10 000 Schweine pro Jahr schickt der Vertragszulieferer zu Westfleisch / Bis zum Ende ums Tierwohl bemüht
Aus der Hofidylle auf den Schlachthof

Hiddingsel. Nicht ein einziger panischer Schrei, nur Grunzen ist zu hören: Zum Glück wissen die 89 120-Kilo-Prachtschweine nicht, dass die frühmorgendliche Hofidylle trügt und sie heute Abend in Hälften am Haken hängen. Gestern gewogen und für schwer genug befunden – die letzte Futterration ihres Lebens gab es am späten Nachmittag: Leicht hungrig den Rüssel neugierig in die Sägespäne versenkt suchen fünf Mastschweine schnüffelnd ihren Weg über die kurze Rampe ins Lkw-Abteil, bevor Markus Friedag die Klappe schließt.

Samstag, 31.05.2014, 14:26 Uhr

Auf der dritten Etage strullert ein vierbeiniger, bereits verladener Artgenosse im hohen Bogen aus dem Fenster und markiert zum letzten Mal den Hof, auf dem er vor sechs Monaten geboren wurde.

Friedag, Viehtransportunternehmer aus Dülmen, tätowiert die Tiere mit der COE-Identifikationsnummer der Familie Uckelmann praktisch im Vorbeigehen und muss nur ganz selten mit dem Treibebrett ein wenig nachhelfen, damit die Schweine in den Lkw steigen. Seinen Viehtransporter hat der 36-Jährige nicht nur für den heutigen Zeitungstermin auf Hochglanz gewienert: „Hygiene ist das A&O: Wenn ich die Tiere beim Schlachthof abgeliefert habe, wird der Lkw von oben bis unten desinfiziert, damit eventuelle Krankheitskeime nicht von einem Hof zum nächsten übertragen werden.“ Drei Stunden veranschlagt Friedag deshalb pro Transport und schafft drei am Tag, obwohl die eigentliche Fahrzeit zu Westfleisch nach Coesfeld nur 25 Minuten beträgt.

Die Kürze des Transportweges ist Michael Uckelmann sehr wichtig. Stichwort Stressvermeidung: „Hier geht es um Tierwohl und Qualität des Fleisches gleichermaßen“, erklärt der Agraringenieur. Werde das Schwein zu nervös, gehe es ihm nicht nur schlecht, sondern es produziere Stresshormone, die wiederum das Fleisch verwässerten und es blass machten.

Tierwohl ist ein Anliegen, das Uckelmann mit den Mitarbeitern des Fleischcenters Coesfeld teilt: Wie es seinen Mastschweinen hier die letzten Stunden bis zu ihrer industriellen Schlachtung ergeht, davon haben er und sein Vater sich in den vergangenen zehn Jahren schon oft persönlich einen Eindruck verschafft.

So lange sind Michael und Josef Uckelmann schon Vertragszulieferer von jährlich gut 10 000 Schweinen an Westfleisch und genießen damit wirtschaftliche Planungssicherheit. Garantierte Abnahmemengen und ein am Jahresdurchschnittswert des Schweinefleischmarktpreises orientierter Gewinn plus Bonuszahlungen sind der klare Vorteil. „Die Aufregung, wenn früher der Viehhändler auf den Hof fuhr, lautstark über den Schweinepreis verhandelte, abdampfte und dann doch wieder vor die Stalltür brauste, um ein neues Angebot aus dem Autofenster zu brüllen, sind eindeutig vorbei“, erinnert sich Josef Uckelmann an turbulente Szenen.

Die Wege zwischen Westfleisch und Landwirt heute sind kurz: „Ich sehe mir meine Tiere nach der Schlachtung stichprobenartig zusammen mit den Veterinären des Schlachthofes an, um zu überprüfen ob sie auch von innen durch und durch gesund sind“, berichtet Michael Uckelmann. „Zum Glück haben wir nur Ausfälle im absoluten Promille-Bereich“, ist Josef Uckelmann erleichtert. Abends können die beiden Landwirte dann schon auf der Homepage von Westfleisch sehen, was welches Schwein erbracht hat.

7 In der nächsten Folge unserer Serie, die am 28. Juni erscheint, beleuchten wir die Selbstversorgung auf dem Hof: ernten mit Elisabeth Uckelmann Salat aus dem Hofgarten, füttern mit Sarah die Hühner und steigen mit ihrem Papa Michael Uckelmann aufs Dach des Schweinestalls, um die Photovoltaikanlage zu kontrollieren.

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