Reitställe im Extremwinter
Nina Strotjohann: „Man muss die Pferde jetzt eher bremsen“

Ostbevern -

Für die Betreiber von Reitställen ist der Extremwinter eine Herausforderung. Den Pferden mit ihrem dichten Winterfell macht die eisige Kälte nichts aus. Die Vierbeiner wollen und müssen sich bewegen. „Da muss man sie jetzt eher bremsen“, sagt Nina Strotjohann.

Samstag, 13.02.2021, 05:39 Uhr
Udo und Nina Strotjohann haben auf ihrer relativ jungen Reitanlage keine großen Probleme mit vereisten Tränken oder gefrorenem Hallenboden.
Udo und Nina Strotjohann haben auf ihrer relativ jungen Reitanlage keine großen Probleme mit vereisten Tränken oder gefrorenem Hallenboden.

Das hat ein bisschen was von „Wir Kinder aus Bullerbü“. Pit Strotjohann reitet Monty und seine kleine Schwester Lea lässt sich auf dem Schlitten hinterherziehen. Die Kinder haben großen Spaß, das Pony wirkt sehr entspannt. Ein Idyll am Rande des Gewerbegebiets in der Dorfbauschaft wie in den Geschichten von Astrid Lindgren.

So unbeschwert ist das Leben im Münsterland in diesen Tagen nicht immer. Erst die Schneemassen, dann die zweistelligen Minusgrade – der Extremwinter stellt den Alltag auf den Kopf. Wer Tiere versorgen muss, steht vor besonders großen Herausforderungen. Sind die Tränken in den Reitställen eingefroren, müssen die Betreiber oder Besitzer mit Hand Wasser schleppen, um die Pferde zu versorgen – und das mehrmals am Tag. Um gerade in älteren Bauten zu verhindern, dass der eisige Wind zu stark durch die Ställe pfeift, stopfen die Besitzer die Ritzen und Luken mit Dämmmaterial aus.

Nina und Udo Strotjohann haben diesbezüglich wenige Probleme. Ihr Stall mit angrenzender Reithalle wurde 2008 gebaut. Am vergangenen Wochenende ist der Schnee durch den starken Wind über das Tor hindurch in die Stallgasse geweht, ansonsten hält das junge Gebäude allen Winterwidrigkeiten weitgehend stand.

Die 14 Boxen bei Strotjohann sind komplett belegt. Es gibt acht Einstellpferde, also Tiere von anderen Besitzern. Vier Boxen sind nicht mit einer automatischen Tränke ausgestattet. „Alle anderen sind mit einer Umwälzpumpe verbunden, so dass das Wasser rotiert und damit nicht gefriert“, erklärt Udo Strotjohann. Die Pferde in den vier übrigen Boxen bekommen ihr Wasser derzeit gebracht.

Ich glaube, dass Pferde dieses Wetter besser haben können als große Hitze im Sommer.

Udo Strotjohann

Den Tieren macht die klirrende Kälte nichts aus, betonen Nina und Udo Strotjohann, die beide auch selbst reiten. „Die haben ein dickes Winterfell. Ich glaube, dass sie dieses Wetter besser haben können als große Hitze im Sommer“, sagt Udo Strotjohann. Nur das Fell von Sport- und Turnierpferden ist in der Regel geschoren, damit sie sich nach dem Training, wenn sie geschwitzt haben, nicht erkälten. „Die bekommen jetzt eine zweite Decke und sind damit ausreichend geschützt“, so Nina Strotjohann. In ihrem Stall stehen überwiegend Freizeitpferde und Schulungsponys.

Pferde sind Bewegungstiere. Die sollen und müssen immer raus.

Udo Strotjohann

Die größte Herausforderung: „Pferde sind Bewegungstiere. Die sollen und müssen immer raus“, betont Udo Strotjohann. Wenn es nicht zu windig ist, zu stark schneit oder die Böden nicht zugefroren sind, können die Vierbeiner auch bei diesen Temperaturen auf einer schneebedeckten Wiese laufen. „Die wollen sich bewegen, und da muss man sie jetzt eher bremsen“, sagt Nina Strotjohann. Würden die Pferde zu lang stehen, wäre das nicht nur gegen ihre Natur, sondern hätte auch gesundheitliche Folgen.

Eis unter den Eisen

Sind die Hufe mit Eisen beschlagen, bilden sich bei Eis und Schnee schnell gefährliche Frostklumpen unter dem Pferdefuß. Abhilfe schafft ein Extra-Beschlag mit Gummi. Oder, noch besser: Die Pferde laufen barfuß, also ohne Eisen. Reitunterricht und ländliche Turniere sind im Corona-Lockdown ohnehin nicht möglich. Jeder darf sein Pferd nur alleine reiten.

Für uns ist es zurzeit schlimmer und anstrengender, als für die Pferde selbst.

Nina Strotjohann

Auslauf bekommen die Tiere bei Strotjohann auch in der Reithalle. Der Sandboden wird normalerweise gewässert. Das passiert derzeit nicht, weil der Untergrund dann noch schneller frieren würde. „Jetzt ist der Sand puderig, das ist kein Problem“, so Nina Strotjohann. Andere Betreiber setzen Magnesium-Chlorid ein, um den Boden frostfrei zu halten.

„Man muss bei diesem Wetter kreativ sein, ein bisschen improvisieren“, so Udo Strotjohann. „Wir bekommen das gut hin“, sagt seine Frau. „Für uns ist es zurzeit schlimmer und anstrengender, früh morgens bei dieser Kälte raus zu müssen und stundenlang alle Pferde zu versorgen, als für die Pferde selbst.“ Und die Kinder, die genießen das alles in vollen Zügen.

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