Hoffnung auf Modellregion
Frust bei Gastronomen hoch

Warendorf -

Die Gastronomie leidet besonders unter dem Lockdown und sieht bislang auch noch kein Licht am Ende des Tunnels. Die WN haben einmal bei einigen Gastwirten nachgefragt und ein Stimmungsbild eingefangen.

Donnerstag, 08.04.2021, 07:54 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 08:47 Uhr
Die Gastronomen waren hoffnungsvoll, wenigstens die Außengastronomie öffnen zu dürfen. Die ersten Restaurants auf dem Marktplatz ließen bereits die Schirme in den Boden.
Die Gastronomen waren hoffnungsvoll, wenigstens die Außengastronomie öffnen zu dürfen. Die ersten Restaurants auf dem Marktplatz ließen bereits die Schirme in den Boden. Foto: Rebecca Lek

Öffnen, schließen, nur Außengastronomie, nur mit negativem Schnelltest, doch nur Außer-Haus Verkauf möglich – ein Wechselbad der Gefühle für die hiesigen Gastronomen. Die Ministerkonferenz stellt vor wenigen Wochen einen Öffnungsplan auf Basis von Inzidenzwerten vor. Gleichzeitig erhöhten die Bundesländer die Testkapazitäten und stampften Testzentren aus dem Boden.

Dass die Gastronomie in naher Zukunft damit nicht öffnen kann, war für den „Gleis 64“-Inhaber Benedikt Großfeld abzusehen. „Mehr Tests bedeuten automatisch eine höhere Inzidenz. Trotzdem habe ich auf die Außengastronomie gehofft.“ Auch wenn er seinen Diskothekenbetrieb nicht wieder aufnehmen konnte, wollte er im Außenbereich eine Art Cocktaillounge installieren. Mobiliar dafür hat er noch nicht geordert – zum Glück, wie er rückwirkend meint. Dass wirklich am 18. April der Lockdown zu Ende ist, bezweifelt er. „Bevor wir öffnen dürfen, macht erst der Einzelhandel wieder normal auf“, vermutet Großfeld aufgrund der Erfahrungen des vergangenen Jahres.

Ich muss die Sicherheit haben, dass ich nicht nach ein paar Wochen wieder in den Lockdown gehen muss.

Peter Grewer

Ähnliche Überlegungen hat auch minibar-Betreiber Peter Grewer. Er rechnet nicht mehr damit, im April öffnen zu können. Seine Hoffnung liegt auf Mai und bei deutlich wärmeren Temperaturen. Aber diese Perspektive reicht dem Unternehmer nicht aus. „Ich muss die Sicherheit haben, dass ich nicht nach ein paar Wochen wieder in den Lockdown gehen muss“, betont Grewer. Lokal für Warendorf gesehen sieht er einiges an Schwierigkeiten. „Wenn ein Drittel der Gastronomen in Warendorf aufgeben und wegbrechen, dann passt es mit Bad Warendorf“, ärgert er sich über die „Unfähigkeit der Politik“. Derzeit plagen ihn auch in Bezug auf Öffnungsperspektiven Sorgen. Denn seine Mini-Jobber verabschieden sich. „Nach fast einem halben Jahr suchen die sich auch etwas anderes. Die sind schließlich auf das Geld angewiesen“, erklärt Grewer die Problematik.

Welche Corona-Regeln in NRW seit Montag (29.3.) gelten

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  • Nordrhein-Westfalen zieht infolge der dritten Corona-Welle wieder die Zügel an. Aber die vereinbarte Notbremse wird sogleich wieder gelockert: Im verschärften Lockdown gibt es diesmal Ausnahmen - und zwar für Menschen mit negativem Schnelltest. Die neue Corona-Schutzverordnung gilt von Montag (29.3.) bis 18. April - die aktuellen Regelungen im Überblick.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Öffnungen bei Test-Option:

    Mit einem negativen Test könnten die Menschen in den betroffenen Kreisen und Städten – mit einer Inzidenz über 100 – wieder mit Termin in den Baumarkt, in Geschäfte oder mit den Kindern in den Zoo gehen. Erlaubt sind auch Zutritt von Bibliotheken, Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten so wie auch körpernahe Dienstleistungen wie Gesichtskosmetik. Auflagen wie Desinfektion, Abstand und Maskenpflicht bleiben aber weiter bestehen.

    Foto: Diverse
  • Friseure:

    Friseure und medizinische Fußpflege fallen nicht unter die Corona-Notbremse. Sie bleiben weiter geöffnet. Ein negativer Test ist Laumann zufolge in Kommunen mit einer Inzidenz über 100 nicht nötig.

    Foto: Oliver Berg
  • Gastronomie:

    Die Gastronomie bleibt weiter geschlossen. Die Test-Option erstreckt sich laut Laumann nicht auf die Gastronomie. Das gebe die Corona-Schutzverordnung nicht her. Er verwies auf weitergehende Öffnungskonzepte, die im Rahmen der geplanten Modellregionen möglich seien.

