Alltagshelden in Corona-Zeiten
Der Alltagsengel aus dem Kindergarten

Warendorf -

Desinfizieren, waschen, spülen: Das gehört zu den Aufgaben von Irena Krumkamp. Sie übt einen Job aus, den es vor der Corona-Pandemie noch nicht einmal gab. Sie ist Alltagshelferin in einer Kindertagesstätte.

Montag, 01.03.2021, 09:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 13:52 Uhr
Irena Krumkamp desinfiziert Klinken, macht die Wäsche und spült. Um wenn‘s schneit, kocht sie auch ein Mittagessen.
Irena Krumkamp desinfiziert Klinken, macht die Wäsche und spült. Um wenn‘s schneit, kocht sie auch ein Mittagessen. Foto: Jonas Wiening

Irena Krumkamp ist glücklich über ihren neuen Beruf. Einen Beruf, den sie ohne die Corona-Krise nicht ausüben würde. Die 52-jährige Warendorferin arbeitet als Alltagshelferin im Katharina-Kindergarten in Warendorf – ein Job, der in Pandemie-Zeiten neu geschaffen wurde. Mit Alltagshelfern sind bislang praktische Küchengeräte oder Erfindungen gemeint. Doch mittlerweile hat der Begriff eine wertvollere Bedeutung. Denn so hilfreich wie Irena Krumkamp ist wohl keiner dieser noch so praktischen Gegenstände.

Die Warendorferin erledigt gleich ganz viele Aufgaben. Sie hilft, wo sie kann. Und nicht irgendwo, sondern im Kindergarten. Mit Beginn der Corona-Pandemie wurden auch die Aufgaben in den Kindertagesstätten umfangreicher. „Und es ist nicht so, als hätten wir nicht zuvor schon genug Arbeit, auch neben der Betreuung der Kinder, gehabt“, sagt Einrichtungsleiterin Ulrike Beerheide.

Desinfizieren, waschen, spülen

Wäsche waschen, Geschirr spülen, Einkaufen – all das hätten die Erzieher und Erzieherinnen schon immer machen müssen. „Während der Corona-Pandemie wurde alles aber zu viel“, berichtet Beerheide. Denn obwohl zwischendurch auch mal weniger Kinder im Kindergarten waren, sind die Aufgaben komplexer. „Wir haben vor der Krise vielleicht nur einmal im Jahr das Spielzeug desinfiziert. Das reicht jetzt nicht mehr“, sagt Beerheide. Neue Vorgaben sind hinzugekommen, die alten wurden angepasst. Desinfizieren, Wäsche und Geschirr, das öfter gewaschen und gespült werden muss – die Hygiene in den Kitas stand plötzlich im Mittelpunkt.

Umso glücklicher war die Einrichtungsleiterin über den Vorstoß des Landes NRW, den neuen Job der Alltagshelfer in Kindergärten zu fördern. Die Kirchengemeinde St. Laurentius, Träger von sieben Kindergärten in Warendorf, nutzte die Förderung direkt. In vier Kindergärten wurden die Stunden von einigen Erziehern und Reinigungskräften aufgestockt, in drei Kindergärten wurden neue Mitarbeiterinnen eingestellt.

Pfannkuchen im Schneegestöber

Eine von ihnen ist Irene Krumkamp, die ihren neuen Job als „Sechser im Lotto“ bezeichnet. Über zwanzig Jahre hat die 52-Jährige in einem Café gearbeitet, zwei Jahre in einem Schuhladen, im Sommer hat sie gekellnert. Seit August ist sie Halbtagskraft im Katharina-Kindergarten. Sie desinfiziert Klinken und Türgriffe, macht die Wäsche, spült, übernimmt die Essenausgabe am Mittag und hilft den Kindern, wo immer es nötig ist.

Als beim Schneechaos der Caterer kein Essen liefern konnte, griff sie sogar zum Kochlöffel und zauberte den Kindern zwei Tage eine warme Mahlzeit. Hühnerfrikassee und Pfannkuchen. „Inzwischen fragen mich die Kinder schon immer: ‚Irena, wann kochst du wieder für uns‘“, sagt Krumkamp mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Wir sind sehr dankbar für die Hilfe. Wir nennen Irena deshalb auch nicht Alltagshelferin, sondern Alltagsengel.

