100 Teilnehmer bei BDM-Versammlung in Darup / Bundesvorsitzender fordert „Sicherheitsnetz“
Milchbauern zahlen drauf

Darup. Für Milchviehhalter sind die Aussichten auf das nächste Frühjahr nicht besonders rosig. Derzeit liegt der Milcherzeugerpreis bei 29 Cent pro Kilogramm. In den kommenden Monaten soll der Betrag noch weiter auf 25 Cent sinken. Dagegen stehen die Produktionskosten, die in der hiesigen Region 39 Cent ausmachen und sogar 50 Cent in Süddeutschland. Bei Bedingungen wie diesen können „Familienbetriebe nur überleben, weil alle Angehörigen zum Nulltarif mitarbeiten“, erklärte Anne Schild-Budde aus Nottuln, die zum Team des Kreisverbandes des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) gehört. Nein, die Erzeuger „wollen keine Subventionen, sondern vernünftige Marktregeln“, machte die engagierte Landwirtin deutlich.

Dienstag, 09.12.2014, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 09.12.2014, 18:33 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 09.12.2014, 18:36 Uhr

Am Montagabend kamen etwa 100 Landwirte und BDM-Mitglieder aus dem Kreisen Coesfeld, Warendorf und Steinfurt im Gasthaus Egbering in Darup zusammen, um sich über die Ursachen des neuerlichen Preisverfalls und mögliche Maßnahmen auszutauschen. „Noch gibt es kein Licht im Tunnel“, erklärte der Lüdinghausener Franz-Josef Krechtmann, der nicht mehr für den BDM im Einsatz ist, weil er nun im Vorstand des Deutschen Milchkontors (DMK) sitzt. Viele Bauern stünden in den Startlöchern, um mehr zu produzieren, wobei alle Molkereien mehr als komplett ausgelastet seien mit „Milch en masse“.

Beispielsweise hat Europa 2013 eine Million Tonnen Milch mehr als sonst auf den Weltmarkt gebracht. In den ersten neun Monaten dieses Jahres war es bereits ein EU-Plus von fünf Millionen Tonnen.

Romuald Schaber, Bundesvorsitzender des BDM und Gastreferent aus dem Allgäu, forderte bei der Veranstaltung, dass die EU-Ebene mit schlagkräftigen Befugnissen ausgestattet werden müsse, um frühzeitig und präventiv auf drohende Marktverwerfungen reagieren zu können.

Die Prognose der Rabobank, die – bei Anpassung der Milchproduktion – einen Marktumschwung für das dritte Quartal 2015 voraussagte, führte zu großem Gelächter im Saal. Vielmehr gibt der Wegfall der Milchquotenregelung im nächsten Frühjahr Anlass zu der Befürchtung, dass die Bauern „Gas geben“. Schließlich sind Tiere, Futter, Ställe vorhanden.

„Wir wollen ein wirkungsvolles Sicherheitsnetz für den EU-Milchmarkt installieren“, betonte Schaber und stellte das Marktverantwortungsprogramm (MVP) vor. Es fordert zur Marktanpassung die temporäre Festlegung von Produktionsmengen in Krisenzeiten. Steigt die Nachfrage dann wieder, soll die normale Produktion wieder aufgenommen werden.

Zu knacken sei allerdings, so Schaber, zunächst Berlin: „Die Betonköpfe dort ignorieren unsere Probleme. Um ein Umdenken zu erreichen, müssen wir ordentlich scheppern!“ Ohne das Engagement des BDM wäre der Milchmarkt auf keiner politischen oder marktwirtschaftlichen Agenda.

„Wer trotz der Krise mehr produziert, muss die Konsequenzen selber tragen. Wir müssen raus aus der Gemeinschaftshaftung“, so eine Forderung aus den Reihen der Zuhörer. Der stimmte Schaber zweifelsfrei zu, wobei „das Problem ganz einfach in Berlin sitzt“.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2934184?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F
Nachrichten-Ticker