Erstes Treffen politisch engagierter Frauen über Partei- und Generationsgrenzen hinweg / Thema: Demografie
„Die Elite der Zukunft ist weiblich“

Kreis Coesfeld. „Und wieder wechseln, meine Damen!“ 30 Frauen dirigiert Dr. Winfried Kösters im Großen Sitzungssaal des Kreishauses in Coesfeld. Die Angesprochenen trennen sich von ihrer jeweiligen Gesprächspartnerin, um sich für zwei Minuten auf eine neue einzulassen. Kösters Uhr gibt den Takt fürs Kennenlernen vor. Was vom Speeddating her bekannt ist, zeigt auch bei diesem Treffen Wirkung: Politisch interessierte Frauen kommen sich über die Grenzen von Generationen, Parteien und Herkunftsorten hinweg schnell näher. Das war ein Ziel der Gleichstellungsbeauftragten aus dem Kreis Coesfeld, auf die die Initiative für diese ungewöhnliche Veranstaltung zurückgeht. „Immer weniger Frauen engagieren sich politisch für ihre Stadt oder Gemeinde“, nennt Heike Wichmann, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises den Hintergrund. Im Kreistag seien nur 25 Prozent Frauen vertreten, in den Stadt- und Gemeinderäten zwischen sechs und 25 Prozent, berichtet die stellvertretende Landrätin Anneliese Haselkamp.

Montag, 02.02.2015, 19:02 Uhr

Die Veranstaltung soll einen Impuls setzen, das zu ändern. „Wir wollen die Lust am Mitgestalten wecken“, so Wichmann.

Gerade auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei es wichtig, dass sich Frauen verstärkt in die politischen Prozesse einbringen, meint Demografie-Experte Kösters. „Die Elite der Zukunft ist weiblich“, sagt er mit Blick auf deutlich bessere Abschlüsse von Mädchen und jungen Frauen. Frauen seien eine Zielgruppe zur Befriedigung des Fachkräftebedarfs. Er plädierte für eine „Neufindung der Gechlechterrollen“: So sollte Gleichstellungspolitik künftig auf beide Geschlechter ausgerichtet sein. Kösters: „Männer müssen mehr Verantwortung übernehmen.“ Ein Hauptproblem kluger Frauen, die auch Mütter werden wollen, sei, den geeigneten Partner zu finden, bringt er es auf den Punkt. Damit sich Frauen neben Beruf und Familie auch noch politisch einbringen können, muss sich seiner Ansicht nach viel ändern. „Zukunft ist nicht die Verlängerung der Vergangenheit“, macht er deutlich, dass vieles aufgrund der radikalen Veränderungen durch den demografischen Wandel ganz neu gedacht werden müsse. „Frauen sind bereit sich zu engagieren, aber nicht mehr in diesen althergebrachten Formen“, sagt er mit Blick auf die Kommunalparlamente, in denen immer mehr Männer über 60 Jahre sitzen.

Danach geht‘s in Workshops weiter, in denen sich die Frauen mit der Frage befassen, „welche Themen speziell Frauen interessieren, herausfordern, betreffen und auch treffen“. Die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Frauen für ihr Engagement benötigen, ist dabei ein wesentlicher Aspekt. Munter beteiligen sich die Frauen an der Diskussion. Schon während des Vortrags von Kösters gibt es immer wieder Wortmeldungen. Und eine übergreifende Solidarität der Frauen untereinander ist zu spüren – über alle Partei- und Altersgrenzen hinweg.

„Der Austausch wurde von den Frauen als sehr positiv empfunden“, zieht Wichmann am Ende Bilanz. Und sie nimmt einen Auftrag der Teilnehmerinnen mit in die Runde der Gleichstellungsbeauftragten: dass der Austausch weitergehen soll.

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