Corona-Lockerungen
Kreis Coesfeld: Modellprojekt zu Rehasport gestartet

Havixbeck (dpa/lnw) - Der Kreis Coesfeld ist in Nordrhein-Westfalen wie das gallische Dorf in den Asterix-Heften. In der Corona-Pandemie werden hier erste vorsichtige Öffnungen gewagt. Den Auftakt macht ein Fitness- und Rehastudio.

Montag, 03.05.2021, 10:39 Uhr aktualisiert: 03.05.2021, 10:53 Uhr
«Kreisstadt Coesfeld» steht auf dem Ortsschild.
Maxime Mendes desinfiziert im Sportklub Havixbeck nach der Nutzung ihr Fitnessgerät. Foto: Guido Kirchner/dpa

Mit der Öffnung eines Fitness- und Rehastudios in Havixbeck ist der Kreis Coesfeld am Montag als Modellregion in der Corona-Krise in das Projekt gestartet. Mit der vorsichtigen Öffnung vereinzelter Angebote in der Kultur, von Freibädern oder im Reitsport soll in Absprache mit dem Land Nordrhein-Westfalen ein digital gestütztes Pandemie-Management erprobt werden. Voraussetzungen der Teilnehmer sind Anmeldungen und negative Coronatests. „Im Fokus stehen digitale Lösungen, die erprobt und weiterentwickelt werden sollen. Ziel ist eine zügige, möglichst medienbruchfreie Kontaktnachverfolgung, sollte es zu einer Infektion kommen“, hatte Landrat Christian Schulze Pellengahr (CDU) zum Start gesagt.

In das Fitness- und Rehastudio „Der Sportklub“ in Havixbeck kamen am Morgen direkt nach der Öffnung mehr als zehn Mitglieder, um zu trainieren. Sie alle hatten sich zuvor angemeldet und konnten den verpflichtenden negativen Corona-Schnelltest vorweisen. Nach Angaben des Betreibers dürfen sich im Rahmen des Modellprojektes 35 Personen gleichzeitig anmelden und mit der Luca-App einloggen.

Vericht auf Öffnung der Außengastronomie

In den kommenden Tagen und Wochen sollen Kulturveranstaltungen, vereinzelt geöffnete Freibäder und Reitsport ermöglicht werden. Bewusst verzichtet hatte der Kreis in Absprache mit den Kommunen auf die Öffnung der Außengastronomie . „Wir wissen, dass sich viele Menschen nach weiteren Öffnungen auch im Bereich der Gastronomie sehnen, und auch die Gastronomen eine klare Perspektive benötigen. Wir haben uns dennoch gemeinsam dazu entschieden, diesen Bereich noch nicht zu öffnen“, sagten Landrat Schulze Pellengahr und Bürgermeistersprecher Wilhelm Sendermann laut Mitteilung.

Die schrittweise Öffnung der Außengastronomie bleibe aber weiter im Fokus des Kreises Coesfeld und der Städte und Gemeinden. Der Kreis stecke in einer Arbeitsgruppe die Bedingungen ab. Erste kleinteilige Schritte der Öffnung der Außengastronomie seien in den nächsten Wochen möglich. „Dabei sollen auch schon erste praktische Erkenntnisse aus den übrigen Modellprojekten mit in die Überlegungen zur Gastronomieöffnung einfließen“, teilte der Kreis mit.

Zahlreiche Kommunen hatten sich beim Land beworben, um bei den Modellprojekten mitzumachen. 14 wurden ausgesucht. Doch durch das hohe Infektionsgeschehen verzögert sich der Start fast überall. Über einer Inzidenz von 100 dürfen die Modellkommunen nicht beginnen. In Coesfeld lag der Wert am Montag bei 81,1.

Was sich mit der Bundes-Notbremse in NRW ändert

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  • Die bundesweite Corona-Notbremse bringt auch für die Bürger in Nordrhein-Westfalen zusätzliche Einschränkungen mit sich. Ab Samstag greift sie. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erläuterte am Freitag in Düsseldorf wesentliche Unterschiede zu den bisherigen Vorschriften in NRW:

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  • KITA:

    Für die meisten Kitas zeichnet sich bereits in der kommenden Woche ein eingeschränktes Angebot ab. Die Bundes-Notbremse verlangt den Übergang in die Notbetreuung ab einer Neuinfektionsrate von 165 gerechnet auf 100 000 Einwohner und sieben Tage. Am Freitag lagen schon 28 der 53 Kommunen in NRW - und damit mehr als die Hälfte - über dieser Marke. Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder nicht anders sicherstellen können und die Notbetreuung deshalb in Anspruch nehmen wollen, müssen zuvor eine schriftliche Erklärung abgeben. Anders als in manchen anderen Bundesländern ist das in NRW aber nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt.

