Alltagshelden in Corona-Zeiten
Wenn die Postfrau trotzdem klingelt

Greven -

Je konsequenter die Menschen zuhause bleiben, desto mehr hat Mandy Ma­li­sheva zu schleppen. In Lockdown-Zeiten boomt der Online-Handel, und die Paketdienste profitieren. Der Job der Paketzusteller hat sich durch die Pandemie im Wesentlichen in zwei Punkten verändert.

Freitag, 26.02.2021, 07:55 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 13:11 Uhr
Mandy Malisheva liebt ihren Job als Paketzustellerin in Greven. Ihre Arbeit hat sich durch die Corona-Maßnahmen verändert. Schlechter geworden ist kaum etwas, sagt sie.
Mandy Malisheva liebt ihren Job als Paketzustellerin in Greven. Ihre Arbeit hat sich durch die Corona-Maßnahmen verändert. Schlechter geworden ist kaum etwas, sagt sie. Foto: Gunnar A. Pier

Seit gut zwei Jahren ist Malisheva im DHL-Dress unterwegs. In Greven hat sie einen eigenen Stammbezirk und liebt den Job: „Ab dem Zeitpunkt, wenn du vom Hof fährst, bist du dein eigener Herr.“ Dazu die frische Luft und die zumeist netten Begegnungen mit den Empfängern, die sich freuen, wenn die Bestellung ankommt: „Ich find’s toll!“

Die Corona-Schutzmaßnahmen haben zunächst einmal für mehr Arbeit gesorgt. DHL-Sprecher Rainer Ernzer hat dazu vielsagende Zahlen im Kopf: Der Paketdienst mit den gelben Auto transportierte mal 3,2 Millionen Pakete pro Tag – kurz vor Ostern 2020 stieg die Zahl durch den Lockdown binnen kürzester Zeit auf neun Millionen pro Tag – „ohne, dass wir uns drauf einstellen konnten.“ Ähnliche Werte gibt’s sonst nur vor Weihnachten. Dann sind sie erwartbar und DHL heuert 10 000 zusätzliche Fahrer an. Durch den Corona-Lockdown musste das von jetzt auf gleich gestemmt werden.

Mehr Arbeit durch Corona-Schutzmaßnamen

Aber Mandy Malisheva lässt sich die gute Laune ganz offenbar nicht verderben. An einem typischen Tag beginnt sie um 8.15 Uhr am Paketzentrum in Greven-Reckenfeld damit, ihren Wagen zu beladen. „Dabei sortiere ich die Pakete schon nach Straßen“, erklärt sie. Um die 200 Lieferungen sind es pro Tag. „Ich fahre immer die selbe Tour.“ Am späten Nachmittag ist sie durch, aber dann gilt unter den gelbfarbenen Kollegen: Wer früh fertig ist, hilft den anderen.

Ich lerne plötzlich Leute in meinem Bezirk kennen, die ich noch nie gesehen habe.

Mandy Malisheva

Die Corona-Pandemie hat das Leben vieler Menschen verändert – auch das der Paketzusteller. Homeoffice ist für sie natürlich keine Option, Kontakte vermeiden geht auch kaum: Tag für Tag fahren Mandy Malisheva und ihre Kollegen los. In der Regel klingeln sie an, stellen die Lieferungen vor die Tür und gehen wieder auf Abstand. Quittieren muss auch kein Empfänger mehr. „Das spart Zeit“, erklärt Mandy Malisheva den ersten Vorteil. Ein weiterer: Durch Kurzarbeit und neuerdings weit verbreitete Homeoffice-Arbeiter trifft sie viel häufiger jemanden an. „Ich lerne plötzlich Leute in meinem Bezirk kennen, die ich noch nie gesehen habe.“

Pakete bis zu 31,5 Kilogramm schwer

Und die Menschen seien generell freundlicher geworden. Dankbar vielleicht, dass die Zusteller der Virengefahr trotzen und die Sachen bringen, die im Laden derzeit schwer zu kriegen sind. Paketboten bringen ja meistens Dinge, auf die die Empfänger sich freuen, und nicht etwa Rechnungen wie der Briefträger.

