Steigende Holzpreise
„Eine sehr bedrohliche Blase“

Steinfurt/Horstmar/Nordwalde -

„Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass die Holzpreise steigen werden, habe ich noch gelacht“, sagt Hubert Hermes, Geschäftsführer der Firma HPR Holzideen. Das Lachen ist Hermes mittlerweile vergangen. „Die Situation ist dramatisch“, sagt er. Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.

Sonntag, 18.04.2021, 13:32 Uhr aktualisiert: 18.04.2021, 16:33 Uhr
Holz ist derzeit so teuer wie nie zuvor. Das liegt zum einen am Bauboom, aber auch an der großen Nachfrage aus dem Ausland.
Holz ist derzeit so teuer wie nie zuvor. Das liegt zum einen am Bauboom, aber auch an der großen Nachfrage aus dem Ausland. Foto: Jan Woitas (dpa)

Die Preise stiegen täglich, das sei eine total ungesunde Entwicklung, ist der HPR-Geschäftsführer überzeugt. Der Markt sei zurzeit leergefegt. Teilweise würden bestehende Verträge gekündigt. Zu kaufen sei Holz oft nur noch zu tagesaktuellen Preisen mit einem Preisanstieg von bis zu 100 Prozent. Holz sei bisher immer recht günstig gewesen, dass es irgendwann einmal teuerer werde, damit sei zu rechnen gewesen. Aber nicht damit, was jetzt passiere. Das sei eine Marktanpassung, die weit über das Ziel hinausgehe.

Sägewerke verkauften das Holz derzeit vorwiegend in großen Mengen nach China und in die USA, erklärt Hermes. Das fehle dann auf den hiesigen Markt. Gleichzeitig habe der Bauboom die Nachfrage nach Holz vergrößert, sagt Markus Beckmann, Vertriebsleiter bei der Firma Holzland Waterkamp. Vor allem Handwerksbetriebe, die an Ausschreibungen gebunden sind, litten unter der Situation, weil sie ihre zuvor kalkulierten Preise nicht halten könnten. Eine Dachlatte sei derzeit drei bis vier mal so teuer wie in früheren Zeiten. Das werde für einige langsam gefährlich.

Wartezeiten bis ins dritte Quartal

Auch können zugesagte Mengen nicht problemlos geliefert werden. „Wir versuchen unsere Partner, mit denen wir sei vielen Jahren gut zusammenarbeiten, so gut wie möglich zu bedienen“, erklärt Beckmann. Dafür müsste Neukunden auch schon einmal eine Absage erteilt werden. So etwas sei sein Unternehmen bisher nicht gewohnt.

Ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht.

Markus Beckmann, Vertriebsleiter bei der Firma Holzland Waterkamp

Bei einigen Holzsorten gebe es Wartezeiten von 15 bis 20 Wochen bis in das dritte Quartal diese Jahres. Vor allem bei den Nadelhölzern wie Fichte und Kiefer gebe es diese Knappheit, Douglasie sei überhaupt nicht mehr zu bekommen. „Ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht“, erklärt Beckmann. Das Ganze habe sich zu einer „sehr bedrohlichen Blase“ entwickelt, ist Beckmann überzeugt. Auch Hermes berichtet, dass es so etwas bisher noch nicht gegeben hat. Trotz guter Auftragslage beständen wirtschaftliche Sorgen. Theresa Niehoff aus der Marketingabteilung der Firma Holzland Waterkamp bestätigt, dass die Preise insgesamt kaum zu kalkulieren seien. „Wir bekommen keine festen Zusagen mehr von den Herstellern.“

Holz-Preise verdoppelt

Auch Alfred Spinne vom gleichnamigen Borghorster Dachdecker-Unternehmen sorgt sich angesichts der Entwicklung der Preise. Anfang des Jahres habe eine Dachlatte noch 42 Cent gekostet, derzeit liege der Preis bei über einem Euro. Insgesamt habe sich der Preis für Holz fast verdoppelt und er steige täglich.

