Polizei leitet 61 Anzeigen ein
Parkplatz wird zur illegalen Partyzone

Everswinkel -

So etwas hat selbst die Polizei bislang noch nicht erlebt. Der Parkplatz des Vitus-Bades ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu einem Schauplatz einer ausufernden Corona-Party geworden. Die Dimension sprengte alle bislang bekannten Fälle im Kreis Warendorf.

Montag, 12.04.2021, 17:08 Uhr
Voller Parkplatz am Vitus-Bad. Das Bild kennt man in normalen Zeiten aus dem Sommer. Samstagnacht war die Fläche ähnlich gefüllt und Treffpunkt einer illegalen Corona-Party
Voller Parkplatz am Vitus-Bad. Das Bild kennt man in normalen Zeiten aus dem Sommer. Samstagnacht war die Fläche ähnlich gefüllt und Treffpunkt einer illegalen Corona-Party Foto: Klaus Meyer

„Das haben wir so noch nicht gehabt“, stellt die Sprecherin der Kreispolizei, Polizeihauptkommissarin Susanne Dirkorte-Kukuk, gegenüber den WN fest. Einem Passanten war das lebhafte Treiben auf dem Parkplatz des Freizeitbades am Ortsrand des Vitus-Dorfes gegen 1.15 Uhr am Sonntagmorgen aufgefallen, und er alarmierte die Polizei. Die rückte mit mehreren Streifenwagen aus. Denn: „Die Rede war von 70 Fahrzeugen, was sich dann vor Ort nicht so herausgestellt hat. Da können wir dann nicht nur mit einem Wagen herausfahren“, erläutert Dirkorte-Kukuk. Letztendlich waren es 30 Fahrzeuge und zahlreiche junge Erwachsene, die in Gruppen zusammenstanden, ohne Abstände und ohne Masken. Die Polizei riegelte das Gelände daraufhin ab und stellte die Personalien fest.

Das hier ist schon eine etwas andere Dimension.

Polizei-Pressesprecherin Susanne Dirkorte-Kukuk

Die Teilnehmer der illegalen Open-Air-Party hatten sich im Vorfeld über die sozialen Medien gezielt verabredet und waren – so zeigten es auch die Pkw-Kennzeichen – unter anderem aus Münster sowie den Kreisen Ahaus, Steinfurt, Borken, Lüdinghausen und Leer angereist. Die Polizei habe es schon öfter mit kleineren Gruppen zu tun gehabt, die während der Pandemie zu Treffen zusammengekommen seien – aber das seien lokale Gruppen gewesen, in der Regel Jugendliche und junge Erwachsene, die dann auch Alkohol trinken. Auch im vergangenen Jahr, als die Corona-Pandemie aufkam, habe es schon Gruppentreffen gegeben. Aber mit Blick auf das Everswinkeler Treffen stellt die Polizeihauptkommissarin fest, „das hier ist schon eine etwas andere Dimension“.

Nachdem die Polizeibeamten die Personalien der Teilnehmer festgestellt und Platzverweise ausgesprochen hatten, wurden gegen 61 Personen Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen des Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung eingeleitet. Sie müssen nun mit empfindlichen Bußgeldern rechnen, über deren Höhe die Gemeinde als Ordnungsbehörde entscheiden wird.

Martin Welzel vom Ordnungsamt, der das offensichtlich verabredete Treffen als „Hammer“ bezeichnet, verweist zwar darauf, dass man sich jeden einzelnen Fall anschauen müsse, welche Tatbestände festgestellt worden seien, aber für überraschende Wendungen spricht nicht viel. „Teilnahme an einer Party oder vergleichbaren Feier“ sowie das „Zusammentreffen im öffentlichen Raum mit anderen Personen als den Angehörigen des eigenen Hausstands“ scheinen unbestreitbar. „250 Euro Bußgeld können da schon das Maß sein“, blickt er in den Bußgeld-Katalog zur Corona-Schutzverordnung. Und im Wiederholungsfall „kann man auch über den Regelsatz gehen“.

Einsicht und Lerneffekt stellten sich bei einigen Teilnehmern der illegalen Sause indes nicht ein. Frei nach dem Motto, „die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Durst“, ging‘s weiter zu einem weiteren Treffen auf dem Warendorfer Lohwall. Dort griff die Polizei ebenfalls ein und leitete Anzeigen gegen 19 Teilnehmer ein.

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