Alltagshelden in Corona-Zeiten
Intensivpfleger: „Wir halten auch mal nur die Hand“

Warendorf -

Seit Corona häufen sich die Tage, an denen Tobias Reiker nach der Arbeit fertig ist. Der 30-Jährige arbeitet im Josephs-Hospital in Warendorf als Intensivpfleger. Ein Beruf, den er aber trotz der gestiegenen Arbeitsbelastung immer noch gerne macht.

Dienstag, 09.03.2021, 16:50 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 18:37 Uhr
Tobias Reiker ist Intensivpfleger im Josephs-Hospital in Warendorf. Der 30-Jährige berichtet über seine Arbeit in Corona-Zeiten.
Tobias Reiker ist Intensivpfleger im Josephs-Hospital in Warendorf. Der 30-Jährige berichtet über seine Arbeit in Corona-Zeiten. Foto: Jonas Wiening

Seit Beginn der Corona-Pandemie musste Tobias Reiker viele Covid-Patienten betreuen. „Manchmal halten wir nur die Hand des Patienten“, sagt er. „Wir haben hier auf der Intensiv-Station natürlich die schwer kranken Patienten. Viele haben Probleme mit dem Atmen, das schürt bei ihnen die Ur-Angst keine Luft zu bekommen.“ Einfach für den Patienten da sein und versuchen, ihm die Angst zu nehmen – das spielt eine große Rolle. Er werde zu einer Art Seelsorger, sagt Reiker und fügt an: „Zwar versuche ich immer, eine gewisse Distanz zu den Patienten zu wahren, trotzdem baue ich natürlich eine Bindung zu ihnen auf.“ Wenn dann Patienten sterben, die teilweise sogar wochenlang auf der Station lagen, belaste ihn das sehr.

Mehraufwand durch Pandemie

Zu den schlimmsten Zeiten seien bis zu 50 Prozent der Patienten auf der Intensivstation im Josephs-Hospital Corona-Patienten gewesen. Und das, obwohl die Corona-Zahlen in Warendorf bis jetzt vergleichsweise niedrig waren. Auch wenn die Intensivstation des Krankenhauses nie überlastet gewesen sei, sei der Mehraufwand durch die Pandemie groß. Zwei Mal die Woche werden Tobias Reiker und seine Kollegen auf Covid-19 getestet. Zudem müssen sie ihre Schutzkleidung anziehen, sich durch den Schutzbereich einschleusen und mehr Patienten betreuen. Dazu kommen die üblichen Aufgaben wie zum Beispiel die Gespräche mit den Patienten über die Pflege, die Kontrolle der Geräte, die Körperpflege der Patienten und die Dokumentation der Arbeit.

Es ist sowieso ein schöner Beruf.

Tobias Reiker

Aufgaben, die Tobias Reiker eigentlich gerne macht. „Es ist sowieso ein schöner Beruf“, sagt der 30-Jährige, der nach seinem Abitur, zwei Semestern Studium der chemischen Biologie und einem Bundesfreiwilligendienst, seine Ausbildung zum Krankenpfleger am Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup machte. „Danach bin ich dann direkt in Warendorf auf der Intensivstation angefangen. Und vor knapp einem Jahr habe ich meine Weiterbildung zum Anästhesie- und Intensivpfleger abgeschlossen“, erklärt Reiker.

Impfung bringt Erleichterung

Inzwischen ist er geimpft. Das erleichtert ihn, denn die Angst, Patienten anzustecken, war trotz der vielen Schutzmaßnahmen immer da. In den Impfstoff setzt die Pflegekraft einige Hoffnung. „Ich habe sogar schon das Gefühl, dass die Zahl der Corona-Patienten bei uns seit den Impfungen in den Altenheimen zurückgeht.“

Reiker formuliert dennoch einen Wunsch an die Politik: „Ich brauche nicht mehr Geld, damit bin ich zufrieden. Ich hätte lieber eine Pflegekraft mehr pro Schicht.“ Mehr Zeit für den einzelnen Patienten also, wie er sagt. Die Patienten seien ohnehin das, was den Beruf der Pflegekraft ausmache. „Ich kann Menschen helfen, sie unterstützen. Und die Dankbarkeit der Patienten ist unbezahlbar.“ Und er ergänzt: „Wenn die Menschen auf dem Balkon stehen und klatschen, ist das schön und gut. Mir wäre es aber lieber, wenn die sich alle an die aktuellen Corona-Regeln halten würden.“

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