Ulrike Beerheide

Die Kinder seien ohnehin das, was den Job ausmache. „Man baut eine ganz andere Beziehung zu den Jungen und Mädchen auf, als zu den Kunden im Café oder im Schuhladen“, sagt sie, betont aber, dass auch ihre alten Jobs Spaß gemacht hätten. Es sei aber Zeit für etwas Neues gewesen. „Ich habe damals von der Stellenausschreibung zur Alltagshelferin von Bekannten gehört. Zunächst wusste ich aber nicht genau, was ich mir darunter vorzustellen habe“, erzählt Krumkamp, die sich aber trotzdem beworben habe. „Eine gute Entscheidung“, wie sie im Nachhinein feststellt. „Eine wirklich gute Entscheidung“, wie auch Ulrike Beerheide sagt: „Man merkt, dass jeder Handgriff sitzt. Wir sind sehr dankbar für die Hilfe. Wir nennen Irena deshalb auch nicht Alltagshelferin, sondern Alltagsengel.“

Förderung endet im Sommer

Doch wie lange Irena Krumkamp dem Katharina-Kindergarten noch zur Verfügung steht, ist noch nicht klar. Der Vertrag ist bis Juli befristet – dann endet die Förderung. „Am liebsten würde ich den Job aber bis zur Rente machen“, sagt Krumkamp. Das wünschen sich auch die Erzieher, Erzieherinnen und die Kinder. Denn einen Alltagsengel kann man auch nach der Corona-Krise noch gut gebrauchen.

Diese Regelungen gelten in NRW

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  • NRW lockert ab dem 22. Februar einige Regelungen. Hier ein Überblick. 

    Foto: dpa
  • Verlängerung des Lockdowns

    Der Lockdown geht in die nächste Verlängerung: Die aktuell geltenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie werden grundsätzlich bis zum 7. März verlängert. 

    Foto: Annette Riedl
  • Weitere Öffnungsschritte erst bei stabiler Inzidenz von höchstens 35

    Bund und Länder sehen die Möglichkeit für weitergehende Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie erst bei einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Dann sollten der Einzelhandel, Museen und Galerien sowie Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen wieder aufmachen können, wie aus dem Beschlusspapier vom Mittwoch hervorgeht.

    Foto: Tom Weller
  • Öffnung von Friseursalons ab 1. März

    Friseurbetriebe dürfen dem Beschluss zufolge den Betrieb am 1. März wieder aufnehmen -«unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts mit Reservierungen sowie unter Nutzung medizinischer Masken». Begründet wird dies mit der «Bedeutung von Friseuren für die Körperhygiene», insbesondere Ältere seien darauf angewiesen.

    Foto: Jens Büttner
  • Lockerungen beim Freizeitsport 

    Der Sport allein, zu zweit oder ausschließlich mit Personen des eigenen Hausstandes auf Sportanlagen unter freiem Himmel einschließlich der sportlichen Ausbildung im Einzelunterricht ist ab dem 22. Februar wieder zulässig. Zwischen den verschiedenen Personen oder Personengruppen, die gleichzeitig Sport auf Sportanlagen unter freiem Himmel treiben dürfen, ist dauerhaft ein Mindestabstand von fünf Metern einzuhalten. Sporthallen und Schwimmbäder bleiben dagegen vorerst für den privaten Sport geschlossen.

    Foto: Diverse
  • Länder sollen selbst über Schulöffnungen entscheiden

    Wann es welche Öffnungsschritte in Schulen und Kindertagesstätten geben soll, wird nicht bundeseinheitlich geregelt. Merkel sagte, sie hätte mit diesen Öffnungen gerne erst ab dem 1. März begonnen. Die Länder, die für Bildung zuständig sind, hätten dies aber anders beurteilt.

    In NRW sollen die ersten Schüler ab dem 22. Februar in die Schule zurückkehren. Das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwoch nach den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise. 

    Foto: Marijan Murat
  • Viele Fragen bleiben offen

    Offen bleibt, wie es für Restaurants, Hotels, Museen, Clubs, Theater und Konzerthäuser sowie den Amateursport weitergehen soll. In dem Beschluss heißt es dazu lediglich, Bund und Länder arbeiteten «weiter an der Entwicklung nächster Schritte der sicheren und gerechten Öffnungsstrategie».

    Foto: Oliver Berg
  • Frühlingsblüher und Saatgut dürfen verkauft werden
    Die Ausnahme zum Verkauf von Schnittblumen und kurzfristig verderblichen Topfpflanzen gilt künftig auch für Gemüsepflanzen und Saatgut (Samen, Zwiebeln, Pflanzkartoffeln etc.). Diese Waren einschließlich des unmittelbaren Zubehörs dürfen auch von Bau- und Gartenmärkten verkauft werden. Solche Märkte müssen den Verkauf an Privatleute aber dann ausschließlich auf diese Waren begrenzen und dürfen dabei ausdrücklich keine anderen Sortimente verkaufen.

    Foto: dpa
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