Voruntersuchung eingestellt
St. Nikomedes: Missbrauchsvorwürfe gegen ehemaligen leitenden Pfarrer vom Tisch

Steinfurt/Münster -

Die Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen leitenden Pfarrer der Kirchengemeinde St. Nikomedes sind endgültig vom Tisch. Nachdem Ende September die Staatsanwaltschaft ihre strafrechtlichen Ermittlungen gegen den 57-Jährigen eingestellt hatte, erhebt auch das Bistum keine kirchenrechtlichen Vorwürfe gegen den Priester.

Dienstag, 09.02.2021, 15:34 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 16:10 Uhr
St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst.
St. Nikomedes in Steinfurt-Borghorst. Foto: Axel Roll

Eine Voruntersuchung ist nach Mitteilung des münsterischen Bistums eingestellt worden. In einem Brief an Bischof Felix Genn räumt der ehemalige Seelsorger von St. Nikomedes allerdings ein, dass sein Verhalten von anderen als grenzverletzend „empfunden werden konnte und von einigen wohl auch so empfunden wurde“, wie es wörtlich in dem Schreiben heißt, das auch der Redaktion vorliegt.

Dem Brief war am 25. Januar ein Gespräch des Beschuldigten mit Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp, Karl Render als Hauptabteilungsleiter Seelsorge-Personal und dem Interventionsbeauftragten des Bistums, Peter Frings, vorausgegangen. Wie das Bistum schreibt, sei bei dieser Gelegenheit „der gesamte Vorgang“ einer Bewertung unterzogen worden. Dabei hätten die Bistumsvertreter betont, dass die Vorwürfe weder straf- noch kirchenrechtlich haltbar seien. Schließlich bedauerte das Bistum, dass der Pfarrer durch die „Schädigung seines guten Rufs“ belastet worden sei.

Auf Nachfrage dieser Zeitung räumte der Interventionsbeauftragte selbstkritisch ein, dass solche innerkirchlichen Verfahren künftig schneller über die Bühne gebracht werden müssten, um die Belastungen für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten. Im konkreten Fall habe die Voruntersuchung begonnen, nachdem die Staatsanwaltschaft im September ihre Ermittlungen eingestellt habe. Das Bistum habe mögliche kirchenrechtlich Schritte bis Ende November geprüft. „Dann hat der Rechtsbeistand des Priesters den Bericht zur Kenntnis genommen, bewertet und danach fand das Gespräch statt“, so Frings gegenüber dieser Zeitung.

Über einen künftigen Einsatz des 57-Jährigen in der Kirche ist noch keine Entscheidung gefallen. Dazu soll es noch ein Gespräch von Bischof Genn mit dem Priester geben, danach werden die entsprechenden Gremien darüber beraten. Der ehemalige leitende Pfarrer hatte bei seinem Weggang aus Steinfurt um eine fünfjährige Beurlaubung gebeten. Seine Bezüge werden derzeit vom Bistum gezahlt. Warum es noch im August in ihren Mitteilungen an die Presse geschrieben hatte, er erhalte kein Gehalt, konnte Peter Frings im Gespräch mit der Redaktion nicht aufklären.

In seinem Brief an Bischof Genn zeigt sich der Priester erleichtert darüber, „dass die gegen mich erhobenen straf- und disziplinarrechtlichen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs bzw. sexualisierter Gewalt sich sowohl nach kirchlichem wie nach staatlichem Recht als haltlos herausgestellt haben“. Ihm sei aber auch deutlich geworden, dass „mein Verhalten, andere Personen durch eine Schultermassage zu berühren“ als verletzend empfunden werden könne“ Das tue ihm sehr leid. Dafür bitte er um Entschuldigung. Das würde er auch gern persönlich bei den Betroffenen tun.

Er habe sein Verhalten mittlerweile auch stark verändert, beteuert der Pfarrer. So sei er mit professioneller Hilfe in der Beachtung von Nähe und Distanz deutlich sensibler geworden. Daran werde er auch weiter „gewissenhaft“ arbeiten.

Ingo Minoggio, Strafverteidiger aus Münster, hatte den Priester während des laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft vertreten. Danach habe er allerdings den Fall an einen reinen Kirchenrechtler abgegeben. Von der aktuellen Entscheidung des Bistums zeigte sich Minoggio wenig überrascht: „Schon strafrechtlich war an den Vorwürfen nichts dran.“ Er freue sich aufrichtig für seinen ehemaligen Mandanten.

Den Fall ins Rollen gebracht hatte im Sommer 2020 die Strafanzeige eines Priesters aus Steinfurt, der den leitenden Pfarrer des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hatte. Gegenüber dem Bistum hatte der damals 44-Jährige schon zwei Jahre zuvor eine offizielle Aussage gemacht. Danach hatte er Steinfurt Richtung Ruhrgebiet verlassen.

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