Auseinandersetzung in Asylbewerberunterkunft vor Gericht
Streit über Lautstärke eskaliert

Ladbergen -

Wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung wurde ein 50-Jähriger zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt.

Sonntag, 11.04.2021, 16:57 Uhr aktualisiert: 11.04.2021, 17:00 Uhr
Das Amtsgericht Tecklenburg hat den Angeklagten zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt.
Das Amtsgericht Tecklenburg hat den Angeklagten zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt. Foto: dpa

Der Streit um ein lautes Telefonat am Morgen des 17. Juni 2020 eskalierte später am Tag zunächst in einer verbalen Auseinandersetzung, um dann in einer handfesten körperlichen zu münden. Dabei sollen – so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage – ein Wasserkocher und das Rohr eines Staubsaugers als Waffe benutzt worden sein.

Angeklagt vor dem Amtsgericht in Tecklenburg war ein syrischer Staatsbürger aus Ladbergen. Neben gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung wurde dem 50-jährigen vorgeworfen, den Geschädigten mit dem Tode bedroht zu haben, ein Verbrechen, das mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden kann.

Ständige Übersetzungen

Da der mutmaßliche Täter, der Geschädigte und die Zeugen für ihre Aussagen einen Dolmetscher benötigten und der Richter sorgsam darauf achtete, dass das Verfahren ordentlich ablief, zog sich die Beweisaufnahme aufgrund der ständigen Übersetzungen in die Länge. Der Angeklagte schilderte zunächst seine Sicht der Vorgänge. Dabei bestritt er, den Geschädigten mit dem Staubsaugerrohr oder dem Wasserkocher geschlagen zu haben, auch an eine ernst gemeinte Todesdrohung konnte er sich nicht erinnern. Einen verbalen Streit und gegenseitige Schläge gab er allerdings zu. Er habe sich darüber aufgeregt, dass der Mann so laut telefoniert habe, während er, von der Nachtschicht kommend, habe schlafen wollen.

Zeugen schlichten den Streit

Die Aussagen des 24-jährigen Geschädigten und der beiden Zeugen, die den Streit geschlichtet und dadurch wohl Schlimmeres verhindert hatten, stützten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Über die „goldene Brücke“ des Richters, doch nach den übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten die eigene Aussage noch einmal zu überdenken, um eine Einstellung des Verfahrens gegen eine geringe Geldbuße zu erreichen, mochte der Angeklagte nicht gehen. Er blieb bei seiner Darstellung der Ereignisse und wurde deshalb auch verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Tatbestände der gefährlicher Körperverletzung und versuchten gefährlichen Körperverletzung erfüllt seien. Vom Vorwurf der Bedrohung sprach das Gericht den Angeklagten frei. Eine tatsächliche Todesdrohung sei nicht erwiesen, vielmehr ging das Gericht davon aus, dass die Äußerungen situationsbedingt aus der Erregung heraus gefallen seien und kulturellen Gepflogenheiten entsprechen könnten. Am Ende sah das Gericht eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu zehn Euro als Schuld und der Tat angemessen an. Strafmildernd wertete es die Entschuldigung des Angeklagten in seinem letzten Wort, seine bisherige Unbescholtenheit und die Versöhnung mit dem Geschädigten, der seine Anzeige in der Zwischenzeit bereits zurückgezogen hatte.

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