Architektenwettbewerb für das neue Rathaus entschieden
Es soll „ganz, ganz lange halten“

Ahlen -

Der Realisierungswettbewerb für Ahlens neues Rathaus ist entschieden. Einstimmig kürte das Preisgericht am Mittwoch den international renommierten Dortmunder Ar­chitekten Prof. Eckhard Gerber zum Sieger.

Donnerstag, 04.02.2021, 19:30 Uhr
So soll es also aussehen, das neue Rathaus oder Stadthaus an der Werse. Den Fluss sollen in Zukunft zwei Fußgängerbrücken überspannen.
So soll es also aussehen, das neue Rathaus oder Stadthaus an der Werse. Den Fluss sollen in Zukunft zwei Fußgängerbrücken überspannen.

Fast zehn Stunden rauchten am Mittwoch die Köpfe in der Stadthalle und bei einigen Beteiligten auch zu Hause vor dem Computerbildschirm. Gegen 19.30 Uhr stand die Entscheidung fest: Einstimmig kürte das Preisgericht den Entwurf mit der Kennzahl 1597 zum Sieger des Realisierungswettbewerbs zum Neubau des Ahlener Rathauses. Welcher Name sich hinter den Ziffern verbarg, erfuhren auch die Juroren erst in dem Moment, als ein verschlossener Umschlag geöffnet wurde. Es war das Büro Gerber Architekten aus Dortmund. Bürgermeister Dr. Alexander Berger rief noch am Abend Prof. Eckhard Gerber an, um ihm persönlich die gute Nachricht mitzuteilen. Er habe „Freude in der Stimme“ gehört, berichtete der Verwaltungschef am folgenden Tag bei der öffentlichen Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse.

Gerber ließ es sich nicht nehmen, zur Pressekonferenz nach Ah­len zu kommen – und sich bei der Gelegenheit auch die Entwürfe der Kollegen anzuschauen, für die er zum Teil anerkennende Worte fand. Insgesamt 15 Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich an dem im August 2020 europaweit ausgelobten Wettbewerb beteiligt.

Preisgerichtssitzung als Hybridveranstaltung

Die ursprünglich für den 17. Dezember anberaumte Preisgerichtssitzung war coronabedingt verschoben worden und fand nun als sogenannte Hybridveranstaltung statt. Ein Kamerateam streamte die Sitzung live im Internet, so dass ein Teil der Fach- und Sachpreisrichter virtuell dabei sein konnte. Die Übertragung habe ohne technische Probleme geklappt, freute sich der Bürgermeister. Er lobte die Disziplin aller Teilnehmer und auch die „hohe Qualität“ der Präsentation durch das von Carsten Lottner vertretene Büro DSK, das den Wettbewerb organisiert und begleitet hatte. Ob analog oder digital – Pläne und Modelle machten für die Juroren anschaulich und „greifbar“, was die Architekten sich vorstellten. In mehreren Wertungsdurchgängen trennte sich dann allmählich die Spreu vom Weizen.

Das Gesamtpaket stimmt.

Dr. Alexander Berger

Die besagte Nummer 1597 sei sehr früh einer seiner Favoriten gewesen, verriet der Vorsitzende des Betriebsausschusses, Thomas Kozler (SPD). Er war ebenso vor Ort wie der Vorsitzende des Stadtplanungs- und Bauausschusses, Matthias Harman (CDU). Kozler sagte, ihn habe am Entwurf von Prof. Gerber, bei dem federführend dessen Mitarbeiter Dipl.-Ing. Jens Bentfeld war, vor allem das Raumkonzept überzeugt: „Super gelöst.“ Harman glaubt: „Das ist ein Entwurf, der von der Bürgerschaft akzeptiert werden wird.“

Dieser Entwurf habe in allen Belangen die Anforderungskriterien erfüllt, stellte Dr. Alexander Berger fest. Er sei nicht nur „architektonisch ausgereift“, sondern habe sich auch unter den Aspekten Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit „mit Abstand“ von den Mitbewerbern abgesetzt. „Das Gesamtpaket stimmt“, so Berger; es biete „beste Voraussetzungen“ für die Arbeit von Verwaltung und Rat und deren „langfristigen Verbleib“ im neuen Stadthaus. Prof. Gerber fügte schmunzelnd hinzu: „Ich möchte, dass die Dinge, die wir bauen, ganz, ganz lange halten.“

Begrünte Dachterrasse

Der kompakte, drei- bis fünfgeschossige Baukörper mit einer begrünten Dachterrasse im Mittelteil, der nach Gerbers Plänen auf dem heutigen Rathausparkplatz entstehen soll, sei „stadträumlich gut integriert“, findet Markus Gantefort vom Fachbereich Stadtentwicklung und Bauen, der wie der Bürgermeister auch dem Preisgericht angehörte. Gerber betonte, er habe sich bemüht, Sichtachsen und Blickbezüge sowohl nach Osten zu Bartholomäus- und Marienkirche wie nach Westen zur Werse herzustellen. Ähnliches hatte auch vor mehr als 40 Jahren der Erbauer des heutigen Rathauses im Sinn. Prof. Gerber kennt Christoph Parade gut. „Ich glaube“, so der 82-Jährige, „er freut sich, wenn wir das jetzt bauen.“

Parades Nachfolger gab auf Nachfrage der Presse dann noch die Antwort, die vermutlich die städtischen Mitarbeiter am meisten interessieren wird: „Selbstverständlich“ würden sich alle Fenster öffnen lassen und zudem über einen außenliegenden, individuell steuerbaren Sonnenschutz verfügen.

Fußgängerbrücken über die Werse

Auch die von Gerbers Team vorgeschlagene Gestaltung der Außenanlagen unter dem Motto „Parken im Park“ fand einhellig Anklang bei den Preisrichtern. Eine Freitreppe soll zur Werse hinunter führen, zwei Fußgängerbrücken sollen das Areal mit der ge­genüberliegenden Promenade am Städtischen Gymnasium verbinden.

Alle Wettbewerbsarbeiten sind auf der Internetseite www.buergercampus-ahlen.de einsehbar. Auch eine Broschüre ist geplant. (Weiterer Bericht folgt.)

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