Alltagshelden in Corona-Zeiten
Keine Events, kaum Gäste: Das Beverland-Resort im verordneten Dornröschenschlaf

Ostbevern -

In guten Zeiten kommen tagsüber bis zu 700 Besucher ins Beverland-Resort bei Ostbevern, fast 200 übernachten dort. Jetzt, in Corona-Zeiten, sind alle Events verboten und es übernachten noch im Schnitt fünf Geschäftsreisende in dem Hotel. Dennoch halten einige Mitarbeiter die Stellung . . . 

Montag, 15.03.2021, 08:00 Uhr
Ein Geschäftsführer und viel Leere im „Kaseinwerk“: Johannes Kampherm in einem der Festsäle des Beverland-Resorts, die in diesen Tagen verwaist sind.
Ein Geschäftsführer und viel Leere im „Kaseinwerk“: Johannes Kampherm in einem der Festsäle des Beverland-Resorts, die in diesen Tagen verwaist sind. Foto: Gunnar A. Pier

Ein kaltes Lüftchen weht durch den Festsaal „Kaseinwerk“, in dem sonst Hochzeitsgesellschaften ausgelassen feiern. „Wir haben die Heizung runtergefahren“, sagt Johannes Kamp­herm. Seit Oktober geht hier nichts mehr. Events: verboten. Hotelbetrieb: nur für Geschäftsreisende. Das Beverland-Resort etwas außerhalb von Ostbevern ruht im verordneten Dörnröschenschlaf. Und dennoch gibt es hier ein paar Wachgebliebene, die trotz Corona-Schutzmaßnahmen und ausbleibender Gäste die Stellung halten.

Das Event-Resort auf der grünen Wiese ist vom Lockdown, wie so viele in diesen Monaten, hart getroffen. „Wir leben zu 95 Prozent von Veranstaltungen“, erklärt Kampherm, einer der beiden Geschäftsführer. Wer hier übernachtet, ist in der Regel kein durchreisender Radfahrer auf Münsterland-Pättkestour, sondern Event-Besucher. Tagungen, Hochzeiten, deftige Junggesellenabschiede, feucht-fröhliche Mädels-Wochenenden: „Wir machen unser Haus mit Events voll.“ An manchen Tagen sind bis zu 700 Besucher im Beverland. Viele Gäste reisen abends wieder ab oder werden in umliegenden Hotels untergebracht. Bis zu 200 übernachten in den 63 Zimmern des Resorts.

Frühstück gibt es nicht

200 Übernachtungsgäste? Im Moment sind es im Schnitt etwa fünf. Geschäftsreisende, nur die dürfen noch. Frühstück gibt es nicht, und Kampherm rechnet den Grund vor: Zehn Euro zahlen Gäste für das Frühstück, macht bei fünf Gästen 50 Euro – „wenn der Koch nur durch die Tür kommt, haben wir die schon verballert“ – und der Wareneinsatz kommt noch dazu. Es rechnet sich nicht, die Gäste bekommen also eine Liste der umliegenden Bäcker.

Die meisten sind in Kurzarbeit

Die gut 70 Festangestellten sind seit Monaten nahezu komplett in Kurzarbeit, die 50 Aushilfen sind auch raus – bis zuletzt kamen nur die Azubis noch zur Arbeit. Doch auch sie haben sich nun zum großen Teil in Kurzarbeit verabschiedet. Auszubildende wie Stine Falsner. Seit Oktober ist die 21-Jährige im Haus, im Januar begann ihre Ausbildung zur Event-Kauffrau. Ein Event gab es seither nicht. „Ich weiß, dass ich das trotzdem machen will“, sagt sie trotzig. Die Lehre dauert drei Jahre, da soll schon noch was kommen. Bis dahin macht sie, wie ihre Kollegen, Liegengebliebenes. Und sie checkt Geschäftsreisende ein. „Die meisten haben viel Verständnis“, sagt sie. Kaum einer nörgelt rum wegen geschlossener Gastronomie und fehlenden Frühstücks.

Die Zukunft ist ungewiss

Die Zukunft ist weiter ungewiss. In anderen Jahren finden hier zu bis 150 Hochzeiten statt – für 2021 stehen noch 45 im Kalender. Und keiner weiß, ob davon auch nur eine wirklich stattfindet. Firmenveranstaltungen sind auch Mangelware. Und weil diese Art Veranstaltungen oft langen Vorlauf haben und Hochzeiten etwa meistens ein Jahr im Voraus geplant werden, wird das Beverland sich selbst dann, wenn die Regeln gelockert sind, noch zweimal umdrehen können, bis es endgültig aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

Bis es eines Tages wieder losgeht, müssen alle durchhalten. Kampherm bearbeitet Stornierungen und Verschiebungen – und beantragt Hilfen. Die immerhin kämen verlässlich. Und so ist er sicher, dass das Beverland durchkommt und irgendwann wieder hochfährt. Den Betrieb – und die Heizung.

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