Schnee im Münsterland
Zwischen Chaos und Begeisterung

Münsterland -

Schneetag zwei im Münsterland – und die Region schwankt am Montag zwischen Chaos und Begeisterung. Während Kinder jubelnd durch den Schnee tobten, wurde das öffentliche Leben – durch die Corona-Beschränkungen eh schon arg eingeschränkt – noch weiter heruntergefahren. Viele aber hatten auch viel Spaß.

Montag, 08.02.2021, 19:44 Uhr aktualisiert: 08.02.2021, 20:32 Uhr
Alltag in diesen Tagen: Wer sein Auto liebt und auch noch damit fahren möchte, muss zu Schippe und Besen greifen und Wagen und Umgebung von sehr viel Schnee befreien.
Alltag in diesen Tagen: Wer sein Auto liebt und auch noch damit fahren möchte, muss zu Schippe und Besen greifen und Wagen und Umgebung von sehr viel Schnee befreien. Foto: Johannes Oetz

Kitas und viele Geschäfte blieben geschlossen, weil Mitarbeiter und Kunden es nicht durch den kniehohen Schnee schafften. Verzweifelte Autobesitzer schaufelten – nicht selten vergebens – Schnee aus der Einfahrt, um sich auf den Weg zur Arbeit zu wagen. Straßen wurden gesperrt. Krankenhäuser beschränkten sich auf Notbetrieb – obwohl etwa die Uniklinik in Münster von Mitarbeitern berichtete, die bis zu drei Stunden zu Fuß marschiert waren, um pünktlich anzutreten.

  • Flachdächer: Zu schwere Schneelast bringt allerorten Flachdächer in Gefahr. In Coesfeld brach am Nachmittag das Dach der DJK-Tennishalle ein – verletzt wurde niemand. In Warendorf hat die Feuerwehr am Morgen für eine Drogerie in der Innenstadt ein Zutrittsverbot ausgesprochen. Eine Halle des Sanitär-Unternehmens Sanitop wurde gesperrt. In Freckenhorst drückten Schneemassen das Dach einer Biogasanlage ein. In Rheine stürzte das Dach der Firma Holzland Waterkamp ein . Den Schaden schätzt der Geschäftsführer auf 200 000 bis 500 000 Euro. Verletzt wurde niemand: Weil das Dach zuvor verdächtig geknackt hatte, hatten alle ­Mitarbeiter das Gebäude verlassen.
  • Bus und Bahn: Im Ruhrgebiet, im Münsterland und in Ostwestfalen ist im öffentlichen Nahverkehr am Montag kaum ein Bus gefahren. Auch Stadt- und Straßenbahnen konnten meist nur dort rollen, wo die Gleise in Tunneln liegen. In Münster setzten die Stadtwerke den Busverkehr mindestens bis Dienstagmittag aus. „Das haben wir mit Blick auf die Sicherheit aller Fahrgäste sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entschieden“, hieß es. Bahnlinien waren zwar nicht gesperrt, doch reihenweise fielen Züge aus. Die Schneemassen auf den Gleisen waren einfach zu groß.
  • Flughäfen: Wenig Auswirkungen hatte der Schnee auf den Betrieb am Flughafen Münster/Osnabrück. Das liegt freilich auch daran, dass wegen der Corona-Pandemie eh überhaupt keine Linien- und Touristik-Flüge stattfinden. „Wir sind aber grundsätzlich geöffnet“, erklärte FMO-Sprecher Andrés Heinemann. Vereinzelt starteten Privatflieger. Vor jeder Flugbewegung werde der Zustand der Rollbahn kon­trolliert. Der Flughafen Dortmund hatte den Flugbetrieb am Vormittag vorübergehend eingestellt, Flüge wurden nach Köln umgeleitet.
  • Obdachlose: Trotz lebensgefährlicher Kälte meiden manche Obdachlose bereitstehende Notschlafplätze und harren Wohlfahrtsverbänden zufolge im Freien aus. Zum Teil liege das an der Angst, sich in den Unterkünften mit dem Coronavirus anzustecken, sagte An­dreas Sellner von der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege. Hier hätten die Kommunen aber die Belegungsdichte deutlich verringert und viele weitere Stellen – etwa in Pensionen, Jugendherbergen oder städtischen Räumen – geöffnet. In Münster bat Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) die Bevölkerung um Mithilfe. Es seien genügend Plätze vorhanden, um „alle Wohnungslosen, die es wünschen, zu versorgen und zu beherbergen“, berichtete das Sozialamt. Man versuche, die Betroffenen zu überzeugen, einen Platz im Warmen anzunehmen.
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