107 verunglückte Tiere im Jahr 2020
Mehr Wildunfälle im Lockdown

Ostbevern -

Vor allem zur Dämmerung sind Wildtiere unterwegs und damit gefährdet, Opfer des Straßenverkehrs zu werden. Über 100 Wildunfälle zählte die Polizei im Jahr 2020 in Ostbevern.

Donnerstag, 11.03.2021, 04:07 Uhr aktualisiert: 11.03.2021, 04:10 Uhr
Hegeringleiter Georg Verenkotte
Hegeringleiter Georg Verenkotte Foto: Bernd Pohlkamp

107 gemeldete Wildunfälle hat es im vergangenen Jahr auf den Straßen der Gemeinde Ostbevern gegeben. „Das sind natürlich 107 Unfälle zu viel“, beklagt Hegeringleiter Georg Verenkotte die im Straßenverkehr tödlich verletzten Wildtiere. Die Statistik der Kreispolizei verrät, dass so viele Tiere durchschnittlich jedes Jahr auf den Straßen, die über Ostbeverner Gebiet führen, verenden.

2019 waren es immerhin 94. In der Statistik des vergangenen Jahres stehen 106 Reh-Unfälle und ein Unfall mit einem Wildschwein. Laut Kreispolizei ist diese Differenz eher unauffällig und entspricht den jährlichen Schwankungen.

In ganz seltenen Fällen kommt es tagsüber zu Wildunfällen.

Susanne Dirkorte-Kukuk

Besonders in den Stunden rund um die Morgen- und Abenddämmerung geschehen die meisten Unfälle. „Gerade zu Dämmerungsbeginn“, so Georg Verenkotte, „gehen Wildtiere auf die Flächen, um zu äsen. In den Morgenstunden suchen diese ihre Einstände (Rückzugsfläche) wieder auf.“ Susanne Dirkorte-Kukuk, Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin der Kreispolizei, ergänzt: „In ganz seltenen Fällen kommt es tagsüber zu Wildunfällen.“

Es gebe eine Vereinbarung mit den Jagdausübungsberechtigten, dass die Polizei über die ihr bekannt gewordenen Fälle informiert. Allerdings sind in der Polizeistatistik auf den Straßen verendete Hasen oder Füchse nicht aufgelistet.

Wir freuen uns, wenn Menschen sich an der Natur erfreuen und auch die Wälder aufsuchen.

Georg Verenkotte

Die Polizeistatistik zeigt auch, dass in den Monaten April bis Juni des vergangenen Jahres 38 Wildunfälle geschahen. Ein Jahr zuvor waren es nur 17 Unfälle. Das führt Georg Verenkotte auf den Lockdown zurück. Vor allem von April bis Juni (Revierkämpfe) sollten sich Fahrer auf nächtlichen „Dauerverkehr“ von Rehen und auch Wildschweinen einstellen. Georg Verenkotte: „Die Tiere sind in dieser Zeit oft kopflos und achten dabei nicht auf ihr Umfeld.“ Wenn dann noch Waldbesucher die Wege verlassen, werde das Wild aufgescheucht und flüchtet.

Das Betreten des Waldes ist laut Bundeswaldgesetz (§14) zum Zwecke der Erholung gestattet. Georg Verenkotte: „Wir freuen uns, wenn Menschen sich an der Natur erfreuen und auch die Wälder aufsuchen. Dabei gibt es allerdings bestimmte Spielregeln zu beachten. Etwa auf den Wegen zu bleiben und mitgebrachte Hunde an der Leine zu führen. Gerade bei diesem Winterwetter ist ein gehetztes Tier zum Tode verurteilt. Das haben wir gerade in Ostbevern erlebt, als ein Reh nicht mehr zur Ruhe kam und wir es erlösen mussten.“ Mit aufgestellten Wildkameras kann der Hegering in den Revieren rund um Ostbevern sehen, was sich wo bewegt. „Manchmal staunen wir, dass sich Waldbesucher sogar im dichten Gestrüpp aufhalten.“

Erst durch Menschengeruch werden Jungtiere wirklich zu Waisen.

Georg Verenkotte

„Grundsätzlich“, so Georg Verenkotte, „muss auf den Straßen, die durch Waldgebiete führen, mit Wildwechsel gerechnet werden.“ Der Hegeringleiter empfiehlt, in Wäldern und vorbei an Feldern und Gebüschen langsam und vorausschauend zu fahren und den Fahrbahnrand rechts und links im Auge zu behalten. Um Gefahren gering zu halten und eine harmonische Nutzung des Waldes für alle Besucher und Besucherinnen zu ermöglichen, sollte jeder verantwortungsvoll den Wald betreten.

Zurückhaltung empfiehlt Georg Verenkotte auch Waldbesuchern, die ein Jungtier finden. „Dann ist es bedeutsam, sich von der Fundstelle zügig zu entfernen, ohne das Tier anzufassen. „Denn“, so Georg Verenkotte, „erst durch Menschengeruch werden Jungtiere wirklich zu Waisen. Finder sollten im Zweifelsfall umgehend einen ortsansässigen Jäger anrufen, der kommt und den Zustand des Tieres einschätzt.“

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