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Geisterstadt in Flamschen

Coesfeld. Eine lange tote Straße führt zur Schießanlage. „Hier beginnt die Geisterstadt“, schaut Major Frank Frost rüber zu den gammelnden Kasernengebäuden aus den 70er Jahren. „Erstaunlich wie schnell sich die Natur das zurückholt“...

Dienstag, 30.09.2008, 18:31 Uhr

Coesfeld. Eine lange tote Straße führt zur Schießanlage. „Hier beginnt die Geisterstadt“, schaut Major Frank Frost rüber zu den gammelnden Kasernengebäuden aus den 70er Jahren. „Erstaunlich wie schnell sich die Natur das zurückholt“, schüttelt er mit dem Kopf. Schüsse hämmern in die Mittagsruhe des Spätsommertags. Sie wirken wie ein letzter Aufschrei – und sind es auch. Denn der Schießstand wird nach dem Ausbildungstag für immer geschlossen. Die Geisterstadt wächst weiter. Mehr als die halbe Kaserne hat sie schon aufgefressen.

Am 15. Dezember werden die Geister gewonnen haben, nachdem einer der letzten Soldaten die Truppenfahne für immer eingeholt hat. Der symbolische Akt besiegelt auch das Ende des Artillerieaufklärungsbataillons 71. Die Soldaten werden auf andere Einheiten in ganz Deutschland verteilt. So lange bemühen sich die verbliebenen Soldaten redlich, noch ein wenig militärisches Leben wach zu halten. Rund 150 Aufrechte sind es noch, die im letzten Quartal der Kaserne die Stange halten. Damit hat sich ihre Zahl im Vergleich zum Vorquartal noch einmal halbiert.

Bis zum bitteren Ende findet weiter militärische Ausbildung statt. Das sei kein Thema, betont Hauptfeldwebel Mike Hakvoort. „Zur Schießausbildung fahren wir jetzt nach Rheine“, erklärt er. Marschiert wird weiter rund um die Kaserne. Das kann man auch in Flamschen gut machen. Platz genug ist ja da. Auch an diesem Tag kommen rund 50 Männer nach 20 bis 30 Kilometern Leistungsmarsch mit zehn Kilo Gepäck auf dem Rücken zurück. Auch wenn die Anstrengung in ihre Gesichter gezeichnet ist, müssen sie anschließend noch einmal gute Schießergebnisse bringen. Oberleutnant Jürgen Ackerl: „Ziel der Ausbildung ist es, auch nach der Anstrengung noch für militärische Einsätze fit genug zu sein.“

Zur Ein- und Auskleidung geht’s jetzt nach Münster. Denn vor einigen Tagen sind zum letzten Mal Soldaten in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne ausgekleidet worden. Ein ziviles Tochterunternehmen der Bundeswehr macht das seit Jahren. Und für die Verpflegung sorgt ein Catering-Unternehmen. „Die Abrechnung erfolgt über einen Chip“, erklärt Ackerl. Moderne Zeiten eben. Doch auch die sind hier bald Vergangenheit.

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