Das zehnte Jazzfest im Jahre 1998
Blues mit B.B. King

Gronau -

Die zehnte Auflage des Jazzfests Gronau fand vom 19. bis 26. April 1998 statt.

Dienstag, 04.05.2021, 16:52 Uhr
B.B. King und Otto Lohle
B.B. King und Otto Lohle Foto: AK Jazzfest

 

Ein Musiker von Format – das war B.B. King. Ein Gitarrist und Sänger, der wie wenige andere den Blues verkörperte. Er war 1998 beim zehnten Jazzfest Gronau der Stargast. Allerdings spielte er nicht zum ersten Mal in der Grenzstadt: Schon 1990 hatte er ein umjubeltes Konzert in der Aula des Gymnasiums gegeben.

King war bei seinem Jazzfest-Konzert bereits 72 Jahre alt, nicht mehr so gut zu Fuß – aber auf der Bühne hatte er eine unglaubliche Ausstrahlung. Dabei ruhte er in sich und war menschlich völlig unkompliziert, wie sich Jazzfest-Macher Otto Lohle erinnert. Das Jazzfest-Konzert fand im Zelt an der Bahnhofstraße statt – die Garderobe des Künstlers befand sich aber im IZG. Für den kurzen Weg zur Bühne verlangte der Manager des Künstlers eine Limousine – doch B.B. King kümmerte sich nicht darum: Er marschierte am Arm von Otto Lohle über Planken durch den Matsch in den Backstagebereich. Und legte dann mit seinem Orchester vor einem 2000-köpfigen Publikum ein unvergleichliches Konzert hin.

Viele niederländische Aktive

1998 traten erneut viele niederländische Aktive in Gronau auf. Sängerin Greetje Kauffeld etwa, die von Dim Kesber und seinen Friends begleitet wurde, die ehemals Mitglieder der Dutch Swing College Band waren.

Dann gab es da den Auftritt des Willem Breuker Kollektiefs. Auch diese verrückte holländische Band gastierte nicht zum ersten Mal in Gronau (bzw. Epe). Ihr Ideenreichtum und ihr intelligenter musikalischer Witz machten das Konzert wieder mal zu einem Erlebnis. Und: Unter der Leitung von Willem Breuker spielten Musiker aus dem hiesigen Grenzraum Arrangements, die Breuker geschrieben hat.

Auch beim WDR in Köln war man mittlerweile auf das Jazzfest aufmerksam geworden und sandte die hauseigene Big Band, die nun wirklich zum besten gehört, was das Genre zu bieten hat. Unter Leitung von Bill Dobbins gab es ein skandinavisches Programm, zu dem Jens Winther (Trompete) und Jonas Johansen (Schlagzeug) aus Dänemark sowie Tomas Franck (Saxofon) und Anders Lidvall (Gitarre) aus Schweden geladen waren.

Scott Hamilton, der New Yorker mit dem eleganten Saxofon-Ton, war Mitglied der „American Swing All Stars“, die dem Publikum einen wundervollen Abend mit Mainstream Jazz bescherten. Ein weiteres Konzert mit Keith Smith an der Trompete beschäftigte sich mit der „Wonderful World of Louis Armstrong“.

Chris Barber und seine Band mussten in diesem Jahr früh raus: Sie traten beim Jazzfrühschoppen auf und verstanden es wieder einmal, traditionellen Jazz zeitgemäß umzusetzen.

Am Freitagabend – muss man es erwähnen? – gab es in Kneipen und auf den Straßen Musik vom Blues bis zum Zydecko. Auch am Samstag war die Stadt voller Musik.

Soulful Heavenly Stars aus New Orleans und Soulful Swining Singers aus Gronau La.

Und zum Abschluss des Fests gestalteten die Soulful Heavenly Stars aus New Orleans und die Soulful Swinging Singers aus Gronau ein Konzert in der Stadtkirche. Aus „Gronau, La“ (Abkürzung für Louisiana), wie in mancher Konzertankündigung stand. Weil die jungen Sängerinnen und Sänger es schafften, den musikalischen Spirit des US-Südstaats für die westfälische Mentalität kompatibel zu machen.

erstmals www.jazzfest.de

Was gab‘s noch? Ach ja: So neumodisches Gedöns namens Internet. World Wide Web. Da tauchte zum ersten mal die Adresse www.jazzfest.de auf. Mit Hinweisen auf das Gronauer Festival. Die Berliner Jazzfestmacher sollen ein wenig vergrätzt gewesen sein, dass die Gronauer Firma Netsite sich diese Domain frühzeitig reserviert hatte. Doch gemach: Über mehrere Jahre verwiesen beide Jazzfeste auf die Links zu dem jeweils anderen. Also alles friedlich in der Welt des Jazz...

Fürs Auge gab‘s übrigens auch was: Unter dem Motto „Ganz Gronau eine Galerie“ waren in Schaufenstern unter anderem Bilder des Düsseldorfer Künstlers Gerhard Frischen zu sehen – neben den Jazzfest-Plakaten in leuchtenden Farben.

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