     

    Foto: dpa
  • Kontaktbeschränkungen:

    Über das Osterwochenende werden die Kontaktbeschränkungen auch in Regionen mit hoher Corona-Inzidenz gelockert. Von Gründonnerstag bis Ostermontag (1. bis 5. April) dürfen sich landesweit unabhängig vom örtlichen Infektionsgeschehen fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, heißt es in der Corona-Schutzverordnung. Kinder bis 14 Jahren werden nicht mitgerechnet. Außer an Ostern gilt aber in Kommunen mit einer Inzidenz über 100, dass sich Menschen aus einem Hausstand nur mit einer weiteren Person im öffentlichen Raum treffen dürfen.

    Foto: dpa
  • Volksfeste:

    Große Festveranstaltungen wie Volksfeste oder Schützenfeste sind in NRW noch bis mindestens 31. Mai verboten. Die Konkretisierung schafft Planungssicherheit für viele Vereine, die sonst im Frühjahr ihre Schützenfeste abgehalten hätten.

    Foto: dpa
  • Sonnenstudios:

    Ab dem 29. März ist der Betrieb von Sonnenstudios in NRW wieder erlaubt. Wie bei anderen körpernahen Dienstleistungen müssen allerdings die Vorgaben der Notbremse beachtet werden. Laumann begründete die Änderung mit entsprechenden Gerichtsurteilen.

    Foto: dpa
  • Schwimmunterricht:

    NRW lässt Schwimmunterricht für Kinder unter Auflagen wieder zu. Ab Montag dürfen Kurse für Schwimm-Anfänger und Kleinkinder wieder stattfinden - allerdings mit höchstens fünf Kindern pro Gruppe.

    Foto: dpa
  • Modellregionen:

    NRW will gemäß Bund-Länder-Beschluss in etwa einem halben Dutzend Modellregionen weitergehende Öffnungen mit strengem Schutz- und Testkonzept erproben.

    Foto: dpa

Um ihre Mini-Jobber machen sich auch Susanne und Thomas Bertram vom Landgasthaus „Zum Kühlen Grunde“ in Milte Sorgen. Studenten zahlen damit ihre Miete, andere möchten sich Geld für größere Anschaffungen an die Seite legen. Mit wie viel Personal wieder gestartet werden kann, ist noch unsicher. Für Familie Bertram steht jedoch fest, dass sie nicht wieder aufmachen, sofern der Kreis Warendorf nur als Modellregion benannt wird. „Wir sind direkt an der Grenze zu Niedersachsen. Wir fürchten wirklich einen Inseleffekt. Uns wäre es in dem Fall einfach zu viel Verantwortung, die wir zu tragen hätten“, erklärt Susanne Bertram die Beweggründe. Die Bertrams zehren von den staatlichen Hilfen und von ihren Ersparnissen. „Die November- und Dezemberhilfen gingen wirklich problemlos und waren zum Glück zügig auf dem Konto“, betont Bertram. Etwas wehmütig schaute das Paar auf den gestrigen Tag. Am 7. April waren die Bertrams seit zehn Jahren im Landgasthaus und wollten groß feiern: Livemusik und Attraktionen standen auf dem Programm. Alles musste abgesagt werden.

Alle Forderungen werden nur wiederholt, ohne nennenswerten Effekt.

Gerd Leve

Absagen musste Gerd Leve, Inhaber des Hotel-Restaurants „Im Engel“, ebenfalls einige Events, beziehungsweise konnte gar nicht erst in die Planungen einsteigen. „Alle Forderungen werden nur wiederholt, ohne nennenswerten Effekt“, ärgert sich Leve. Dass Auslandsreisen erlaubt sind, während er in den Osterferien keine Urlaubsgäste beherbergen darf, kann der Hotelier nicht nachvollziehen. „Es tut mir leid, es gibt einfach kein anderes Vokabular. Ich fühle mich verarscht“, stellt Leve klar. Seiner Ansicht nach hat die gesamte Branche ihre Hausaufgaben gemacht und steht in den Startlöchern. Die immer wieder widersprüchlichen Aussagen aus den Ministerkonferenzen sorgten, so Leve, für große Verwirrung.

Eher genervt als verwirrt ist Benedikt Großfeld. Für ihn ist die Gastronomie im Stufenplan zu weit hinten angesiedelt. „Wir können nicht beweisen, dass wir kein Infektionstreiber sind. Alles andere ist immer vor uns dran. Die Zahlen sind dann so verbockt, dass eine Öffnung nicht infrage kommt“, beschwert sich der „Gleis 64“-Inhaber und hofft darauf, dass der Kreis Warendorf den Zuschlag als Modellregion erhält.

Denn die Gäste seien auch das Bestellen satt und wollten wieder ausgehen. „Aus einer Pappschachtel essen ist nicht das Gleiche. Man zahlt bei uns nicht nur für das Essen, sondern auch für den Service und das Ambiente. Außer-Haus geht das einfach nicht“, erklärt Susanne Bertram.

Alle Unternehmer sind sich jedoch einig, dass es nur Richtung Normalität gehen kann, wenn die Impfgeschwindigkeit deutlich angekurbelt wird. Mit „Freitesten“ ist immer die Angst im Nacken, bei zu hohen Zahlen wieder schließen zu müssen.

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