Lüdinghausenerin litt nach kosmetischer Radiofrequenztherapie unter Blasen, Rötungen und Wundbildung
Verweis und Geldbuße für Zahnarzt

Lüdinghausen / Münster. Die Patientin wollte etwas für ihre Haut und ihr Aussehen tun – nach der Behandlung war ihr Gesicht von Rötungen, Blasen und Vernarbungen zeitweilig entstellt. Dem verantwortlichen Mediziner erteilte das Verwaltungsgericht Münster am Mittwoch einen Verweis in Verbindung mit einer Geldbuße von 2500 Euro.

Mittwoch, 04.02.2015, 18:50 Uhr

Der Mann betreibt seit 1986 eine Zahnarztpraxis in Lüdinghausen und eröffnete im Jahr 2010 im selben Haus ein „Beauty Center“ für kosmetische Behandlungen. Im Mittelpunkt stand eine Methode mit Wärmeeinsatz, die Radiofrequenztherapie. Sie sei ein moderner und eigentlich „sicherer Weg“, um Falten zu entfernen und die Gesichtshaut zu straffen, erklärte der Zahnarzt.

Die Kundin, eine Frau Mitte 50 aus Lüdinghausen, hatte im Herbst 2010 acht Sitzungen für 840 Euro gebucht. Nach mehreren Einsätzen bekam sie Blasen, starke Hautrötungen und Wundbildung im Gesicht. Der Mediziner verschrieb ihr eine Creme, um die Folgen zu lindern. Aber es wurde schlimmer: Die Wunden vernarbten. Die Frau wandte sich später an die Zahnärztekammer und schilderte ihr Leid – monatelang habe sie aus dem Gefühl heraus, entstellt zu sein, und aus Scham ihre Wohnung kaum verlassen und sich in psychiatrische Behandlung begeben. Erst im Februar 2011 seien die Wunden verheilt.

In einem Zivilverfahren vor dem Landgericht Münster willigte der Zahnarzt in die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 6500 Euro an die Geschädigte ein.

Der Zahnärztekammer ging es bei ihrer Klage vor dem Berufsgericht nun um etwas anderes: Der Arzt dürfe nur Behandlungen vornehmen, die im Zusammenhang mit Zahn, Mund oder Kiefer stünden. Für die Radiofrequenztherapie habe der 57-Jährige keine ärztliche Zulassung und er besitze auch keine Heilpraktikererlaubnis. Zudem habe er gegen die „Pflicht verstoßen, dem Vertrauen, das Patienten in seine Behandlung setzten, gerecht zu werden“. Das Verhalten schade dem Berufsstand.

Das inzwischen geschlossene „Beauty Center“ führte zwar der Zahnarzt, für die Behandlung mit dem Radiofrequenzgerät hatte er aber eine Kosmetikerin eingestellt. Per Info-Bogen hatte er die Kundin auf mögliche Gefahren hingewiesen. Diese, argumentierte er, habe ihm verschwiegen, dass sie Psychopharmaka genommen habe. „Als Rötungen auftraten, habe ich ihr empfohlen, einen Hausarzt auszusuchen.“ Das habe sie nicht getan und trage deshalb eine Mitschuld.

Doch das war für das Berufsgericht nicht entscheidend: Eingriffe, die „zu gesundheitlichen Schäden führen können“, erläuterte der Vorsitzende, seien einer Heilbehandlung gleichzustellen. Und die habe er in dem Bereich nicht durchführen dürfen.

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