Inzidenzwerte im Münsterland
Bangen um den Wert 200 im Kreis Warendorf

Münsterland -

Die Inzidenzwerte, die die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen beziffern, bereiten vielen Kreisen in NRW Sorgen. Steigt die Zahl über 200, drohen weitere Beschränkungen. Im Münsterland könnte es bald soweit sein.

Sonntag, 10.01.2021, 17:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 10:46 Uhr
Inzidenzwerte im Münsterland: Bangen um den Wert 200 im Kreis Warendorf
Foto: dpa (Symbolbild)

Im Kreis Warendorf wird es eng: Das Landeszentrum Gesundheit meldete am Sonntag, dass es in den vergangenen sieben Tagen 199 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gegeben habe. Die 7-Tages-Inzidenz näherte sich damit bedrohlich der Marke 200, ab der weitere Einschränkungen möglich sind. Nur in sieben der 53 Kreise und kreisfreien Städten des Landes liegt der Wert höher.

Die Lage im Münsterland:

  • Kreis Borken: 106,9
  • Kreis Coesfeld: Die Inzidenz stieg leicht auf 57,6 – ist aber noch immer die geringste im gesamten Bundesland.
  • Stadt Münster: 77,1
  • Kreis Steinfurt: 156,6
  • Kreis Warendorf: 199.

Test von symptomfreien Menschen

Die höchsten Werte im Kreis Warendorf melden die Städte Ahlen (316,2) und Warendorf (250,3). Auch in Telgte war die Inzidenz deutlich über 200. Die vergleichsweise hohen Fallzahlen im Kreis Warendorf führt das dortige Gesundheitsamt unter anderem darauf zurück, dass im Kreis Warendorf seit der Masseninfektion beim Fleischfabrikanten Tönnies auch alle symptomfreien Kontaktpersonen der ersten Kategorie (15 Minuten Kontakt und weniger als 1,50 Meter Abstand zu Infizierten) getestet würden. Das Robert-Koch-Institut halte für diese Gruppe eine Quarantäne für ausreichend.

„Allein in den vergangenen sechs Wochen haben wir dadurch zusätzliche 524 Infektionsfälle entdeckt – das waren 11,5 Prozent der getesteten symptomfreien Kontaktpersonen“, erklärt Gesundheitsamtsleiterin Anna Arizzi Rusche. Diese Gründlichkeit erhöhe die Fallzahlen, „aber sie ermöglicht uns, weitere Infektionsketten zu unterbrechen.“ Im Sommer waren die Kreise Warendorf und Gütersloh bereits für einige Wochen zu Corona-Hotspots erklärt worden.

Kommentar: Testen und verfolgen

Von Anne Eckrodt 

Wir sind mitten im zweiten Lockdown. Und was passiert? Die Infektionszahlen bewegen sich nach wie vor auf einem erschreckend hohen Niveau. Natürlich macht die zum Jahreswechsel angelaufene Impfaktion Hoffnung im Kampf gegen Covid 19. Der schleppende Start hierzulande dämpft jedoch die Erwartung, dass möglichst schnell möglichst viele Menschen vor dem Virus geschützt sein werden.

Auf die Frage, woher die hohen Fallzahlen rühren, obwohl das öffentliche und auch das private Leben nahezu komplett heruntergefahren sind, hat aktuell niemand eine verlässliche Antwort. Es gibt zwar Einrichtungen wie Alten- oder Pflegeheime mit überdurchschnittlich vielen Krankheitsfällen, die alleine sind aber kaum für das immense Infektionsgeschehen verantwortlich.

Der Kreis Warendorf, der am Wochenende beim Inzidenzwert nur knapp unter der 200er-Marke lag, führt dies auch auf überdurchschnittlich viele Tests zurück. Natürlich sind die Ergebnisse nur Momentaufnahmen. Doch wenn es gelingt, daraufhin Kontaktpersonen zurückzuverfolgen und Infektionsketten zu unterbrechen, liefert das zumindest einen Ansatz bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage nach den Infektionsherden.

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Es drohen weitere Einschränkungen

Wenn der Inzidenzwert über 200 steigt, können die betroffenen Kreise und Städte nach den aktuellen Beschlüssen der Landesregierung zusätzliche Maßnahmen anordnen. Dazu gehört vor allem die Begrenzung von Freizeitaktivitäten auf einen 15-Kilometer-Radius um den Wohnort. Auch nächtliche Ausgangsbeschränkungen sind denkbar.

Bundesweit liegt der Inzidenzwert bei 162,2. Die deutschen Gesundheitsämter meldeten 16.946 Neuinfektionen und 465 neue Todesfälle.

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