Aber es gibt noch einen zweiten Unterschied zur Zeit vor Corona: „Die Pakete sind viel schwerer geworden!“ Denn inzwischen bestellen die Kunden auch Hanteln, Fliesen, Möbel und säckeweise Katzenstreu im Internet – und Pakete dürfen bei DHL bis zu 31,5 Kilogramm wiegen . . .

Welche Corona-Regeln in NRW seit Montag (29.3.) gelten

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  • Nordrhein-Westfalen zieht infolge der dritten Corona-Welle wieder die Zügel an. Aber die vereinbarte Notbremse wird sogleich wieder gelockert: Im verschärften Lockdown gibt es diesmal Ausnahmen - und zwar für Menschen mit negativem Schnelltest. Die neue Corona-Schutzverordnung gilt von Montag (29.3.) bis 18. April - die aktuellen Regelungen im Überblick.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Öffnungen bei Test-Option:

    Mit einem negativen Test könnten die Menschen in den betroffenen Kreisen und Städten – mit einer Inzidenz über 100 – wieder mit Termin in den Baumarkt, in Geschäfte oder mit den Kindern in den Zoo gehen. Erlaubt sind auch Zutritt von Bibliotheken, Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten so wie auch körpernahe Dienstleistungen wie Gesichtskosmetik. Auflagen wie Desinfektion, Abstand und Maskenpflicht bleiben aber weiter bestehen.

    Foto: Diverse
  • Friseure:

    Friseure und medizinische Fußpflege fallen nicht unter die Corona-Notbremse. Sie bleiben weiter geöffnet. Ein negativer Test ist Laumann zufolge in Kommunen mit einer Inzidenz über 100 nicht nötig.

    Foto: Oliver Berg
  • Gastronomie:

    Die Gastronomie bleibt weiter geschlossen. Die Test-Option erstreckt sich laut Laumann nicht auf die Gastronomie. Das gebe die Corona-Schutzverordnung nicht her. Er verwies auf weitergehende Öffnungskonzepte, die im Rahmen der geplanten Modellregionen möglich seien.

     

    Foto: dpa
  • Kontaktbeschränkungen:

    Über das Osterwochenende werden die Kontaktbeschränkungen auch in Regionen mit hoher Corona-Inzidenz gelockert. Von Gründonnerstag bis Ostermontag (1. bis 5. April) dürfen sich landesweit unabhängig vom örtlichen Infektionsgeschehen fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, heißt es in der Corona-Schutzverordnung. Kinder bis 14 Jahren werden nicht mitgerechnet. Außer an Ostern gilt aber in Kommunen mit einer Inzidenz über 100, dass sich Menschen aus einem Hausstand nur mit einer weiteren Person im öffentlichen Raum treffen dürfen.

    Foto: dpa
  • Volksfeste:

    Große Festveranstaltungen wie Volksfeste oder Schützenfeste sind in NRW noch bis mindestens 31. Mai verboten. Die Konkretisierung schafft Planungssicherheit für viele Vereine, die sonst im Frühjahr ihre Schützenfeste abgehalten hätten.

    Foto: dpa
  • Sonnenstudios:

    Ab dem 29. März ist der Betrieb von Sonnenstudios in NRW wieder erlaubt. Wie bei anderen körpernahen Dienstleistungen müssen allerdings die Vorgaben der Notbremse beachtet werden. Laumann begründete die Änderung mit entsprechenden Gerichtsurteilen.

    Foto: dpa
  • Schwimmunterricht:

    NRW lässt Schwimmunterricht für Kinder unter Auflagen wieder zu. Ab Montag dürfen Kurse für Schwimm-Anfänger und Kleinkinder wieder stattfinden - allerdings mit höchstens fünf Kindern pro Gruppe.

    Foto: dpa
  • Modellregionen:

    NRW will gemäß Bund-Länder-Beschluss in etwa einem halben Dutzend Modellregionen weitergehende Öffnungen mit strengem Schutz- und Testkonzept erproben.

    Foto: dpa
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