Selbstversorgung reicht von Kilowatt bis Kohlrabi
Sonne schickt Strom in Stall

Samstag, 28.06.2014, 17:46 Uhr

Hiddingsel. Wenn die Sonne so richtig vom Himmel knallt, läuft hier alles auf Hochtouren: Die Belüftungsanlagen in den Schweineställen sowieso. Aber Michael Uckelmann stellt auch den Güllemixer auf Vollpower und mahlt Getreide und Mais zu Schweinefutter in der stalleigenen Mühle. „Wir versuchen, so viel wie möglich von unserem eigenen Strom zu verbrauchen“, erklärt der Agraringenieur.

Denn der wird auf einer Solarmodul-Fläche von 3500 Quadratmetern von einer Photovoltaikanlge auf den Stalldächern produziert. Spitzenleistung bei optimalen Wetterbedingungen: 500 Kilowatt. 30 Prozent verbraucht die Landwirtsfamilie mit dem Betrieb und den beiden Privathaushalten selbst, den Rest kann sie ins öffentliche Stromnetz einspeisen.

Um damit Geld zu verdienen? Leider erst in fünfzehn Jahren: „Solange wird es dauern, bis wir die Investitionskosten wieder erwirtschaftet haben“, hat der Junior-Chef ausgerechnet. Wie leistungsfähig die Solarmodule, die seit Ende 2012 auf den Daldruper Stalldächern und auf der Maschinenhalle Energie produzieren, dann noch sind, stehe allerdings in den Sternen. Denn die Leistung nehme von Tag zu Tag kaum messbar ein winziges Bisschen ab. „Die Technologie wird erst seit acht Jahren wirklich genutzt, Prognosen für die vom Hersteller versprochene Lebensdauer von 20 Jahren sind also mit Vorsicht zu genießen“, ist der 32-Jährige skeptisch.

Doch im Moment funktioniert alles prima in den Energiekraftwerken auf dem Hof: An mehreren Außenwänden der Ställe sind Wechselrichter montiert, die den Gleichstrom vom Dach in Wechselstrom umwandeln.

Und damit wird auch - zumindest tagsüber - die Wärmelampe über der Kükenschar betrieben, um die sich Sarah und Johanna seit Wochen liebevoll kümmern. Während die knapp Dreijährige den 25 Hähnchen reichlich bemessene Futterportionen gönnt, kniet ihre kleine Schwester in der Einstreu und verscheucht entzückt jubelnd das prächtig gewachsene Federvieh von der Futterkrippe.

Aber Elisabeth Uckelmann mästet die weißgefiederten Gockel nicht nur zur Kinderbelustigung: „Die handelsüblichen Hähnchen sind einfach zu klein, wenn wir zu neunt am Tisch sitzen.“ Deshalb dürfen die Uckelmann-Hähnchen zwei, drei Wochen länger leben als in großen Hähnchenmastbetrieben üblich, bevor Michael Uckelmann sie zu einer kleinen Schlachterei nach Seppenrade fährt. „Am nächsten Tag hole ich sie in einer großen Fleischwanne geschlachtet und gerupft wieder ab“, erzählt Uckelmann. Das Ausnehmen übernimmt dann allerdings seine Mutter.

24 Brathähnchen landen in der Truhe, eins kommt frisch auf dem Tisch. Dazu verwöhnt die 52-Jährige ihre Familie und die beiden Azubis, die wochentags immer mit am Esstisch sitzen, mit einer der zahlreichen Salatsorten aus ihrem großen Nutzgarten. „Im Januar sprießt der erste Feldsalat, dann säe ich Kopf- und Zuckerhutsalat und bis in den November kann ich dann immer wieder Feldsalat ernten“, erklärt die Agraringenieurin. Neben Kohlrabi wachsen dicke Bohnen, Kartoffeln und Johannisbeeren und von den Erdbeeren nascht Sarah im Moment am liebsten.

Leider nicht nur die Enkelin: Elisabeth Uckelmann hat Schneckenkorn gestreut und den kleinen Zaun gegen Kaninchen stabilisiert. „Wenn ich frühmorgens aus dem Fenster schaue, kann ich gerade noch einen Blick auf die Ricke werfen, die meine Rosen abknabbert“, schmunzelt die 58-Jährige über Reh-Besuche.

Dicke Bohnen, Friko, ein westfälische Gericht aus Kartoffeln, Zwiebeln sowie Rinderhack und Brathähnchen findet Michael Uckelmann zwar auch ganz lecker, aber so richtig das Wasser im Mund läuft ihm beim klassischen Schnitzel zusammen. „Im Prinzip unterscheiden wir uns kaum von einem engagiert geführten städtischen Haushalt“, betont die Seniorchefin.

Auch wenn sie selbst für ihren Haushalt und ihre Schwiegertochter zusammen mit Sarah das Brot und die Sonntags-Brötchen für die junge Familie backen. „Erstens weil es Sarah total viel Spaß macht, im Teig herumzukneten, und zweitens aus Bequemlichkeit: Wir haben sonntags alle keine Lust, noch extra zum Bäcker zu fahren“, meint Simone Uckelmman.

Und was dann bei ihr und ihrer Schwiegermutter an Schweinefleisch in der Pfanne brutzelt, ist natürlich made by Uckelmann: „Zweimal im Jahr fahre ich eins meiner Schweine in eine kleine Schlachterei nach Dülmen, und hole es in Filetstücken, Schnitzeln und Bratwürsten wieder ab“, berichtet der Landwirt. Als Schlachtlohn gilt die Faustregel: Zwei Schweine bringen, eins zerlegt und verarbeitet wieder mitnehmen. „Aber zum Glück sind die Schweinepreise im Moment ganz gut, so dass wir den Schlachter lieber in bar bezahlen“, resümiert Uckelmann.

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