„Wenn wir freitags nach Preisen fragen, gelten die oft montags schon nicht mehr.“ Angebote könne Spinne nur noch zu tagesaktuellen Preisen schreiben, im Vorfeld sei ein Auftrag kaum noch zu kalkulieren. Und selbst zu hohen Preisen sei nicht immer garantiert, dass das Holz auch zu bekommen sei. Die Lager seien immer öfter leer. „Lustig ist das nicht mehr und ein Ende nicht absehbar.“

Sägewerke profitieren

Des einen Leid, des anderen Freud‘? Holzproduzenten müsste in diesen Zeiten nun eigentlich zum Jubeln sein. „Ist es aber nicht“, stellt Henning Buss, Forstbetriebsleiter von der Fürst zu Bentheimschen Domänenkammer fest. Das Allzeittief aus den vergangenen Jahren mit der Trockenheit und dem Sturm Friederike sei noch längst nicht wieder aufgeholt.

Gewinner der derzeitigen Situation seien ganz eindeutig die Sägewerke, die lukrative Großaufträge für das Ausland abarbeiten. An die Waldbesitzer seien die Preise noch nicht weitergegeben worden.

Waldbesitzer haben „gerade einmal die Erntekosten erhalten“

In den vergangenen Jahren sei viel Kalamitätsholz, also schadhaftes Holz, das aufgrund des Borkenkäfer-Befalls, der Trockenheit oder nach Stürmen verkauft werden musste, auf den Markt gebracht worden. „Dafür haben wir gerade einmal die Erntekosten erhalten“, berichtet Buss. Er hofft, dass sich das auf Dauer ändert, und auch den Produzenten höhere Preise gezahlt werden.

Invasion der Borkenkäfer

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  • Die Spur der Baumstämme. Nach dem Sturm im Frühjahr folgte die Invasion der Bokenkäfer.

    Foto: Jürgen Christ
  • Transporter eines Sägewerkes.

    Foto: Jürgen Christ
  • Grün und klein keimt die Hoffnung im Wald. Nach dem Sturm im Frühjahr folgte die Invasion der Bokenkäfer. Fläche, die sich schon auf natürlichen Wege erholt hat.

    Foto: Jürgen Christ
  • Revierförster Jan-Dirk Hubbert, zeigt eine Fläche, die sich schon auf natürlichen Wege erholt hat.

    Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ
  • Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Forstamtes des Kreises Steinfurt, zeigt auf die Behausung eines Waldunterstützers dem Specht.

    Foto: Jürgen Christ
  • Für den Laien auf den ersten Blick nicht sichtbar, für den Forstprofi eine klare Sache: Befallene Bäume von unten.

    Foto: Jürgen Christ
  • Revierförster Jan-Dirk Hubbert kontrolliert einen befallenen Baum. 

    Foto: Jürgen Christ
  • Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Forstamtes des Kreises Steinfurt,(rechts) und Revierförster Jan-Dirk Hubbert demonstrieren die Vermaßung eines Polters.

    Foto: Jürgen Christ
  • Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Forstamtes des Kreises Steinfurt (rechts) und Revierförster Jan-Dirk Hubbert, demonstrieren die Vermaßung eines Polters.

    Foto: Jürgen Christ
  • Bis zu 10000 Borkenkäfer pro Baum: Heinz-Peter Hochhäuser hält das Werk der kleinen Käfer in die Kamera des WN-Fotografen. 

    Foto: Jürgen Christ
  • Radfahrer und ein großer Polter wartet auf den Abtransport ins Sägewerk. 

    Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ
  • Foto: Jürgen Christ

Holzproduzenten hätten in den vergangenen Jahre große Verluste gemacht. „Es gab einfach zu viel Holz.“ Von einer Holzknappheit will Buss übrigens nicht sprechen. Es werde in Deutschland immer noch weniger Holz genutzt als nachwachse. Nun aber alles auf den Markt zu geben, sei aus Sicht der Forstbetriebe auch nicht sinnvoll. Dafür müssten die Preise sich erst wieder in einem angemessen Rahmen bewegen.

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