Alltagshelden in Corona-Zeiten
Suchen nach der Seuche

Steinfurt -

Die Suche nach der Seuche ist die Sache von Sonja Kopper. Die medizinische Fachangestellte arbeitet seit Beginn der Pandemie im Gesundheitsamt des Kreises Steinfurt und ist damit Ermittlerin der ersten Stunde. Sie muss herausfinden, wen Infizierte angesteckt haben oder noch anstecken könnten und wer in Quarantäne muss - ein Job, der anfangs bis zu 17 Stunden Arbeit pro Tag forderte.

Freitag, 19.03.2021, 09:00 Uhr aktualisiert: 19.03.2021, 10:17 Uhr
Alltagshelden in Corona-Zeiten: Suchen nach der Seuche
Sonja Kopper ist medizinische Fachangestellte. Sie ermittelt Corona-Kontakte beim Gesundheitsamtes im Kreis Steinfurt, ein Job, der am Anfang viele Überstunden forderte. Foto: Kreis Steinfurt

Viele, die sich testen lassen, rechnen nicht mit einer Infektion. „Wenn doch, bekommen sie oft Panik und weinen am Telefon“, sagt die 42-Jährige. So wie die Mitarbeiterin eines Unternehmens, die weniger Angst um ihre Gesundheit als viel mehr vor ihrem Chef hatte. „Wie soll ich dem das erklären?“, sagte sie weinend. Als ob sie Schuld an der Ansteckung gehabt hätte. „Gefeit sind wir alle nicht davor“, sagt die Ermittlerin. Und: „Schade, dass jemand solch eine Angst davor haben muss zu sagen, sich angesteckt zu haben.“

Zeitaufwändige Angelegenheit

Die Angst steht Ermittlern wie Kopper oft im Weg: Eltern fürchten, ihre Kinder anzustecken, Kinder ihre Eltern, Angestellte ihre Kollegen, mit denen sie gestern noch in der Kantine gesessen haben. Das sind lange Gespräche. „Die Leute sind aufgeregt, müssen beruhigt werden“, erklärt Pressesprecherin Kirsten Weßling. So kostet die Suche nach Infizierten Zeit.

Schade, dass jemand solch eine Angst davor haben muss zu sagen, sich angesteckt zu haben.

Sonja Kopper

Kopper ist eine von neun Ermittlerinnen und Ermittlern beim Kreis Steinfurt, dazu kommen rund 60 Scouts: Studenten, Rentner, Reisekaufleute. Die Lawine, die eine neue Infektion auslöst, kann entweder unbeachtet vor sich hin kullern – wenn nur fünf oder sechs Personen betroffen sind, die alle in Home-Office sind und keine Kinder haben. Aber ist die Infizierte eine Mutter von drei Kindern, die in eine Kita oder eine Schule gehen, hat sie einen Nebenjob und einem Mann, der als Pfleger arbeitet, dann wird das ganz schnell ein „Riesending“.

Ein Anfang voller Überstunden

Zu Beginn der Pandemie hat Kopper, die gerade erst acht Wochen beim Kreis arbeitete, als sie zum Corona-Suchtrupp wechselte, von morgens 7 bis abends 12 im Büro gesessen. Als nach den ersten Chaoswochen klar wurde, dass die Krise nicht aufhört, musste die Behörde Wege finden, wie sie ihre Mitarbeiter schont. „In den ersten Wochen mussten wir so schnell handeln, dass wir nur Kreispersonal einsetzen konnten“, sagt Weßling. Als klar war: „Das geht hier auf Strecke“, stellte der Kreis Externe und führte Schichtpläne ein.

Zwischen positivem Test und dem Kontakt mit dem Infizierten vergehen bei uns nicht mehr als 24 Stunden.

Sonja Kopper

Die 42-jährige Kopper hat in den Monaten danach einen besondere Geist in der Verwaltung gespürt. Die vielen Todesfälle, die etwa in den Altenheimen gemeldet wurden, hätten sie und ihre Kollegen zwar belastet, aber auch zusammengeschweißt. „Das war eine Herausforderung, ein Zusammenwachsen und ein gemeinsames Auftauchen von vielen verschiedenen Leuten und verschiedenen Ämtern.“ Das führt nicht nur zu Wohlgefühl, sondern beeinflusst auch die Ergebnisse: „Zwischen positivem Test und dem Kontakt mit dem Infizierten vergehen bei uns nicht mehr als 24 Stunden“, berichtet Kopper. „Darauf können wir stolz sein.“

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