Jugendliche gegen Abi-Absage
„Wir haben schließlich dafür gelernt“

Ahlen -

95 Schülerinnen und Schüler absolvieren am Städtischen Gymnasium in diesem Jahr ihr Abitur. Dass die Prüfungen stattfinden, ist ihnen wichtig.

Mittwoch, 07.04.2021, 20:00 Uhr
Dominik Mateina,
Dominik Mateina, Foto: Dierk Hartleb

Bei Lauta, Dominik, Julius, Hanna und Julia kann die Lehrergewerkschaft GEW mit ihrem Vorschlag, der Pandemie wegen auf die Abi-Prüfungen in diesem Jahr zu verzichten, nicht punkten. Immerhin kämpfen sie jetzt schon gegen das Vorurteil, ihr Abi unter Corona-Bedingungen sei weniger wert. „Wir haben schließlich dafür gelernt“, fasst Julius Knaup die Argumente seiner Mitschülerinnen und Mitschüler zusammen. Die sind am Mittwochvormittag in den Osterferien eigens ins Städtische Gymnasium gekommen, um dem neugierigen Medienvertreter Rede und Antwort zu stehen. Für das Gespräch hat die stellvertretende Schulleiterin Dr. Anne Giebel den Erdkunderaum ausgewählt, weil der genügend Platz bietet.

Ab Montag noch neun Tage

Und eigentlich sind alle ganz unterm Strich für die Unterbrechung des Ferienalltags ganz froh, denn ansonsten säßen sie weiter zu Hause und lernten. Wenn sie am kommenden Montag – so Schulministerin Gebauer nicht in letzter Minute eine Rolle rückwärts beschließt – wieder zur Schule gehen, sind es genau noch neun Tage. Denn am 23. April wird die erste Klausur geschrieben. Dass der 23. April der Todestag Shakespeares ist, muss für die Englisch-Klausur, die als zuerst geschrieben wird, kein schlechtes Omen sein. Erst einen Tag vorher erfahren die 95 Abiturientinnen und Abiturienten übrigens, ob sie zugelassen sind.

Ich kann mich noch verbessern. Natürlich auch verschlechtern.

Hannah Pichol

Der Abijahrgang 2021 wird derjenige sein, dem bislang die meisten Opfer wegen der Pandemie abverlangt werden. Keine Abschlussfahrt nach Florenz oder London, keine Abi-Feten, um Geld für die große Abschlussfeier in die Kasse zu bekommen, keine Kurstreffen mit den Lehrerinnen und Lehrern, nicht einmal gemeinsames Kochen in der Familienbildungsstätte. Das einzige Trostpflaster war vor Ostern eine Mottowoche, für die Julia Mentrup die imposante Säule auf dem Schulhof gestaltete. Immerhin.

Warum Hannah Pichol auch auf Prüfungen besteht, ist nachvollziehbar: „Ich kann mich noch verbessern. Natürlich auch verschlechtern“, schiebt sie hinterher. Auch wenn das digitale Lernen für die meisten eine Herausforderung bedeutete, fällt das Urteil darüber doch positiv aus. Und ein wenig Stolz schwingt bei der Feststellung mit, dass dieser Abi-Jahrgang anderen zumindest beim Lernen mit einer digitalen Lernplattform und hybriden Unterrichtsformen einiges voraus hat.

Digitales Lernen ist kein Ersatz für Präsenzunterricht.

Dominik Mateina

Dabei sind sie sich bewusst, dass nicht alle in der glücklichen Lage waren, über eigene geeignete Endgeräte zu verfügen. „In diesen Fällen hat die Schule geholfen“, erklärt Dr. Anne Giebel. Vorausgesetzt, sie wurde gefragt.

Trotz alledem: „Digitales Lernen ist kein Ersatz für Präsenzunterricht“, bilanziert Dominik Mateina. Er ist ist sich mit den Kameradinnen und Kameraden einig, dass beim social distancing das Zwischenmenschliche untereinander und auch mit den Lehrenden zu kurz kommt. Deshalb sind alle über die Rückkehr zum Präsenzunterricht seit dem 22. Februar letztlich sehr froh.

Kontakt zu SV-Mitgliedern

Für Laura Abramczyk stellte sich noch ein zusätzliches Problem: Als Schülersprecherin musste sie trotz Corona den Kontakt zu den Mitgliedern des SV aufrecht erhalten. „Wir konnten unter Corona nicht viel machen“, bedauert sie. Immerhin sei es gelungen, eine Ausstellung über die NSU-Mordserie in der Schule zu zeigen. Alle anderen Aktivitäten wie der Kulturabend „Furore“, Kammermusik oder Musicalaufführungen entfielen.

Der Termin der Entlassfeier steht schon fest: der 2. Juli. „Wir werden dazu einen würdigen Rahmen schaffen“, kündigt Anne Giebel an. Und wenn nicht anders möglich, wieder in drei Schichten in der Aula. Möglichst festlich. Aber auf keinen Fall im Autokino.

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