Click and collect, Abholmöglichkeiten und Lieferservice
Einbußen trotz findiger Ideen

Ostbevern -

Seit Mitte Dezember befindet sich Deutschland im zweiten Lockdown. Keine leichte Aufgabe für die heimischen Händler. Dennoch haben sie Wege gefunden, wenigstens einen Teil ihrer Einkünfte zu erzielen – auch wenn das in einigen Fällen weit hinter dem normalen Umsatz liegt.

Mittwoch, 17.02.2021, 06:09 Uhr
Die normalen Öffnungszeiten des BZO sind geblieben, allerdings versperrt inzwischen eine Kalksandsteinpalette den Eingang zum Geschäft, so dass die Waren am Eingang ausgeliefert werden
Die normalen Öffnungszeiten des BZO sind geblieben, allerdings versperrt inzwischen eine Kalksandsteinpalette den Eingang zum Geschäft, so dass die Waren am Eingang ausgeliefert werden Foto: Karl-Heinz Kock

Seit Mitte Dezember befindet sich Deutschland im zweiten Lockdown. Ausgerechnet mitten im einträglichen Weihnachtsgeschäft mussten die Einzelhändler ihre Geschäfte wieder dicht machen. Die Westfälischen Nachrichten haben sich in Ostbevern umgehört, wie die heimischen Händler mit dieser schwierigen Situation umgehen und welche Wege sie gefunden haben, wenigstens einen Teil ihrer Einkünfte zu erzielen.

„Wir haben Abholmöglichkeiten für die Kunden geschaffen“, berichtet Marlene Wietkamp. „Wir stellen viele Fotos in den sozialen Medien online und haben den Schmuck im Schaufenster durchnummeriert. Die Leute kommen vorbei oder vereinbaren Termine und holen sich die gewünschte Ware ab. Das funktioniert ganz gut“, erläutert die Goldschmiede- und Uhrmachermeisterin das Verfahren, das auf neudeutsch „Click and collect“ oder auch „Call and collect“ genannt wird. Zum Beispiel für den Valentinstag habe sie das Online-Geschäft intensiviert und viel Zeit in Instagram und Facebook investiert. „Für mich ist das positiv. Ich verkaufe Mode, da geht das gut – für Gastronomen ist das vielleicht nicht ganz so einfach. Wir sind froh, so ansatzweise ein Stück der Fixkosten zu decken. Aber es ist längst nicht das normale Geschäft – vielleicht ein Fünftel davon, wenn überhaupt.“

Als Handwerksbetrieb darf sie zudem Reparaturen vornehmen. Auch einen Lieferservice wäre möglich, wird aber bislang kaum nachgefragt. „Eine Angestellte hat zweimal etwas nach Telgte mitgenommen.“ Trotz aller Einbußen zeigt die Geschäftsfrau Verständnis für die erneute Verlängerung der Pandemie-Maßnahmen durch die Bundesregierung und die Länderchefs: „Die Angst vor den Mutationen ist da. Lieber noch mal zwei Wochen länger durchhalten, damit es auch wirklich hilft“, so Wietkamp.

Vom Abholen und Liefern lebt auch das Bau-Zentrum Ostbevern. Die normalen Öffnungszeiten sind geblieben, allerdings versperrt inzwischen eine Kalksandsteinpalette den Eingang zum Geschäft, so dass die Waren am Eingang ausgeliefert werden. „Das funktioniert gut. Hier gibt es große Baugebiete. Da kämen viele in Verlegenheit, wenn wir komplett geschlossen hätten. Die Finanzierungen für die Bauvorhaben laufen ja auch weiter“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Zeine. „Etwa 50 Prozent unserer Kunden sind Unternehmer, 30 bis 40 Prozent Privatleute und der Rest Handwerker.“

In den zurückliegenden Wochen hat er festgestellt, dass etwa 35 Prozent weniger Waren verkauft worden sind als zu normalen Zeiten. „Wir haben keine Impulskäufe im Laden. Gleichwohl bin ich sehr froh, dass wir es so machen dürfen. Es ist eine unglaublich schwierige Situation für den Handel – vor allem auch die Lieferketten aufrechtzuerhalten. Dabei müssen die Zeiten ja genau eingehalten werden, und oft sind bestimmte Dinge einfach nicht greifbar. Normalerweise plant man ein Jahr im Voraus. 2021 war das nicht möglich, wir laufen völlig ins Blaue.“ Zeine blickt aber auch über den Tellerrand hinaus: „Ich würde mir wünschen, dass Kitas und Schulen wieder öffnen. In den Familien herrscht ja keine Ruhe.“ Für das BZO würde er sich über einen Öffnungstermin im März freuen. „Bitte nicht erst zu Ostern. Das wäre katastrophal.“

Auch beim Spielwarengeschäft Löwenzahn besteht die Möglichkeit, Ware nach telefonischer Terminabsprache abzuholen. „Aber das läuft eher langsam und lohnt sich kaum“, berichtet Selda Aras, deren Gatte Serkan Inhaber des Geschäftes ist. Die Öffnungszeiten sind reduziert worden. Zudem müssten Online-Bestellungen über den Verband abgewickelt werden, wobei eine Provision fällig werde. „Wir leben von unseren Stammkunden. Die Einbußen belaufen sich auf mindestens 80 Prozent. Wir mussten urplötzlich vor Weihnachten schließen. Das Ostergeschäft würden wir gerne mitnehmen.“

Auf 70 bis 80 Prozent weniger Verkäufe schätzt auch Norbert Frönd seine Umsatzeinbußen in den zurückliegenden Monaten. „Die Tage vor Weihnachten waren noch okay, aber im Januar hätte man normalerweise die Winterware verkauft.“ Davon konnte diesmal keine Rede sein. Gleichwohl werde jetzt die Frühjahrs- und Sommerware geliefert und müsse bezahlt werden.

Bei verkürzten Öffnungszeiten kann im zweiten Lockdown an der Eingangstür vorbestellte Mode abgeholt werden. „Die Outfits stehen nummeriert im Schaufenster“, berichtet der Geschäftsmann. „Es ist in Ordnung, wie das angenommen wird, aber nicht wie zu normalen Öffnungszeiten vor der Pandemie. Unseren Online-Auftritt haben wir intensiviert. Glücklicherweise sind wir schon länger dabei, uns dort vernünftig darzustellen, aber so etwas muss auch organisiert und aktualisiert werden. Click and collect wird gut genutzt, aber die Bestellquote ist noch nicht so hoch.“ Zudem gibt es seitens des Ostbeverner Modehauses eine Whatsapp-Gruppe, in der etwa 60 Kunden sind, die auf diesem Weg auf dem Laufenden gehalten werden.

Jetzt hoffen die Geschäftsleute auf weiterhin deutlich sinkende Infektionszahlen und damit auf ein baldiges Ende der wirtschaftlichen Einschränkungen. „Es wäre super, wenn die Inzidenz unter 35 fallen würde und wir ab Mitte März wieder öffnen könnten“, so Frönd. Dann käme die Wiederbelebung für den Handel gerade noch rechtzeitig zum Ostergeschäft.

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