Evangelische Jugendhilfe bietet mit „Jumega“ jungen Menschen auf ihrem schwierigen Weg eine Chance
Eine Familie für zwischendurch

Coesfeld. Was für eine schöne Szene: Vater, Mutter, Kind in der Küche. Während der Papa am Herd in den Töpfen rührt, schnibbeln Mutter und Tochter in herzlichem Miteinander dicke rote Tomaten für ein gesundes gemeinsames Abendessen. Ganz falsch. Das Titelfoto des neuen Internetportals „jumega.org“ zeigt Gasteltern aus der Region, die eine Jugendliche bei sich aufgenommen haben, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befindet.

Freitag, 24.10.2014, 15:12 Uhr

„Aber weil ich die Familie kenne, kann ich sagen, dass das Bild ganz authentisch ist. Das Verhältnis war sehr herzlich und alle Beteiligten waren mit der Situation glücklich.“ Das sagt Thomas Frank, Berater im Team Jumega Süd-West der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland mit Sitz in Coesfeld. Abgesehen vom Sozialdienst katholischer Frauen in Lüdinghausen, der aber ein anderes Einzugsgebiet hat, ist die Evangelische Jugendhilfe die einzige Einrichtung im Kreis, die nach dem Jumega-Konzept („Junge Menschen in Gastfamilien“) arbeitet, sagt Frank.

Die Idee klingt einfach und bestechend zugleich: Jugendliche, für die es aus verschiedenen Gründen notwendig ist, dass sie eine zeitlang weder in ihrer Herkunftsfamilie noch in einer Wohngruppe leben, ziehen in eine Gastfamilie. Anders als in einer Pflegefamilie ist der Aufenthalt zeitlich sehr begrenzt und überschreitet zwei Jahre nicht. Eine andere wichtige Voraussetzung: Gastgeber und Gast können das Miteinander jederzeit beenden.

„Neben den Jugendämtern fragen vor allem Psychiatrien bei uns an“, berichtet Egbert Große Ahlert, Pädagogischer Leiter der Evangelischen Jugendhilfe. Bei Missbrauchsfällen etwa sei es oft nicht angezeigt, einen jungen Menschen nach einer Therapie zurück in seine Familie zu schicken. Große Ahlert: „Und längst nicht für alle Jugendlichen sind größere Wohngruppen die geeignete Umgebung.“ Die Gastfamilie sei oft eine ideale Interimslösung, um zu sondieren, wie der Weg für den jungen Menschen langfristig weitergehen kann. Für den einen ist die Rückkehr in die Familie das Ziel, ein anderer wird auf eine andere Wohnform vorbereitet, ein dritter braucht noch weitere Unterstützungssysteme, ein vierter wagt es, sich auf eigene Füße zu stellen. „Da arbeiten wir sehr individuell“, so Egbert Große Ahlert.

Rund 25 Jugendlichen hat das Team Süd-West aus Coesfeld in den vier Jahren helfen können, seitdem es mit Jumega arbeitet, übrigens ein Konzept, das bundesweit für alle Anbieter einen gewissen Qualitätsstandard garantiert. „Auch von unseren Gastfamilien bekommen wir positive Resonanz“, berichtet Thomas Franke. Auf den gesamten Kreis verteilen sich die Familien, Paare und Singles, die schon Jugendliche aufgenommen haben. „Und es gibt keine Familie, die aufgegeben hat oder es nicht noch einmal machen würde“, freut sich Franke.

Er wünscht sich, dass noch mehr Gastfamilien zum Kreis dazustoßen. „Sie werden eng von uns begleitet“, versichert er. Und das Erfolgserlebnis sei am Ende sehr beglückend.

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