Verstorbene ohne Angehörige
Stadt Lengerich rechnet mit höheren Ausgaben für ordnungsbehördliche Bestattungen

Lengerich -

Es kommt vor, dass Menschen sterben und niemand da ist, der sich dann um ihre Beerdigung kümmert. In solchen Fällen muss die Kommune einspringen und eine sogenannte ordnungsbehördliche Bestattung in die Wege leiten. Die Stadtverwaltung in Lengerich setzt dafür nun höhere Ausgaben im Haushalt an.

Mittwoch, 03.03.2021, 05:32 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 05:40 Uhr
Eine Urnenbestattung
Eine Urnenbestattung Foto: dpa/Sebastian Willnow

Stirbt ein Mensch, kommen Familie und Freunde, Verwandte und Nachbarn zur Beerdigung zusammen, um Abschied zu nehmen und die letzte Ehre zu erweisen. So ist es zumindest meist, wenn Ereignisse wie die aktuelle Pandemie dem nicht im Wege stehen. Doch es gibt Ausnahmen. Da endet ein Leben – und es stellt sich als erstes die Frage, ob überhaupt jemand die Bestattung organisiert und für sie aufkommt. Ist das nicht der Fall, verpflichtet das Gesetz die Kommune, auf deren Gebiet der Tod der entsprechenden Person eingetreten ist, diese Aufgabe zu übernehmen. Weil das tendenziell immer öfter geschieht, kalkuliert die Stadt Lengerich dafür mehr Geld ein als in früheren Zeiten.

Martin Pogrifke, Leiter des städtischen Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, erklärt, dass es nach dem Tod eine Frist von zehn Tagen gebe, bis jemand beerdigt oder kremiert werden muss. Bei einer Urnenbestattung blieben dann noch einmal sechs Wochen, bis die unter die Erde komme. Der wesentliche Grund für die Frist: Eine ordnungsbehördliche Bestattung, wie sie im Fachjargon heißt, wird im Rahmen der sogenannten Gefahrenabwehr veranlasst. Von unbestatteten Leichen gehen durch die fortschreitende Verwesung erhebliche Gesundheitsgefahren aus, die zur Ausbreitung von Krankheiten oder zur Entstehung von Seuchen beitragen könnten.

Die Suche nach Hinterbliebenen dauere jedoch oft länger als die genannten zehn Tage, berichtet Pogrifke. Also übernimmt die Stadt es, die Bestattung zu beauftragen und versucht später, so es denn Angehörige gibt, die die Kosten übernehmen müssen, diese zu kontaktieren. Standesämter und Melderegister seien dabei die üblichen Ansprechpartner beziehungsweise Instrumente, auf die zurückgegriffen werde. Recherchiert wird nach Ehegatten, Lebenspartnern, volljährigen Kindern, Eltern, volljährigen Geschwistern, Großeltern und volljährigen Enkelkindern. Sie alle sind laut Bestattungsgesetz NRW verpflichtet, die Kosten der Beerdigung eines Verstorbenen zu tragen, und das in der genannten Reihenfolge.

2020 hat die Stadt zwölf Bestattungen veranlasst. Hinzu kommen jene Fälle, bei denen die Verwaltung schnell und mit Erfolg nach Angehörigen gesucht hat, die für eine Beerdigung verpflichtet werden können. Dass ein Verstorbener wirklich keine engen Familienangehörigen mehr hat, die zahlen müssen, sei selten der Fall, erzählt Martin Pogrifke. Eher sei es so, dass sich die entsprechenden Personen zunächst weigerten, die Kosten zu übernehmen. „Meist aus familiären Gründen.“

Wie es soweit kommt, dass die Suche nach Angehörigen zum arbeitsintensiven Problem wird? Der Fachdienstleiter spricht von meist alten, allein lebenden Personen, die vor Ort wenig oder gar keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen gehabt hätten. Und die Beziehungen zu Kindern oder Enkeln, die womöglich weit weg leben, seien dann oft auch schon lange nicht mehr intakt gewesen. Die Folge: Namen und Adressen fehlen.

Um die Ausgaben für die ordnungsbehördlichen Bestattungen zu minimieren, kann die Stadt auf den Nachlass der Toten zurückgreifen. Relativ häufig lasse sich so zumindest ein Teil der Kosten von 2500 bis 3000 Euro decken, sagt Pogrifke. Für diese Summe gibt es dann ein Urnenreihengrab mit Namensplakette.

Ab diesem Jahr werden im Haushalt 30 000 Euro für diese Aufgabe bereitgestellt. Eine Konsequenz aus dem Jahr 2019, so der Fachdienstleiter. „Da waren die seinerzeit veranschlagten 20 000 Euro zur Jahresmitte bereits aufgebraucht.“

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