Flüchtling in Sassenberg
Fahmy Deif nächste Station ist die Staatsbürgerschaft

Sassenberg -

Fahmy Deif möchte seine Mutter treffen. Digitaler Kontakt alleine sei kein Trost. Mit deutschem Pass würde er die Reise Richtung Ägypten wohl wagen. Sein Vertrauen in dessen Schutz ist schier grenzenlos. Doch noch hakt es, und das Verfahren stellt seine Geduld auf eine harte Probe.

Freitag, 05.02.2021, 08:29 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 10:42 Uhr
Fahmy Deif heute
Fahmy Deif heute Foto: Ulrike von Brevern

Vor fünf Jahren, an einem sonnigen Tag im August, war die Freude bei Fahmy Deif groß. Endlich zog der Kopte den lang ersehnten Brief des Bundesamtes für Migration aus dem Briefkasten des Flüchtlingsheims am Poggenbrook: Er war als Flüchtling anerkannt. (WN berichteten). Jetzt hat er ein neues Ziel: Der Ägypter will Bundesbürger werden. Allerdings steckt die Korrespondenz mit dem Kreis in der Sache noch hinter dem Bild der Madonna, das in seinem Wohnzimmer über dem Türrahmen hängt. Hier ist der Platz für alles, was der Christ der Gottesmutter besonders ans Herz legt. Deif muss warten. Wieder einmal.

Der Ägypter war vor den gewaltsamen muslimischen Übergriffe auf Kopten und ihre Kirchen aus seiner Heimat geflohen und hatte 2013 in Deutschland Asyl beantragt. „Ich bin jetzt hier zu Hause“, hatte er sich 2015 darüber gefreut, dass Jahre der Unsicherheit endlich hinter ihm lagen. Das Leben im Wartestand schien zu Ende zu sein.

Die Sicherheit und die Ordnung, das ist richtig gut an Deutschland. Ich mag das.

Fahmy Deif

Inzwischen hat er eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis, einen Job, der ihm Spaß macht, ein Auto und sogar ein Häuschen für sich ganz allein - auch wenn das nur ein kleines Wochenendhäuschen aus Holz ist. „Ich liebe Deutschland“, bleibt sein Credo. „Die Sicherheit und die Ordnung, das ist richtig gut an Deutschland. Ich mag das“, sagt er. Selbst bei der Verkehrskontrolle sei man freundlich.

Aber er kennt auch eine andere Seite. Versteckter Rassismus begegne ihn an verschiedenen Stellen. Lange habe er vergeblich eine eigene Wohnung gesucht: „Wenn die Vermieter hörten, es ist ein Ausländer, der sucht, gab es keine (Wohnung) mehr. Da habe ich mich richtig schlecht gefühlt.“

In dem Holzhäuschen, das kaum größer ist als das Wohnzimmer und das er mit Sofa, heller Schrankwand, orientalischen Teppichen und einem großen Fernseher gemütlich eingerichtet hat, fühlt er sich wohl. Nur im Winter fressen ihn die Heizkosten auf. Dass er es bekommen hat, verdankt er seinem Bemühen um gute Vernetzung auch mit den Sassenbergern. Er hat Hilfe gesucht und gefunden, aber auch zurückgeben, das ist ihm wichtig, etwa durch sein Engagement beim LebensMittelPunkt.

Bearbeitungszeiten sind sehr unterschiedlich

Dass er in Deutschland den Führerschein noch einmal ablegen und dafür erhebliche Kosten aufbringen musste, hat ihn gewundert: „Ich konnte das ja schon – aber gut.“ Dass seine Berufserfahrung wenig Anerkennung findet hingegen, ärgert ihn. Ohne Ausbildung gebe es in Deutschland nur Jobs mit wenig Einkommen: „Erfahrung zählt nicht, das ist doof“, sagt er. Überhaupt sei es für Ausländer manchmal schwer, eine vernünftige Stelle zu finden.

Doch auf über den Job, den er selbst nach verschiedenen Stationen inzwischen ergattert hat, lässt der Kopte nichts kommen. Für die Stadt pflegt er die Grünanlagen im Freibad: „Ein richtig guter“ Job sei das und mit richtig netten Menschen.

Darunter, dass sein Vater vor zwei Jahren in Ägypten starb, ohne dass er ihn noch einmal sehen konnte, leidet Deif noch heute. Jetzt möchte er wenigstens seine Mutter treffen. Digitaler Kontakt alleine sei kein Trost. Mit deutschem Pass würde er die Reise Richtung Ägypten wohl wagen. Sein Vertrauen in dessen Schutz ist schier grenzenlos.

Doch noch hakt es, und das Verfahren stellt seine Geduld auf eine harte Probe. Im September hat er alle Unterlagen eingereicht: vollständig, wie er meint, und im Original. Gerade bei seinem Ausweis macht ihn das inzwischen richtig nervös, denn auch der ist im Original in die Kreisverwaltung gewandert.

Seither kann er sich nur mit Kopie ausweisen. Warum? Das konnte er nicht aufklären. Üblicherweise sei es umgekehrt, bestätigt der Kreis den WN, aber eben auch nicht immer. Und Bearbeitungszeiten sind ebenfalls sehr unterschiedlich, können im Extremfall sogar Jahre dauern. Woran bei ihm die Wartezeit hängt, weiß Fahmy Deif nicht und das macht ihn unsicher. Das Leben im Wartestand – es ist wieder sehr real..

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