Historische Zäsur im Kreistag: SPD, Grüne und UWG mit Zugewinnen / Verluste für FDP / Familien-Partei drin
CDU büßt absolute Mehrheit ein

Kreis Coesfeld. Es war ein langer Abend im Kreishaus in Coesfeld, bis das Endergebnis um 21.51 Uhr feststand: Erstmals in der Geschichte des Kreises Coesfeld kann die CDU nicht mehr mit absoluter Mehrheit regieren. Sie büßte gegenüber 2009 zwar nur 0,9 Prozentpunkte ein. Das waren aber die entscheidenden, die sie unter die 50-Prozent-Marke auf 49,2 Prozent drückten. Um Mehrheiten zu erzielen, ist sie künftig auf die Stimme von Landrat Konrad Püning angewiesen: Die Oppositionsparteien, darunter neu die Familienpartei mit einem Mandat, errangen zusammen wie die CDU 27 Sitze – eine klassische Pattsituation.

Dienstag, 27.05.2014, 15:11 Uhr

Den Sprung in den Kreistag verpasste durch dieses Ergebnis CDU-Spitzenkandidat Marc Henrichmann aus Havixbeck, der zwar auf der Liste ganz vorne abgesichert war – aber die zog eben nicht mehr. „Wir hätten uns das Ergebnis anders gewünscht“, kommentierte Henrichmann den Verlust der absoluten Mehrheit. Er selbst sei persönlich aber nicht enttäuscht. Er habe sich mit seiner Spitzenkandidatur „in den Dienst der Partei stellen“ wollen. Ob die CDU sich nun einen Koalitionspartner suchen wird, konnte er noch nicht sagen. „Ich würde es aber begrüßen, wenn mit der FDP Gespräche geführt würden“, hob er hervor.

Bei den Liberalen war zunächst Wundenlecken angesagt. Mit minus 4,4 Prozent und nur noch drei statt bislang fünf Sitzen sind sie die großen Verlierer der Kreistagswahl. Einziger Honig, den Spitzenkandidat Henning Höne aus dem Ergebnis noch saugen konnte, war, dass man sich immerhin „etwas vom Bundestrend bei der Europawahl“ habe absetzen können. „Damit kann man aber natürlich nicht zufrieden sein“, zeigte er sich zerknirscht. „Die FDP“, konstatierte er, „ist und bleibt in der schwersten Krise seit ihrem Bestehen.“ Über Koalitionen habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Aber am Ende werde es darum gehen, mit wem die FDP möglichst viel von ihrem Programm umsetzen könne.

Außer der FDP und der Linken, die mit 0,2 Prozent leichte Einbußen hinnehmen musste, haben alle anderen Oppositionsparteien Stimmenanteile dazugewonnen. Am meisten die SPD mit plus 2,0 Prozent. „Ich hatte damit gerechnet, dass wir uns stabilisieren“, freute sich Spitzenkandidat Carsten Rampe über das Abschneiden, dass nach seinem Bekunden auf das Konto der engagierten Wahlkämpfer gehe, die bei vielen Hausbesuchen und an Ständen die SPD-Themen an den Mann und die Frau gebracht hätten. Rampe warnte die FDP als Wahlverliererin davor, eine Koalition mit der CDU einzugehen: „Sie wäre dann in der Rolle des Mehrheitsbeschaffers.“ Das würde sich langfristig rächen, weil das eigene Profil nicht erkennbar wäre. Er plädierte hingegen für einen Schulterschluss in der Opposition: „Wir sollten zusammenstehen.“ Als „Bestätigung unserer Arbeit“ wertete Norbert Vogelpohl von den Grünen die Zugewinne seiner Partei. Bis zuletzt hatte er noch auf ein zusätzliches Mandat gehofft, das aber dann doch die neue Familienpartei erhielt. Mit einem Mandat mehr vertreten ist künftig die UWG. Ihr Sprecher Uwe Hesse kündigte an, die wechselnden Mehrheiten zu nutzen, um verstärkt eigene Themen zu platzieren.

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