Bericht des Kreisjugendamtes Coesfeld
Mehr Meldungen bei Sorgen um das Kindswohl

Ascheberg -

Die Missbrauchsfälle von Gladbeck, Lügde und später Münster lassen die Menschen bei Kindern genauer hinsehen. Die Meldungen, das Kindswohl in Gefahr ist, sind im Kreis Coesfeld deutlich gestiegen.

Freitag, 05.03.2021, 08:00 Uhr
Kindeswohl
Kindeswohl Foto: Schriever

Die grausigen Taten aus Gladbeck, Lügde und später Münster haben den Blick des Umfeldes von Kindern geschärft. Das Kreisjugendamt Coesfeld hat darum 2019 einen sprunghaften Anstieg von Gefährdungsmeldungen beim Kindswohl registriert. „Die Zahl der 8a-Meldungen ist 2019 wegen solcher Fälle von 154 auf 262 Meldungen angestiegen“, berichtet Elke Beck, stellvertretende Leiterin des Kreisjugendamtes Coesfeld, im Ascheberger Fachausschuss. Obwohl mehr als die Hälfte der Meldungen zu Fällen führten, in denen Kinder nicht gefährdet waren und auch keine Hilfe nötig war, hat der Anstieg eine wichtige Seite: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dort Hilfe angeboten oder eingeschritten wird, wo es wirklich nötig ist.

Das Kreisjugendamt ist rund um die Uhr auch an Wochenenden erreichbar (Kinder und Jugendnotrufnummer: 02541/18 5170). Die Rufbereitschaft, so Beck, sei immer doppelt besetzt. Gearbeitet werde nach festgelegten Verfahrensstandards. Bei Bedarf fänden Hausbesuche und andere persönliche Gespräche statt. Die Zahlen wären vermutlich noch höher, wenn Kitas, Schulen, OGS oder Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit mit denen es 8a-Vereinbarungen gebe, sich nicht bereits viel früher melden würden, wenn noch keine Gefahr gegeben sei, informierte Beck.

Kindswohl in einem Fall akut gefährdet 

Aus Ascheberg erreichten das Kreisjugendamt im vergangenen Jahr 19 Meldungen. In einem dutzend Fällen war kein Eingreifen nötig. Fünf Mal bestand zwar keine Gefahr fürs Kind, aber es wurde ein Hilfebedarf für die Familie angeboten. In einem Fall habe eine latente Gefahr fürs Kind bestanden. Dort seien klare Auflagen ausgesprochen worden. Und in einem Fall sei das Kindswohl akut gefährdet gewesen, so dass man das Kind anders untergebracht habe.

Für 2020 hat das Kreisjugendamt ausgewertet, was aus den 240 Fällen geworden ist. 134 Mal war keine Maßnahme nötig. Darunter waren auch Fälle, wo jemand dem Nachbarn an den Karren habe fahren wollen. In 86 Fällen seien den Familien Hilfen angeboten worden. Ein Dutzend Fälle auf Kreisebene habe zu klaren Regeln geführt, acht Mal sei das Kindswohl so gefährdet gewesen, dass eine andere Unterbringung nötig geworden sei.

Von der Zahl der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 21 Jahren hat Ascheberg einen Anteil von 11,6 Prozent im Jugendamtsbezirk. Der Anteil an Jugendhilfemaßnahmen betrug im vergangenen Jahr 9,76 Prozent. Insgesamt werde in Ascheberg 40 Mal ein ambulantes Angebot genutzt, 37 Kinder seien in Pflegefamilien untergebracht. Dazu werden bei sieben Volljährigen Hilfe geleistet. 13 Mal seien Eingliederungshilfen gefragt.

Keine Corona-Rückschlüsse möglich

Corona-Auswirkungen lassen sich aus den Zahlen noch nicht herauslesen. Immerhin ging im Coronajahr die Zahl der 8a-Meldungen gegenüber dem Vorjahr zurück.

Beck war nach Ascheberg gekommen, weil die SPD-Fraktion zu dem Themenbereich mehr Informationen gewünscht hatte. Auf Rückfrage von Volker Brümmer, Vorsitzender der Sozialdemokraten, informierte Beck, dass Ascheberg von Lüdinghausen aus versorgt werde. Entscheidend sei aber, dass man jederzeit anrufen könne. Die Liste der Zuständigkeiten sei zudem auf der Homepage des Kreises zu finden. Besonders nah und niederschwellig seien die offenen Beratungsangebote in den Familienzentren. In Ascheberg gibt es zwei, in Herbern eine dieser Einrichtungen.

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