Amtsgericht verurteilt Berufskraftfahrer
Riskantes Überholmanöver

Tecklenburg -

Einen überholenden Pkw zu überholen, ist riskant. Zum Glück wurde dabei nur ein Außenspiegel eingebüßt. Trotzdem hatte der Vorfall ein ernstes Nachspiel vor Gericht.

Freitag, 09.04.2021, 18:19 Uhr
Ein Autofahrer musste sich vor Gericht verantworten.
Ein Autofahrer musste sich vor Gericht verantworten. Foto: dpa

Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. So steht es im Paragraf 142 des Strafgesetzbuches. Diesem Tatvorwurf sah sich am Mittwoch ein 24-jähriger Berufskraftfahrer aus Münster ausgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, in den frühen Abendstunden des 4. Juni 2020 auf der Straße Im Bocketal einen Unfall verursacht zu haben. Anstatt anzuhalten, sei der Mann – wie der als Zeuge vernommene Geschädigte berichtete – mit hoher Geschwindigkeit und ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer in Richtung Autobahnauffahrt Laggenbeck geflüchtet.

Seitliche Kollision

Äußerst präzise und sachlich schilderte der Zeuge den Unfallhergang. Während er einen langsam fahrenden Lkw überholt habe, sei der Angeklagte mit hoher Geschwindigkeit angerast gekommen und hätte versucht, die beiden nebeneinander fahrenden Fahrzeuge zu überholen. Dabei sei es zu der seitlichen Kollision gekommen, bei der er seinen Außenspiegel eingebüßt habe. Danach habe der Beschuldigte weiter Gas gegeben und trotz mehrfacher Aufforderung (Lichthupe) nicht angehalten.

Da der Zeuge das Kennzeichen benennen und das Fahrzeug beschreiben konnte, gelang es der sofort alarmierten Polizei, den Raser zu ermitteln. Laut Sachverständigengutachten entstand am Fahrzeug des Geschädigten ein Schaden von 5000 Euro.

5000 Euro Schaden

Der Unfallverursacher, der zur Tatzeit mit einem VW-Golf älterer Bauart unterwegs gewesen sein soll, ließ durch seinen Anwalt eine gänzlich andere Version des Vorfalls schildern. Der Geschädigte sei während seines eigenen Überholmanövers plötzlich ausgeschert. Dabei sei er zur Vermeidung eines Unfalls mit seinem Golf auf den linken Grünstreifen ausgewichen, die Fahrzeuge hätten sich nicht berührt, auch deshalb habe er die Fahrt fortgesetzt.

Im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme verstrickte sich der Mann mehrfach in Widersprüche. So konnte er nicht plausibel erklären, warum er zunächst weitergefahren sei, später aber angehalten haben will, um etwaige Schäden an seinem Wagen zu begutachten. „Warum haben Sie Ihr Auto auf Schäden untersucht, wenn es – laut Ihrer Aussage – keine Berührung gegeben hat“, fragte ihn der Vorsitzende Richter.

Am Ende hielt das Gericht die Aussagen des Geschädigten für glaubhafter, zumal das beschädigte Fahrzeug während einer Begehung auf dem Parkplatz des Amtsgerichts Tecklenburg besichtigt werden konnte.

Der zur Zeit arbeitslose Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Schmerzhafter dürfte den Berufskraftfahrer aber der Entzug der Fahrerlaubnis treffen und eine damit einhergehende einjährige Sperre zum Führen von Kraftfahrzeugen.

Nachrichten-Ticker