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  • SCHULE ZU:

    Im Schulbetrieb greift das neue Infektionsschutzgesetz ab Montag. Bei einer Wocheninzidenz von 165 ist Unterricht im Klassenzimmer untersagt. Und zwar dann, wenn dieser Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen vom  Robert Koch-Institut  (RKI) gemeldet wurde. «Die Notbremse tritt dann am übernächsten Tag in Kraft», erläuterte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in einer Mitteilung. Die 165 bezieht sich auf einen gesamten Kreis oder eine kreisfreie Stadt. Eine Ausnahme gilt für Abschlussklassen und Förderschulen. Alle Abschlussprüfungen können planmäßig im Präsenzbetrieb abgenommen werden. Zudem werde pädagogische Notbetreuung eingerichtet.

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  • SCHULE AUF:

    Fällt die Inzidenz wieder stabil unter 165, so kehren die Schulen in den Wechselmodus aus Präsenz- und Distanzlernen zurück - und zwar «am ersten Montag nach der entsprechenden Feststellung» durch das NRW-Gesundheitsministerium. Bisher hatte für die Schulen landesweit als Grenzwert eine Wocheninzidenz von 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen gegolten.

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  • AUSGANGSSPERREN:

    Die Ausgangsbeschränkungen gelten ab 0.00 Uhr in der Nacht zum Samstag in Kreisen und Städten, die drei Tage lang eine Wocheninzidenz über 100 aufweisen, automatisch. Zwischen 22.00 und 5.00 Uhr darf man die eigene Wohnung oder das eigene Grundstück dort grundsätzlich nicht mehr verlassen. Ausnahmen begründen die «Abwendung einer Gefahr für Leib, Leben oder Eigentum» wie etwa gesundheitliche Notfälle bei Mensch und Tier oder dringende medizinische Behandlungen. Bewegung an frischer Luft soll bis Mitternacht erlaubt bleiben, allerdings nur alleine und nicht in Sportanlagen. Gegen die Ausgangssperre sind bereits zahlreiche Verfassungsbeschwerden eingegangen.

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  • BERUFSTÄTIGE:

    Ausgenommen sind Ausgänge während der Sperrstunden etwa aus beruflichen Gründen. Auf die Frage nach Beweisdokumenten erklärte das NRW-Gesundheitsministerium, es sei «empfehlenswert, etwas Entsprechendes dabei zu haben». Es sei aber auch ausreichend, «hinreichend glaubhaft zu machen, dass man von der Arbeit kommt».

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  • KONTROLLEN:

    Die neuen Einschränkungen erforderten «ein vernünftiges Maß an Kontrollen», damit diejenigen, die sich an die Regeln hielten, «nicht die Dummen sind», sagte Laumann. Polizei und Innenministerium hielten das «im Auge».

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  • KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN:

    Es darf sich höchstens ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Kinder bis 14 Jahre zählen nicht mit. Dies ist in NRW eine Verschlechterung. Bislang durfte sich hier ein Haushalt mit bis zu fünf weiteren Personen treffen. Für Zusammenkünfte von Ehe- und Lebenspartnern oder zur Wahrnehmung des Sorge- und Umgangsrechts gilt die Kontaktbeschränkung nicht. Bei Trauerfeiern nach Todesfällen dürfen bis zu 30 Personen zusammenkommen.

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  • PRIVATSPHÄRE:

    Die verschärften Kontaktbeschränkungen gelten auch in den eigenen vier Wänden. Im privaten Bereich seien in NRW aber weiterhin keine großflächigen Kontrollen zu befürchten, sagte Laumann. «Ich glaube jetzt nicht, dass wir in Nordrhein-Westfalen in großem Umfange Sonderaktionen machen werden, zu klingeln und zu zählen, wie viele Leute in der Wohnung sind.»

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  • LÄDEN:

    Prinzipiell dürfen Geschäfte Kunden nur noch empfangen, wenn diese einen negativen Corona-Test vorlegen und einen Termin gebucht haben. Ab einer Inzidenz von 150 soll nur noch das Abholen bestellter Waren möglich sein. Die 150er Begrenzung gab es bislang in NRW nicht. Ausgenommen von Schließungen oder starken Beschränkungen bleiben weiterhin der Lebensmittelhandel, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörakustiker, Tankstellen, Zeitungsverkäufer, Buchhandlungen, Blumenläden, Tierbedarfs- und Futtermittelmärkte, Gartenmärkte und der Großhandel. Diese dürfen aber nur das übliche Sortiment verkaufen. Die zulässige Kundenanzahl ist an die Verkaufsfläche gebunden. In geschlossenen Räumen müssen Kunden eine Maske auf FFP2-Niveau oder eine medizinische Maske tragen.

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  • SPORT:

    In Regionen ab 100er Inzidenz bleibt nur kontaktloser Individualsport erlaubt, den man allein, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands ausüben kann. Für Berufs- und Leistungssportler gibt es Ausnahmen. Für Kinder im Alter bis 14 Jahren soll Sport in Gruppen weiter möglich sein. Anders als es die Bundes-Notbremse erlauben würde, will NRW weiterhin nur Sport draußen zulassen.

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