Das 13. Jazzfest im April 2001
Neue Assoziationen mit dem Namen Gronau

Gronau -

Das 13. Jazzfest fand vom 23. bis 29. April 2001 statt.

Dienstag, 04.05.2021, 16:52 Uhr
Die Soulful Swinging Singers
Die Soulful Swinging Singers Foto: AK Jazzfest

Im Jahr 2001 hatte sich das Jazzfest längst etabliert, war aus dem alljährlichen Veranstaltungskalender der Stadt überhaupt nicht mehr wegzudenken. Doch im Verlauf der Zeit wurde die Zielrichtung des Festivals neu justiert. In den ersten Jahren war es ein Ereignis, das die Bewohner der Stadt aus dem durch die miserable Wirtschaftslage verursachten Stimmungstief herausholte. Doch das Fest hatte auch eine starke Außenwirkung – verbesserte das ramponierte Image der Stadt in der Region. Immer häufiger wurde mittlerweile der Name Gronau mit Jazzfest assoziiert – auch weit über die Region hinaus.

Ramponiertes Image verbessert

Theo Eimann als einer der Programmmacher war inzwischen aus dem Organisationsteam ausgeschieden. Otto Lohle richtete das musikalische Programm kommerzieller aus als vorher – auch mit dem Blick darauf, Gronaus Image als Musikstadt zu fördern.

Was immer noch nicht ins Bild passte, waren die Spielstätten. Das Jazzzelt blieb ein Provisorium, das den technischen und organisatorischen Anforderungen immer weniger genügte. Doch es zeichnete sich ein Silberstreif am Horizont ab: Es war nun bekannt, dass die Landesgartenschau 2003 in Gronau ausgetragen werden sollte – und in dem Rahmen würde sich die Stadt eine neue Veranstaltungshalle gönnen. Elmar Hoff achtete schon im Vorfeld darauf, dass die Planungen auch die Anforderungen sowohl für hochklassige Konzerte als auch für Massenveranstaltungen mit Party-Charakter erfüllen würde.

„Hörkonzerte“ in der Aula

Aber so weit war es Ende April 2001 noch nicht, als Jazzfest Nummer 13 die Stadt swingen ließ. Für die „Hörkonzerte“ stand wieder die Aula des Schulzentrums zur Verfügung. Dort gab es am 25. April ein Spitzentreffen der tiefen Töne: Die Bassisten Ray Brown und Charlie Haden traten mit ihren Formationen auf.

Haden traf auf sein Idol: Er hatte als 14-Jähriger den zwölf Jahre älteren Brown auf dem Bass spielen hören. „Diese Nacht hat mein Leben verändert. Ich wollte auch Jazzmusiker werden“, erzählte er dem Publikum.

Ray Brown war nun aber auch einer der Großen des Jazz, nicht etwa, weil er zeitweise mit Ella Fitzgerald verheiratet war; vielmehr hatte er dem Bassspiel eine neue inhaltliche Tiefe vermittelt, weg von der rein begleitenden Funktion zum eigenständigen Instrument. Brown ließ auch in Gronau sein Instrument singen, säuseln, fisteln, röhren und seufzen.

Hadens Tonbildung an dem Abend war lyrischer. Er und seine Mitstreiter sorgten für einen kammermusikalischen Hochgenuss.

Bassisten-Gipfel und stampfender Funk

Ganz anders ging es da beim Funk-Saxofonisten Hans Dulfer zu. Der Papa von Candie Dulfer, die ihren Auftritt krankheitsbedingt hatte absagen müssen, ließ das Jazzzelt erbeben. Urgewaltiger Funk, der atemberaubend war. Mit-Saxofonist Pee Wee Ellis brachte einen warmen Ton in das Klanggewitter.

Obwohl auch Organistin Barbara Dennerlein ihr „funkisches Notenbüchlein“ dabeihatte, lagen zwischen ihrem und Dulfers Auftritt Welten. Der vibrierende, schwellende Sound der Hammond-Orgel stand im Mittelpunkt.

Mit fünf Mark dabei war man bei den Konzerten am Freitagabend in den Kneipen und auf der Straße, kostenlose Unterhaltung gab es am Wochenende in der Innenstadt.

Der Swingabend am Samstag brachte die Cotton Club Band, die „Echoes of Swing“ und Johnny Ferreira mit seiner „Swing Machine“ auf die Bühne. Beim Frühschoppen im Zelt freute sich Captain Jazz Theo Eimann über den großen Zuspruch. Oscar Klein lobte das Publikum für die mitreißende Stimmung, und die Carling Family ließ das Zelt in musikalische Turbulenzen geraten . . .  

Inspirierter Gospelchor

Die Soulful Swinging Singers – Gronaus erster Gospelchor – meldeten sich nach einem inspirierenden Besuch bei ihren Freunden in New Orleans zurück. In Louisiana hatten sie neue Stücke einstudiert und hatten Konzerte und Gottesdienste mitgestaltet. In Gronau mit dabei war T.C. Hawkins und seine Band. Er hatte ein Stück komponiert, das in der Ev. Stadtkirche uraufgeführt wurde.

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