsbehörden (81 Prozent) entgegengebracht. 

Für die Menschen im Münsterland hätten vor allem wissenschaftliche Quellen im Laufe der Pandemie an Vertrauen gewonnen. Die Experten des Robert Koch-Instituts, der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten und die Kapazitäten der Universitätsklinik Münster haben als vertrauenswürdige Quellen im Verlauf der Corona-Pandemie gewonnen. Bei den politischen Entscheidungsträgern ist vor allem das Vertrauen in die Bundeskanzlerin gestiegen, während NRW-Ministerpräsident Armin Laschet der einzige politische Rollenträger ist, bei dem mehr befragte Personen angeben, ihr Vertrauen sei gesunken.

38 Prozent wollen sich "sehr wahrscheinlich" impfen lassen

Mittlerweile haben 31 Prozent einen Corona-Test gemacht beziehungsweise machen müssen, vor sieben Monaten waren es nur vier Prozent. Weit über die Hälfte (57 Prozent) hält das Virus für „sehr“ beziehungsweise „eher gefährlich“. Jeder Vierte (25 Prozent) hält es für „sehr“ beziehungsweise „eher wahrscheinlich“, sich mit dem Virus zu infizieren.

Die Bürger in Münster und den umliegenden Kreisen würden sich in großer Mehrheit gegen Corona impfen lassen, wenn ein zugelassener Impfstoff zur Verfügung steht – was zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht der Fall war. 38 Prozent geben an, es sei „sehr wahrscheinlich“, dass sie sich impfen lassen würden, weitere 22 Prozent halten dies für „eher wahrscheinlich“, während 23 Prozent angeben, es sei „eher“ oder „sehr unwahrscheinlich“.

Münsterländer halten Strategien für wirksam

Welche Auswirkungen die Pandemie für den Alltag der Menschen hat, lässt sich daran ablesen, dass die Hälfte täglich auf die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs verzichtet. Dazu kommt: Fast alle Bürger (86 Prozent) haben in den vier Wochen vor der Befragung, also im Herbst 2020, auf private Reisen verzichtet. Knapp ein Drittel der Befragten macht sich zudem erhebliche Sorgen um die persönliche wirtschaftliche Zukunft. 

Dass die sozialen Kontakte radikal zurückgefahren werden müssen, werde im Münsterland als eine wirksame Strategie angesehen. Das Verbot von größeren privaten Feiern und die Schließung von Orten und Einrichtungen der sozialen Begegnung werden als effektive Mittel zur Eindämmung der Pandemie empfunden. Über zwei Drittel der Befragten halten die Maßnahmen insgesamt für angemessen. 

Solidarität als positiver Effekt der Pandemie

Die Befragten registrieren, welche erheblichen Folgen die Corona-Krise in der Region hat. 89 Prozent stimmen der Aussage „voll und ganz“ sowie „eher“ zu, dass die lokale Wirtschaft sehr unter den Konsequenzen der Pandemie leidet. Zu den positiven Effekten der Corona-Pandemie gehört jedoch in der Wahrnehmung der Befragten die Erfahrung von Solidarität. Über die Hälfte (55 Prozent) stimmen der Aussage zu, „die Menschen in meiner Region zeigen während der Corona-Krise mehr Solidarität“, 31 Prozent antworten hier mit „teils/teils“ und zwölf Prozent teilen diese Erfahrung nicht.

Drei Viertel der Befragten halten die Gesundheitsversorgung in der Region für sehr gut, nur drei von 100 stimmen dieser Aussage nicht zu. In der Wahrnehmung der meisten Befragten gehen die regionalen Behörden gut mit der Corona-Pandemie um. 60 Prozent geben an, mit dem Krisenmanagement der kommunalen Behörden einverstanden zu sein, weitere 29 Prozent stimmen teilweise und nur sechs Prozent stimmen hier nicht zu.

Medien geben Informationen über die Krise

Die Suche nach Informationen über die Pandemie wirke sich auch auf die Mediennutzung aus. 51 Prozent der Befragten geben an, sich während der letzten vier Wochen täglich über Fernsehprogramme zu Gesundheitsfragen informiert zu haben. Das bedeutet einen leichten Rückgang gegenüber April/Mai, als sich noch 58 Prozent mittels Fernsehsendungen informierten. Über die Hälfte (54 Prozent) nutzt – wie vor sieben Monaten – die Lokal- oder Regionalzeitung täglich oder mehrmals pro Woche, um sich in Sachen Gesundheit auf dem Laufenden zu halten. 

Der Medienberichterstattung wird insgesamt ein sehr gutes bis gutes Zeugnis ausgestellt. Die meisten Menschen im Münsterland fühlen sich aktuell und kompetent informiert. Insgesamt halten drei Viertel der Befragten die Corona-Berichterstattung für vertrauenswürdig. Es mischen sich jedoch auch kritische Wahrnehmungen in dieses Bild. 38 Prozent haben den Eindruck, die Berichterstattung sei nicht ausgewogen, knapp 60 Prozent denken, es gebe zu viel Corona-Berichterstattung und 40 Prozent stimmen der Aussage „voll und ganz“ beziehungsweise „eher“ zu, dass die Corona-Berichte ihnen Angst machen.

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