Zukunft des Otto-Modersohn-Museums in Tecklenburg ist ungewiss
Ein Juwel möchte wieder glänzen

Münster/Tecklenburg -

Das Otto Modersohn Museum in Tecklenburg steht vor einer ungewissen Zukunft. Gesucht werden Geldgeber, die den Ausstellungsbetrieb des 2015 eröffneten Hauses am Markt langfristig finanzieren. Die Gespräche mit der Stadt, dem Kreis Steinfurt und dem Land NRW liegen derzeit wegen Corona auf Eis. Wolfgang Schallenberg, Vorsitzender des Förderkreises ist dennoch optimistisch, dass es mit dem Museum weitergeht.

Donnerstag, 14.01.2021, 15:28 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 15:36 Uhr
Das kleine, feine Museum am Markt in Tecklenburg ist in einem alten Ackerbürgerhaus untergebracht und ein kleiner Glanzpunkt der Festspielstadt.
Das kleine, feine Museum am Markt in Tecklenburg ist in einem alten Ackerbürgerhaus untergebracht und ein kleiner Glanzpunkt der Festspielstadt. Foto: Wilfried Gerharz/Johannes Loy/Ruth Jacobus

Das kleine Städtchen Tecklenburg am Teutoburger Wald ist schon für sich gesehen ein Juwel. Schmucke Ackerbürgerhäuser und Fachwerk verströmen das Flair alter Zeiten, die Freilichtbühne zählt zu den bedeutendsten Freilichttheatern Deutschlands, das exquisite Café Rabbel mit seinen schlesischen Spezialitäten verwöhnt am Markt den Gaumen, und wie eine besondere Perle in diesem Kranz wirkt das „Otto Modersohn-Museum“, das 2015 aus der Taufe gehoben wurde. Die Corona-Pandemie hat den Betrieb nun schon seit einem Jahr lahmgelegt, und zu allem Überfluss plagen den Förderkreis um seinen engagierten Vorsitzenden Wolfgang Schallenberg zurzeit noch tiefergehende strukturelle Sorgen um den Fortbestand des Hauses.

Dass das wunderbar renovierte Ackerbürgerhaus aus dem Jahre 1826 überhaupt als Museum neugeboren wurde, war und ist das Verdienst des Tecklenburger Apothekerehepaars Dörr, das die Immobilie als Museumsbau bereitstellte und auch künftig großherzig für diesen Zweck bereitstellen wird. Allerdings will sich der Hauptsponsor nun mit dem Jahre 2021 auch alters- und gesundheitsbedingt aus der jährlichen Förderung des Hauses zurückziehen.

Man könnte die Hauptaufgabe des etwa 300 Mitglieder zählenden Fördervereins nun kurz und knapp so umschreiben: „Geldgeber gesucht!“ Wolfgang Schallenberg erläutert die Situation im Schwebezustand mit diesen Worten: „Wir sind nach wie vor guter Hoffnung, dass es mit dem Museum weitergeht!“ Über das „Wie“ kann sich der Kunstfreund und pensionierte Kriminalbeamte jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern, zumal sich die angedachten Gespräche mit möglichen Geldgebern, etwa mit der Stadt Tecklenburg, dem Kreis Steinfurt oder mit dem Land Nordrhein-Westfalen, auch aufgrund der Corona-Pandemie in einem Ruhezustand befinden.

Die laufenden Kosten für den Betrieb des schmucken Ackerbürgerhauses mit seinen drei Ausstellungsräumen unten, dem Entree- und Kassenbereich sowie den mit biografischen Informationen über Otto Modersohn ausgestalteten Räumen oben – auch ein Filmraum gehört zum Bestand – beliefen sich in den vergangenen Jahren auf bis zu „100 000 Euro plus“, wie Schallenberg im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert.

Ins Geld gingen dabei vor allem die dialogisch angelegten Ausstellungen, die die Malerei Otto Modersohns mit Gerhard Richter, Arnulf Rainer oder auch den Malern von Barbizon in einen Dialog setzten. Solche Bilder müssen hoch versichert und entsprechend aufwendig transportiert werden.

Es liegt deshalb nahe, dass sich Freunde und Förderer und auch der schon bei zahlreichen Ausstellungen des Tecklenburger Museums beteiligte Kurator Prof. Dr. Erich Franz dafür stark machen, die Ausstellungen künftig wieder mehr auf Otto Modersohn zu konzen­trieren und dafür die ebenso freundschaftlichen wie günstigen Beziehungen zum Modersohn-Museum in Fischerhude zu nutzen. „Man könnte das Haus auch wie eine Galerie betreiben“, führt Erich Franz aus. Dann kämen junge Künstler etwa von der Kunstakademie Münster zum Zuge und hätten ein attraktives Forum für ihre Arbeiten. Und die Kosten blieben im Rahmen.

Einigkeit besteht beim Förderkreis unter Wolfgang Schallenberg, in Fischerhude, aber auch bei Prof. Franz und vielen Kunstkennern im Münsterland darin, dass das „Otto Modersohn Museum Tecklenburg“, abgekürzt „OMMT“, ein wirkliches Juwel in der breit gefächerten Museumslandschaft des Münsterlandes ist und im Falle der Schließung ein herber Verlust für die regionale Kulturlandschaft zu beklagen

wäre. Dass in die Phase der Neu- und Umorientierung zuletzt dann auch noch die Pandemie hereinplatzte, die eine Öffnung des kleinen Hauses verhinderte, erwies sich 2020 als doppelt tragisch. Eigentlich war die erneut dialogisch geplante Ausstellung „Otto Modersohn und Per Kirkeby – Natur in der Malerei“ fest eingeplant und sollte im April 2020 starten. Doch dann kam bekanntlich alles anders.

Antje Modersohn, Enkelin des Malers, freute sich zunächst darüber, mit Fischerhude ein Ausweichquartier für die Bilder von Modersohn und Kirkeby anbieten zu können. Doch auch dort sind jetzt die Türen längst wieder dicht. Kunstfreunde aus Tecklenburg, Münster und dem Münsterland hoffen nun darauf, dass es demnächst im „OMMT“ weitergeht, und sei es nur „auf Sparflamme“.

Nachrichten-Ticker