Prozess wegen Drogenbesitz und -handel
Netter Polizist – guter Schnüffler

Lengerich -

Durch Zufall ist die Polizei vor einiger Zeit in Lengerich auf Drogen gestoßen. Ein Beamter hatte verdächtigen Geruch festgestellt, als er einem Mann dessen liegengelassene Kontoauszüge nach Hause brachte. Nun befasst sich das Amtsgericht Tecklenburg mit dem Fall.

Donnerstag, 08.04.2021, 16:54 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 17:31 Uhr
Prozess wegen Drogenbesitz und -handel: Netter Polizist – guter Schnüffler
Foto: dpa

Eigentlich wollte der Polizeibeamte nur nett sein, als er einem Mann einen liegengelassenen Briefumschlag mit Kontoauszügen zurückbringen wollte. Doch im Hausflur des jetzt vor dem Amtsgericht Tecklenburg angeklagten Lengerichers erschnüffelte der erfahrene Beamte einen typischen Drogengeruch.

Die zur Verstärkung angerückten Kollegen stellten dann fast 50 Gramm Cannabis, sauber verpackt in Portionen zu je einem Gramm, sicher. Bei einem Mitbewohner wurde darüber hinaus 1500 Euro Bargeld in kleinen Scheinen in einer Zigarettenschachtel gefunden.

Die Staatsanwaltschaft hatte die beiden Männer wegen Drogenbesitz in nicht geringer Menge und Drogenhandel angeklagt. Der Beginn des Verfahrens verzögerte sich, da einer der Angeklagten nicht zur Verhandlung erschienen war. Die vom Vorsitzenden Richter sofort angeordnete Vorführung des Mannes scheiterte, sodass entschieden wurde, sein Verfahren abzutrennen. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen den Mann einen Haftbefehl.

Der zweite Angeklagte erklärte sich demgegenüber bereit zur Sache auszusagen. Den Besitz der Drogen räumte der 25-jährige Lengericher ein, gab aber an, die Drogen lediglich zum Eigenkonsumbeschafft zuhaben. „Ja ich habe den Pot gekauft.“ Zur Beschaffung wollte der Mann aber keine weiteren Angaben machen.

Auf alle bohrenden Fragen des Richters und des Staatsanwalts hatte der Mann eine plausible Erklärung. Die größere Menge habe man nur wegen des „Mengenrabatts“ gekauft, man habe Geld sparen wollen. Sein Kumpel und er hätten die Drogen nur portioniert, um den eigenen Konsum besser kontrollieren zu können: „Ein Tütchen pro Tag – so hatten wir den Überblick.“ Warum die Drogen im Flur der Wohnung gemeinsam gelagert worden waren und nicht jeder seinen Anteil für sich in seinem Zimmer hatte? Kein Problem, man habe sich vertraut – Treu und Glaube unter Drogenabhängigen. Die 1500 Euro, die bei dem Angeklagten gefunden wurden? Ein Geschenk des Vaters – für ein neues Smartphone – die zwei iPhones, die bei dem Angeklagten sichergestellt worden waren, seien schließlich kaputt gewesen.

Da die beiden als Zeugen geladenen Beamten sich zwei Jahre nach den Vorfällen nicht mehr an Einzelheiten der Durchsuchung erinnern konnten, sah es der Vorsitzende Richter für notwendig an, weitere Zeugen zu laden. Darunter der – jetzt mit Haftbefehl gesuchte – bisherige Mitangeklagte und der Vater des Angeklagten, um unter anderem mehr über die Herkunft des sichergestellten Geldes in Erfahrung zu bringen. Die Verhandlung soll Mitte April fortgesetzt werden.

Nachrichten-Ticker