Wie der stationäre Handel im Internet-Zeitalter überleben kann – Unternehmer diskutieren mit Experten
„Innenstädte müssen wie Ikea werden“

Coesfeld. Das Internet ist nicht der Tod des stationären Handels. Ganz im Gegenteil: Gerade im E-Commerce stecken auch für ihn große Chancen, die es zu nutzen gilt. Das ist ein Ergebnis des Innovations-Impulses „Online versus stationär: Der Kampf um den Kunden“, zu dem die Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld gemeinsam mit dem Coesfelder Stadtmarketing-Verein auf den „Campus by Bense“ eingeladen hatte.

Mittwoch, 29.10.2014, 16:56 Uhr

„Es geht nicht um die Zukunft des Handels, sondern um den Handel der Zukunft“, brachte es Buchautor Marcus Diekmann vom Internet-Dienstleister Shopmacher aus Gescher am Dienstagabend vor 140 Zuhörern auf den Punkt. Er empfahl den Händlern eine konsequente Spezialisierung. Der Stadt Coesfeld als Standort bescheinigte er, schon gut aufgestellt zu sein. Um ihre Innenstädte attraktiv zu halten, sollten gerade Klein- und Mittelzentren „wie Ikea werden“ – mit Einkaufserlebnis, kostenlosen Parkplätzen, Spielplätzen, „guter und schneller Gastronomie als Belohnung nach dem Shoppen“.

Sein Vortrag war ein Parforce-Ritt durch die radikalen Veränderungen, die die Digitalisierung der Welt mit sich gebracht haben: Eine Folie nach der anderen warf er in einem Wahnsinnstempo an die Wand. Die Anwesenden konnten dabei beinahe körperlich nachempfinden, wie schnell sich der Umbruch tatsächlich vollzieht. „Bereits 57 % aller stationären Einkäufe werden online recherchiert“, war eine seiner Botschaften.

Viel läuft über den Preis. Er geht davon aus, dass die Lücke zwischen Online- und stationären Preisen auf Dauer immer kleiner werden wird. „Der Fachhandel muss sich mehr als Servicedienstleister positionieren“, riet er.

Letztlich geht es darum, Einkaufserlebnisse für den Kunden zu schaffen. Online und offline. Anne Kraft von der Beratungsfirma „Stadt + Handel“ sprach als zweite Referentin von einer „Aufenthaltsqualität“, für die auch die Stadt verantwortlich zeichne. Da könne der Laden noch so schön gestaltet sein – wenn das Umfeld nicht stimmt, kämen die Kunden nicht. Nicht jeder Händler, meinte sie, müsse einen Online-Shop haben. Aber notwendig sei, „im Internet auffindbar“ zu sein. Das machte sie an einem Beispiel deutlich: So hat sie versucht herauszufinden, wo man in Coesfeld Levis-Jeans bekommen kann. Doch Google habe da nichts Brauchbares ausgespuckt. Kein gutes Signal! Händler müssten sich „auf die neuen Wege der Information einstellen“. Auch gemeinsam könne man etwas bewegen, erläuterte sie am Beispiel einer etwas abseits gelegenen Einkaufsstraße in Halle, die unter dem Label „schoenelaeden.de“ Furore machte.

Wie E-Commerce ganz praktisch funktionieren kann, zeigte Anja Baumeister von der „Radwelt“ in Coesfeld auf, die ihre Produkte schon seit 2007 erfolgreich im Internet vermarktet – zunächst über Ebay, später mit einem eigenen Online-Shop. Ein durchaus anspruchsvoller Weg, wie sie klarstelle: „Der Kunde möchte im Internet genau dieselbe Beratung wie im Geschäft. E-Mails müssen sehr schnell beantwortet werden.“ Aber es hat sich gelohnt: „Beide Geschäftszweige ergänzen sich gegenseitig und profitieren voneinander, “ zog sie positiv Bilanz.

In der anschließenden Diskussion wurde für Coesfeld ein gemeinsamer Warenauslieferungsservice über eine Internetplattform angeregt. Jens von Lengerke, Handelsexperte bei der IHK Nord Westfalen, ermunterte alle Anwesenden, sich den Herausforderungen zu stellen. Niemand könne diesen großen Umbruch, der sich gerade vollzieht, einfach so aussitzen. Freilich gebe es auch kein Patentrezept: „Jeder Händler muss für sich eine passende Lösung finden.“

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